Allgemein » Was haben die Geschichten über Sherlock Holmes mit wirklicher Detektivarbeit gemeinsam?
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Was haben die Geschichten über Sherlock Holmes mit wirklicher Detektivarbeit gemeinsam?

Was haben die Geschichten über Sherlock Holmes mit wirklicher Detektivarbeit gemeinsam?

An irgendeinem Punkt des Lebens möchten die meisten mal zu Sherlock werden. Doch stellt sich rasch die Frage, ob die Geschichten, die Arthur Conan Doyle schrieb, wirklich eine Gemeinsamkeit mit ›echten‹ Detektiven hatten. Dokumentationen und Verbrechensshows bestätigen immer wieder, dass viele Grundlagen der modernen Verbrechensaufklärungen auf Doyle und seine Geschichten, in denen er den Arztkittel abstreift und in die Rolle von Sherlock schlüpft, zurückzuführen sind. Gerade die in Deutschland weniger bekannten Profiler greifen auf »Sherlock’s Methoden« zurück. Aber Bücher, Filme und Serie verschweigen allesamt, dass die Detektivarbeit bei Weitem nicht immer spannend ist. Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Detektivarbeit ist oft langweilig

Im Schnitt dauert in der weltweit beliebten Serie ›Sherlock‹ eine Überwachung knapp 90 Sekunden. Das ist natürlich der Dramaturgie geschuldet, denn kein Zuschauer möchte seinen Helden dabei beobachten, wie dieser über Stunden still im Auto oder im Versteck verharrt. Auch spannende Verbrecherjagden, Verfolgungsjagden oder Festsetzungen werden im Detektivalltag nicht zu finden sein. Oft geht es um Folgendes:

  • Recherche – sie unternimmt auch Sherlock. Dank seiner deduktiven Fähigkeiten ist er in der Lage, rasch und schnell konkrete und zutreffende Schlüsse zu ziehen. Echte Detektive müssen jedoch meist stundenlang recherchieren und auch aus den unsinnigsten Social Media-Posts versuchen, etwas herauszulesen. Auch haben die wenigsten Detektive den passenden Polizeibeamten an der Seite, der für jeden Verdächtigen gleich die konkreten Hinweise liefert. Das deutsche Gesetz würde dies auch ohne echten Verdacht nicht zulassen.
  • Observierung – Sherlock sitzt im Wagen und natürlich passiert gleich etwas. Ein Detektiv, der beispielsweise Arbeitszeitbetrug oder Krankengeldbetrug aufdeckt, muss durchaus mehrere Tage vor dem Haus des Verdächtigen ausharren, bis er überhaupt einen Beweis in den Händen hält. Bis dahin überwacht er das Haus, den Garten, eventuell die Gassirunde mit dem Hund (die auch im Krankheitsfall erlaubt sein kann), bis der Verdächtige mit Hexenschuss endlich anfängt, bei seinem Nachbarn den Garten umzugraben.
  • Im Betrieb – muss sich ein Detektiv in ein Unternehmen einschleusen, um Spionage oder Diebstahl aufzudecken, so ist er ein ganz normaler neuer Mitarbeiter.

Natürlich kann die Arbeit als Detektiv auch aufregend sein. Die Stellung von Ladendieben ist wenigstens kurzweilig, doch gilt auch hier, dass auf einen Ladendieb Stunden frommer Kunden kommen. All die Verfolgungsjagden und spannenden Szenen, die in Buch, Film und Serie beschrieben werden, gehören nicht zum Alltag echter Detektive.

Detektivarbeit bedeutet Gewissenhaftigkeit

Kein Detektiv, sondern ein TV-Serienermittler, meinte einmal, dass die Tat nicht auf die Beweise abgestimmt werden können, sondern die Beweise zur Tat passen müssen. Der Ausspruch gibt die Arbeit echter Detektive perfekt wieder, denn auch sie müssen absolut gewissenhaft vorgehen. Selbst, wenn ein Detektiv einen Verdächtigen völlig unsympathisch findet oder der Verdächtige in der Vergangenheit schon einmal Straftaten begangen hat, so kann der Detektiv sich nicht davon leiten lassen. Er kann einem Verdächtigen keine Beweise zuordnen, sondern muss anhand der Beweise feststellen, ob der Verdächtige schuldig ist. Wenn beispielsweise morgens früh um acht Uhr Bäckereien überfallen werden, ist nicht jeder schuldig, der kurz vor acht Uhr das Haus verlässt, um zum Bäcker zu gehen. Allgemein gilt bei Detektiven:

