Sie habe sich den Namen des Produzenten Harvey Weinstein „auf den Hintern tätowieren lassen“, erklärte Judi Dench bei einer Preisverleihung in London vor zwei Jahren. Schließlich verdanke sie dem Filmmogul ihre Hollywood-Karriere. Denn Weinstein hatte das ursprünglich fürs englische Fernsehen produzierte Drama „Ihre Majestät, Mrs. Brown“ in die Kinos gebracht. Und für die Rolle der verwitweten englischen Königin Victoria – ihre erste Hauptrolle in einem Film überhaupt – erhielt die Schauspielerin prompt die erste von sechs Oscar-Nominierungen.
Zwar ging sie 1998 noch leer aus, doch schon ein Jahr später gewann sie den begehrten Goldjungen als Beste Nebendarstellerin. Wieder in einer königlichen Robe: Als Elizabeth I. brauchte sie in „Shakespeare in Love“ nur knappe acht Minuten, um Publikum und Kritiker zu begeistern. Zu diesem Zeitpunkt war Judi Dench 64 Jahre – ein doch recht ungewöhnliches Alter, um im Filmgeschäft richtig durchzustarten.
Mit der Schauspielerei hat das 1934 in York geborene jüngste von fünf Kindern früh begonnen. Die Begeisterung für die Bühne lag in der Familie. Ihr Vater arbeitete als Arzt fürs Theater. Nachdem sie schon als Laiendarstellerin Bühnenluft schnuppern durfte, begann Judi ihr Studium an der Central School of Speech and Drama in London, die sie mit einem Einser-Abschluss und vier Schauspielpreisen verließ. Inzwischen ist sie sogar Ehrenmitglied der Schule.
1957 wurde sie Mitglied der Old Vic Theater-Company. Der Beginn einer beispiellosen Karriere. Längst ist sie laut Umfragen der „größte britische Theaterschauspieler aller Zeiten“ – noch vor dem legendären John Gielgud. Sie gewann acht Theaterpreise, insgesamt 49 Film- und TV-Preise und war für weitere 82 nominiert. Sie erhielt den Ritterschlag der Queen. Darüber hinaus schrieb Dame Judi Filmgeschichte, als sie 1995 als erste Frau die Rolle von 007s Boss übernahm.
Sechs Mal spielte sie „M“, zuletzt 2012 in „Skyfall“. Noch denkt die inzwischen 78-Jährige nicht ans Aufhören – obwohl sie aufgrund einer Augenkrankheit ihre Sehkraft verliert. Drehbücher liest ihr Tochter Finty, das einzige Kind, das Judi und ihr 2001 verstorbener Gatte Michael Williams haben, vor. Auf ein Filmangebot wartet Judi Dench besonders: „Ich will noch mit Jack Nicholson arbeiten – bevor es zu spät ist.