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Achillessehnenriss: Ursachen & Behandlung

Der griechische Sagenheld Achilles galt als unverwundbar, hatte ihn seine Mutter Thetis doch kopfüber in den magischen Fluss Styx eingetaucht. Doch sie vergaß eine Stelle: die rechte Achillesferse. Genau dort wurde ihr Sohn letztlich tödlich verwundet. Im Volksmund gilt die Achillesferse daher als Schwachstelle. Und tatsächlich kann die Sehne an der Ferse verletzt werden und sogar reißen. Wie es zu einer sogenannten Achillessehnenruptur kommen kann und warum speziell Männer zwischen 30 und 45 aufpassen sollten, verrät dieser Artikel.

Die Achillessehne (Tendo calcaneus) ist durchschnittlich zwischen 20 und 25 Zentimeter lang und gilt als die dickste sowie stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Sie verbindet das knöcherne Fersenbein (Tuber calcanei) mit dem Wadenmuskel (Musculus triceps surae). Belastbar ist sie bis zu 800 Kilogramm. Dennoch kann sie verletzt werden und sogar reißen. Wenn die Sehne reißt, dann gibt es ein lautes Geräusch, vergleichbar mit einem Peitschenschlag.

Was ist ein Achillessehnenriss?

Der Achillessehnenriss wird in der Fachsprache als Achillessehnenruptur bezeichnet. Angesichts der Tatsache, dass diese Sehne so lang und dick sowie ausgesprochen belastbar ist, sollte eigentlich vermutet werden, dass ein Riss kaum wahrscheinlich ist. Doch das ist leider ein Trugschluss, denn diese Verletzung gilt nicht gerade als selten: Einer Statistik zufolge erleiden mehr als zehn von 100.000 Menschen pro Jahr einen Achillessehnenriss.

Den Zahlen zufolge sind grundsätzlich mehr Männer als Frauen betroffen. Besonders häufig erwischt es dabei sportliche Herren in der Altersspanne von 30 bis 50. In aller Regel tritt die Achillessehnenruptur im mittleren Bereich auf, da dieser weniger gut durchblutet ist als die Bereiche in der Nähe des Knochen- oder Muskelansatzes.

Grundsätzlich findet eine Unterscheidung in eine komplette Durchtrennung und in einen Anriss statt. Zweitgenannter wird dann als partielle Achillessehnenruptur bezeichnet. Bei der Durchtrennung ist es möglich, dass die Sehne entzweigerissen wird oder unten am Fersenbein, teils zusammen mit kleinen Knochenstücken, abreißt.

Links im Bild erkennen Sie die gerissene Achillessehne.

Links im Bild erkennen Sie die gerissene Achillessehne. oguzaral / iStock

Was löst einen Achillessehnenriss aus?

Entstehen kann ein solche Verletzung kaum durch eine äußere Gewalteinwirkung. Auslöser sind stattdessen eine dauerhafte und extreme Überlastung, wie sie durch schwere körperliche Arbeit oder sportliche Betätigung denkbar ist. Und dabei ist „extrem“ wörtlich zu verstehen, denn für gewöhnlich wird die Achillessehne bei starken Belastungen teilweise mit dem Zehnfachen des Körpergewichts beansprucht, ohne Schäden davonzutragen.

Dementsprechend hat also vor dem Riss bereits ein enormer Verschleiß stattgefunden, denn eine gesunde Sehne vermag kaum zu reißen. Stattdessen sind bereits Reizungen oder Entzündungen vorausgegangen, wodurch das Gewebe weniger widerstandsfähig ist. Auch Mikrorisse beeinträchtigen die Belastbarkeit der Sehne.

Acht von zehn Rupturen der Achillessehne sind auf Sportunfälle zurückzuführen. Als besonders risikobehaftete Disziplinen gelten Fußball, Tennis, Squash, Badminton, Basketball oder auch das Sprinten. Hier kommt es immer wieder zu Sprüngen und sogenannten Stop-and-Go-Bewegungen, bei denen sich also Stillstand und Aktivität ständig abwechseln. Die Achillessehne reißt zumeist dann, wenn man sie plötzlich und stark anspannt.

