Schon gewusst?

Multitalent Acetylsalicylsäure?

Sie zählt zu den Spitzenreitern unter den rezeptfreien Schmerzmitteln: Acetylsalicylsäure, kurz: ASS. Der Wirkstoff hat sich vor allem bei Kopfschmerzen, Grippe oder Erkältungen bewährt. Aber er kann noch mehr. So soll Acetylsalicylsäure sogar helfen, Darmkrebs vorzubeugen. 

Schon vor Jahrhunderten haben Menschen Extrakte aus Weidenrinde verwendet, um Fieber und Schmerzen aller Art zu lindern. Das pflanzliche Mittel wirkt so gut, weil es Salicin enthält – einen Stoff, der im Körper zu Salicylsäure umgewandelt wird. Diese Substanz wirkt fiebersenkend, schmerzlindernd und anti-rheumatisch. Ende des 19. Jahrhunderts ist es Forschern gelungen, diese Säure künstlich herzustellen und daraus den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (kurz: ASS) zu entwickeln. Seitdem ist die Arznei ein Verkaufsschlager.

Acetylsalicylsäure gehört zu den sogenannten sauren, nicht-opioiden Schmerzmitteln (Fachbegriff: Analgetika): Sie wirken schmerzstillend, weil sie das Enzym Cyclooxygenase und den daraus entstehenden Schmerz-Botenstoff Prostaglandin* im Körper hemmen.

*Gibt es in unserem Körper einen Schaden, dann produziert Cyclooxygenase Prostaglandine. Das sind Botenstoffe, die Signale an die körpereigenen Schmerzrezeptoren senden. Das Ergebnis: Wir empfinden Schmerzen. Das Problem: Sind die Schmerzrezeptoren überreizt, entzünden sie sich und wir verspüren noch stärkere Schmerzen. Unser Körper versucht daraufhin, die Entzündung zu bekämpfen, was häufig zur Folge hat, dass wir Fieber bekommen.

Die Wirkung von Acetylsalicylsäure

Weil Acetylsalicylsäure die Bildung des Schmerz-Botenstoffes Prostaglandin eindämmt, werden unsere Schmerzrezeptoren weniger gereizt und wir spüren weniger Schmerzen. Indem ASS direkt an den entzündeten Schmerzrezeptoren im Körper andockt, wirkt sie auch entzündungshemmend. Daher setzt man sie gerne bei Grippe und Erkältungen ein, um die Entzündung von Schleimhäuten einzudämmen.

> Ein Überblick über entzündungshemmende Schmerzmittel

Einsatzgebiete von Acetylsalicylsäure

Acetylsalicylsäure eignet sich gut, um leichte bis mittelschwere Schmerzen zu lindern. Das können zum Beispiel folgende sein:

  • Kopfschmerzen
  • Zahnschmerzen
  • Regelschmerzen
  • Migräne
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • rheumatische Gelenkschmerzen

Außerdem hilft Acetylsalicylsäure gegen Fieber.

Eine weitere wichtige Wirkung: Die Säure hemmt die Blutgerinnung und verhindert dadurch, dass sich Blutgerinnsel bilden. ASS wird deswegen häufig als Blutverdünner eingesetzt, um Herzinfarkten, Schlaganfällen, Thrombosen oder Angina Pectoris vorzubeugen.

Acetylsalicylsäure gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten?

Seit Jahren wird immer wieder davon gesprochen, dass Acetylsalicylsäure Durchblutungsstörungen und damit verbundene Herzprobleme verhindern kann. Tatsächlich hat eine Studie der amerikanischen US Preventive Services Task Force (kurz: USPSTF) 2015 gezeigt, dass die Einnahme von ASS das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit auch die Sterblichkeitsrate senkt.

Das gilt speziell für Menschen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren, die gefährdet sind, an Durchblutungsstörungen zu leiden. Sie sollten die Säure in niedriger Dosierung (weniger als 100 Milligramm täglich) lebenslang einnehmen, um Blutgerinnseln und den daraus resultierenden Krankheiten (vor allem Herzinfarkt und Thrombose) vorzubeugen. Die vorsorgliche Einnahme kann außerdem davor schützen, dass das Blut zu wenig Sauerstoff enthält und die Lunge darunter leidet.

Ob es auch für Sie sinnvoll ist, ASS dauerhaft einzunehmen, sollten Sie vorher unbedingt mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen abklären. Denn die tägliche ASS-Einnahme kann zwar Herz- und Durchblutungsproblemen vorbeugen, ist aber mit großen gesundheitlichen Risiken verbunden. So können in schweren Fällen Magen-Darm-Blutungen auftreten. Menschen unter 50 und über 70 nützt es laut der US-amerikanischen Studie nichts, ASS vorbeugend einzunehmen.

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Schützt Acetylsalicylsäure vor Krebs?

Eine neue Studie der Dänischen Krebsgesellschaft deutet darauf hin, dass eine tägliche, niedrige Dosis ASS (75 bis 150 Milligramm) vor Darmkrebs schützen kann. Studienteilnehmer, die über fünf Jahre lang jeden Tag ASS eingenommen hatten, konnten ihr Risiko, daran zu erkranken um 27 Prozent senken. Der Grund: Der Stoff hemmt die Bildung von Darmpolypen, welche mit der Zeit bösartig werden können.

> Darmpolypen erkennen und vorbeugen

Aktuell wird ASS jedoch noch nicht zur Vorbeugung von Krebs eingesetzt – unter anderem, weil noch genaue Empfehlungen zur Art der Einnahme und zur Höhe der Dosierung fehlen.

Nebenwirkungen von ASS

Auch wenn Acetylsalicylsäure rezeptfrei erhältlich ist und sich schon lange bewährt hat: Wie jedes Schmerzmittel sollte der Wirkstoff nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Er kann zahlreiche unerwünschte Begleiterscheinungen verursachen, zum Beispiel:

  • Magen-Darm-Blutungen
  • Bauchschmerzen
  • Sodbrennen
  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Überempfindlichkeiten, die zu Schnupfen oder Asthma (“Aspirinasthma”) führen können
  • Allergische Hautreaktionen
  • Störungen im Bereich der Leber und Nieren
  • Blutdruckabfall
  • Eisenmangel und daraus resultierende Blutarmut

ASS-haltige Medikamente sollten Sie also nicht unüberlegt einnehmen, sondern vorher immer mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Das ist vor allem wichtig, wenn Sie Probleme mit den Nieren oder der Leber haben oder unter Magen- oder Darmgeschwüren leiden. Das gilt auch, wenn Sie frisch operiert sind oder kurz vor einer Operation stehen. Dadurch, dass Acetylsalicylsäure die Blutgerinnung hemmt, verlangsamt sie auch die Wundheilung. Schwangere oder stillende Frauen sowie Kinder sollten grundsätzlich auf ASS verzichten oder vorher mit ihrem Arzt Rücksprache halten.

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Auch eine Überdosierung sollte unbedingt vermieden werden. Ab sechs bis acht Gramm pro Tag kann ASS das Gehör schädigen und Tinnitus auslösen. Verwenden Sie Acetylsalicylsäure außerdem nie nach Ablauf des Verfallsdatums. Bei zu langer Lagerung zerfällt die Substanz zu Salicylsäure und verursacht dann noch stärkere Nebenwirkungen.