  • Rechtskenntnis – ein guter Detektiv kennt das Recht und weiß, was er darf, unternehmen kann – und wann die Polizei benötigt wird. Zugleich weiß er, welche Beweise er aufnehmen kann, ohne dass diese vom Gericht als unzulässig erklärt werden.
  • Transparenz – sie ist insbesondere für Mandanten wichtig. Wie arbeitet ein Detektiv, welche Kosten fallen an, welche Möglichkeiten gibt es, welche Auffassung bezüglich des Erfolgs hat der Detektiv? Auch die DIN-Zertifizierung, wie sie z.B. eine Detektei in Hamburg besitzt, ist ein wichtiger Hinweis für Klienten, denn sie sagt aus, dass diese Detektei dem Recht nach, transparent, mit ordentlicher Buchführung und Kostenabrechnung arbeitet.

Hinsichtlich der Arbeitsmethoden gibt es bei Detektiven natürlich Unterschiede und Schwerpunkte. Auch sie weisen sich in den Kosten aus. Eine simple Detektei, die überwiegend ihr Geld mit der Stellung von Ladendieben verdient, nutzt andere Methoden und Abrechnungen als die Schwerpunktdetektei, die sich auf die Industriespionage oder IT-Spionage konzentriert.

Geniale Kombinationsgabe nur selten gefragt

Insbesondere in diesem Punkt weichen Bücher, Serien und Filme massiv vom echten Leben ab. Einiges davon ist den verschiedenen Gesetzen geschuldet, anderes dem Spannungsaufbau. In Deutschland ermitteln die Polizeibehörden. Es ist nie ausgeschlossen, dass sie bei einigen Fällen eine Detektei mit ins Boot holen, doch oft haben sie ihre eigenen, internen Detektive oder greifen auf das Fachpersonal höherer Ebenen zurück. Einige Beispiele:

  • Ermittlungsarbeit – Polizeibeamte lernen diese Arbeit im Zuge der Ausbildung. Es gibt Spezialisten für etliche Fälle, die mitunter auch die Überwachung übernehmen.
  • Spezialisten – wie es in den USA Profiler und Co. gibt, hat auch Deutschland Fachkräfte für die einzelnen Bereiche. Mitunter können dies Gutachter oder Versicherungsexperten sein.

Aber ist die Kombinationsgabe gar nicht notwendig? Doch, sie ist es, denn wer die Deduktion beherrscht, der hat es im Alltag allgemein leichter. Die Kombinationsgabe bedeutet schlichtweg, dass verschiedene Details schnell korrekt zusammengesetzt werden können. Im Alltag und bei Detektiven kann diese Fähigkeit dabei helfen, die oft unzusammenhängenden oder chaotischen Beschreibungen durch ihre Klienten zu verstehen oder schlichtweg 1 und 1 zusammenzählen zu können. Geht der Hexenschusspatient mit dem Hund heraus, trifft an der Straßenlaterne jemanden, reicht ihm die Hand und geht direkt wieder zurück, so ist das nicht ungewöhnlich. Geschieht das am Tag jedoch häufiger, so könnte ein Drogendeal dahinterstecken.

 

Detektiv im Dunkeln
Wer als Detektiv arbeiten möchte, sollte sich entsprechende Qualifikationen aneignen. Bildquelle: @ Craig Whitehead / Unsplash.com

Fazit – weder Mütze noch Pfeife oder Geige

Es wäre bestimmt stilvoll, wenn der Detektiv mit Mütze und Pfeife den Kunden begrüßt und ihm gleich noch ein Ständchen spielt. In der Realität ist der Detektivberuf jedoch ein Job, der von Geduld, Achtsamkeit, Gewissenhaftigkeit und der Fähigkeit, trotz Langeweile fokussiert zu bleiben, geprägt ist. Nicht selten ist die scheinbar einfachste Aufgabe ein tage- oder wochenlanges Geduldsspiel. Zugleich müssen Detektive frustationstolerant sein, denn sie allein können vielfach nicht eingreifen, sondern müssen die Polizei verständigen.

 

| rtv Redaktion | 2. August 2021