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Dienstag, 21. Februar 2017
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Das Sacher
Das Sacher
Opulentes Zeitgemälde

"Wenn’s weh tut, braucht der Mensch was Süßes!" Der Zweiteiler "Das Sacher" erweckt Zeit und Geist der europäischen Jahrhundertwende zu filmischem Leben

 

Aber bitte mit Obers

Wien um 1900. Wer hip sein will, ist hier. Schließlich ist die Stadt zu dieser Zeit die Kapitole des zweitgrößten europäischen Imperiums: des multinationalen österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Hier kulminiert das geistige, kulturelle und politische Leben des Kontinents. Konzentriert spiegelt es sich wider im Hotel Sacher. Dort verkehren alle: die Avant­garde, Konservative, Friedensbewegte, Reaktionäre, Künstler, Revolutionäre, Majestäten, Neureiche, Wissenschaftler.

Das große "Haus Österreich": Im Hotel Sacher wird es sichtbar. Eine verlockende Idee, dieses unfassbare Panoptikum in einen Film zu fassen. Verlockend – und gefährlich. Welche Aspekte nimmt man auf, welche kann man weglassen? Welche Figuren sollen auftreten? Wie viel Historie braucht die Authentizität, wie viel Fiktionalität das Erzählerische? Der ZDF-Zweiteiler "Das Sacher" schafft die Gratwanderung mehr als passabel.

Schlag nach bei Goethe

Rodica Doehnert, die bereits das Drehbuch zum ZDF-Dreiteiler "Das Adlon" lieferte und parallel zum "Sacher"-Skript auch einen Roman zum Thema schrieb (siehe rechts), verbindet die historische Figur der Anna Sacher mit der ­ausgedachten Geschichte zweier Paare. Die adligen Traunsteins aus Wien und die Berliner Jungunternehmer Martha und Max Aderhold begegnen einander im "Sacher" – und verstricken sich im Gefühlschaos wechselseitiger Anziehung.

Dass dafür die "Wahlverwandtschaften" Pate standen, leugnet die Autorin erst gar nicht. Rodica Doehnert: "Da hielt ich mich an Goethe". Es gibt schlechtere Vorbilder. Geschmacksache ist dann schon eher, dass mit der Figur der von der Kindheit bis zur Pubertät gefangen gehaltenen Marie das Schicksal von Natascha Kampusch anklingt. Notwendig? Immerhin beschert die von der Schweizer Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer glänzend verkörperte Marie dem aufwendigen, aber konventionellen Zweiteiler eine wunderbar gegen den Strich gebürstete Figur.

Ohne Rauch geht’s auch

Überhaupt das Ensemble: großartig! Die wunderbare Ursula Strauss brilliert als Anna ­Sacher, die sich nach dem Tod ihres Mannes mit Ideenreichtum und Ellbogen in einer Männerwelt behauptet und das Sacher zu sagenhaftem Glanz und Größe führt. So glaubwürdig ist die Strauss in dieser Rolle, dass die Regie (Robert Dornhelm) getrost darauf verzichten hätte können, die arme Frau ständig an ­einer Zigarre ziehen zu lassen (auch wenn die historische Anna Sacher tatsächlich mit Arthur Schnitzler geschmaucht haben soll).

Insgesamt ein geglückter, anspruchsvoll unterhaltender Film mit einer plausiblen Story, manchmal zu sehr auf Effekte bedacht, aber mit Liebe zum Detail ausgestattet und immer toll gespielt. Wir empfehlen dazu ein Stück Sachertorte. Mit einer schönen Portion Schlagobers, versteht sich.

Buchtipps zum Film-Event

Buchtipp-Sacher1"Das Sacher: Die Geschichte einer Verführung" 
Rodica Doehnert schrieb die Drehbücher zu "Das Adlon" und "Das Sacher" – und verarbeitete den Stoff über das Wiener Nobelhotel auch zu ihrem ersten Roman. Dabei fügt die gelernte Regisseurin, bei aller Übereinstimmung, durchaus neue Elemente dazu, die dem Roman eine eigene, poetische Qualität verleihen – etwa durch Auftritte der personifizierten Liebe. Die ineinandergreifenden Parallelhandlungen halten den Spannungsbogen immer aufrecht, sodass der Roman "Das Sacher" zur ebenso lehrreichen wie fesselnden Lektüre wird.
Europa Verlag, 336 Seiten, 19,90 Euro

Buchtipp-Sacher2"Anna Sacher und ihr Hotel"
In dieser dokumentarischen Erzählung beschreibt die Autorin und Filmemacherin Monika Czernin voller Sachkenntnis die Welt der Jahrhundertwende in Wien. In der Biografie der tatkräftigen, unkonventionellen Unternehmerin Anna Sacher, die nach dem Tod ihres Mannes drei Jahre um die Konzession für das Hotel kämpfte und das "Sacher" zum ersten Haus des Landes machte, spiegelt sich die Geschichte Europas zwischen der Gründerzeit bis in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Viele Dokumente über das "Sacher" hat Monika Czernin erstmals ausgewertet und mit viel Sorgfalt, Akribie und erzählerischem Geschick ein lesenwertes Buch geschrieben.
Penguin Verlag, 352 Seiten, 10,00 Euro

 
 

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