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Interview mit Stefan Effenberg zum DFB-Pokal 2019/2020

Interview mit Stefan Effenberg zum DFB-Pokal 2019/2020

Neben der ARD zeigt auch Sport1 bis zum Viertelfinale ein Spiel jeder DFB-Pokalrunde live im Free-TV. Mit Stefan Effenberg sicherte sich der Sender einen erfahrenen TV-Experten, der die Übertragungen begleitet. Gleich zum Start freut sich der Pokalsieger von 1995 und 2000 auf ein packendes Duell in Derby-Atmosphäre.

„Das Spiel könnte für den BVB unangenehm werden“

Neben dem „CHECK24 Doppelpass“ stehen Sie nun auch als ­Experte für den DFB-Pokal auf Sport1 zur Verfügung. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Stefan Effenberg: Der DFB-Pokal ist äußerst spannend, nirgendwo sonst gibt es so viele Überraschungen – im positiven wie im negativen Sinne. Es ist wunderbar, dass ich jetzt ein Teil davon bin. Die Pokalatmosphäre ist einzigartig.

Welche Partien der ersten Runde finden Sie besonders interessant?

Stefan Effenberg: Krefeld gegen Dortmund ist sehr attraktiv, ein Nachbarschaftsduell mit der Komponente, dass Kevin Großkreutz jetzt für Uerdingen gegen seinen Exklub antritt. Das Spiel ist in Düsseldorf, könnte von der Atmosphäre für den BVB also unangenehm werden. Bayern ist ebenso spannend, doch kann ich mir durch den Abstieg von Cottbus aus der 3. Liga gerade nicht vorstellen, dass da was passiert. Auch das Nordduell Lübeck gegen St. Pauli klingt gut, ein kleines Team könnte über sich hinauswachsen. Hinzu kommt das einstige Bundesligaduell Waldhof gegen Frankfurt.

Wie wichtig ist der DFB-Pokal im Vergleich zu anderen Wettbewerben wie Bundesliga, Champions League oder Europa League?

Stefan Effenberg: Aus meiner Sicht sollte man das nicht vergleichen, der DFB-Pokal ist ein geschlossener Wettbewerb für sich, der Reiz besteht darin, dass Teams, die nicht auf dem Level von Bayern München oder Borussia Dortmund sind, etwas Großes schaffen können. Klubs mit gutem Niveau, für die es aber in der Bundesliga auf Strecke nicht zum Titel reicht.

Warum scheitern Profimannschaften so oft an Außenseitern?

Stefan Effenberg: Die Ansetzung der 1. Runde benachteiligt meiner Meinung nach die Bundesligisten, es geht vor Saisonstart los, die Zweitligisten sind schon 14 Tage im Spielrhythmus, das ist schon ein enormer Nachteil für die Erstligisten. Eintracht Frankfurt, das als Titelverteidiger im Vorjahr an Ulm gescheitert ist, ist ein gutes Beispiel. Danach haben sie aber ihren Rhythmus gefunden und eine tolle Saison hingelegt. In den weiteren Runden spielt natürlich auch Verletzungspech und das Spielglück eine Rolle und dass auch mal ein Gegner unterschätzt wird.

Was war Ihr persönlich prägnantestes DFB-Pokal-Erlebnis?

Stefan Effenberg: Besonders natürlich die Finale, die ich spielen durfte. 1999 haben wir im DFB-Pokal mit Bayern gegen Werder im Elfmeterschießen verloren, im Jahr darauf haben wir sie im Endspiel wiedergetroffen. Das war eine unfassbare Motivation, das wieder zu unserem Vorteil zu drehen. Von den Emotionen her war der Pokalsieg mit Gladbach 1995 das Größte. Die Öffentlichkeit hatte uns als Underdog auf der Rechnung, mehr nicht. Das macht so etwas noch wertvoller, zumal es mein erster Titel überhaupt war und das mit dem Klub, der mich zum Bundesligaspieler gemacht hat. Das war definitiv eine Genugtuung.

Mit Leipzig stand mal wieder eine Mannschaft aus dem Osten im Endspiel. Würden Sie gern mehr „Ostklubs“ in der Liga sehen?

Stefan Effenberg: Sicher würde mich das immer freuen. Wichtig ist, eine gute Struktur zu haben und seine finanziellen Mittel sinnvoll einzusetzen. Die Begeisterung in Magdeburg und Dresden gefällt mir. Ich würde mir wünschen, dass nach Union Berlin und RB Leipzig der ein oder andere Klub aus der Zweiten in die Erste oder von der Dritten in die Zweite Liga nachzieht.

Wer holt den DFB-Pokal 2020?

Stefan Effenberg: Mein Wunsch wäre, dass es ein Team ist, das man nicht sofort auf dem Schirm hat. Damit schließe ich Bayern München und Borussia Dortmund aus. Es wäre klasse, wenn Gladbach mal wieder ins Finale käme.

Interview: Katharina Montada

| Sebastian Zapf | 31. Juli 2019