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Faktoren, die eine Ruptur begünstigen können sind:

  • Mangelnde Aufwärmphase vor dem Sport
  • Fehlende oder zu kurze Trainingspausen
  • Fehlfunktionen der Muskulatur
  • Abweichungen der Fußachse
  • Deformitäten des Fußes
  • Schlechtes Schuhwerk
  • Einnahme von Medikamenten in Form von Antibiotika, Anabolika, Zytostatika sowie Kortison
  • Diabetes Mellitus
  • Gelenks- und Bindegewebserkrankungen (u.a. Rheuma, Gicht)
  • Gesteigertes Lebensalter

Welche Symptome treten bei einem Achillessehnenriss auf?

Was die Symptome einer Achillessehnenruptur anbelangt, gibt es ein sehr typisches Muster. Der Riss erzeugt einen hörbaren Knall, der einem Peitschenhieb ähnelt. Dazu gibt es einen plötzlichen, stechenden Schmerz, welcher sich anfühlt wie ein starker Tritt gegen den entsprechenden Bereich.

Der Betroffene ist nach einer Ruptur der Achillessehne nicht mehr dazu in der Lage, sein Sprunggelenk aktiv zu beugen (Plantarflexion), wie etwa die Fußspitze in Richtung des Bodens zu senken oder gar auf den Zehenspitzen zu stehen. Äußerlich ist eine Schwellung üblich, die an der Rückseite des Sprunggelenks sowie der Wade zu erkennen ist. Gelegentlich kann auch ein Bluterguss etwas oberhalb der Ferse aus diesem Riss resultieren.

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Wie erkennt der Arzt den Achillessehnenriss?

Ein Achillessehnenriss wird in den meisten Fällen von einem Unfallchirurgen oder einem Orthopäden diagnostiziert. Zunächst stellt der Mediziner Fragen, die sich danach richten, ob ein normales Laufen möglich ist, wie es zu diesem Unfall gekommen ist, ob es bereits in der Vergangenheit eine ähnliche Verletzung gab und ob die Symptome plötzlich aufgetreten sind. Abtasten ist ebenfalls üblich, wobei der Riss eine tastbare Delle hinterlässt.

Als klassische Untersuchungsmethode gilt der Thompson-Test. Bei diesem liegt der Patient auf dem Bauch auf einer Liege, die Füße frei über dem Rand. Durch Zusammendrücken der Wadenmuskultur sollte sich der Fuß in Richtung der Sohle bewegen – bleibt diese Reaktion aus, liegt ein Achillessehnenriss vor.

Zudem können auch bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine MRT hilfreich sein, um eine Diagnose zu stellen. Hierbei kann der Arzt erkennen, wie stark die Sehne gerissen ist und eine entsprechende Therapie empfehlen.

Wie wird ein Achillessehnenriss behandelt?

Als Sofortmaßnahme sollte der Patient Sport und andere belastende Situationen beenden, um den Fuß zu entlasten. Betroffene Stellen sollte er hochlagern und kühlen. Auch das Anlegen eines Druckverbandes ist als Erste-Hilfe-Maßnahme sinnvoll. Wer das verletzte Bein dennoch weiter belastet, riskiert eine Verschlimmerung der Schmerzen, die letztlich chronisch werden können.

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Eine Behandlung der gerissenen Achillessehne sollte schnellstmöglich erfolgen. Sonst besteht die Gefahr, dass sie falsch zusammenwächst, was sich negativ auf den Bewegungsapparat auswirken kann. Die Therapie richtet sich danach, wie stark die Sehne gerissen ist und wie groß der Abstand zwischen den zwei gerissenen Sehnenenden ist. Je höher dieser ist, desto wahrscheinlicher ist eine Operation. Auch das Alter, die Gesundheit und die Lebensumstände des Patienten spielen eine Rolle bei der Wahl der Therapie.

Operation einer Achillessehnenruptur

Gerade jungen und sportlichen Menschen empfehlen Ärzte meist eine operative Behandlung, weil die Sehne danach wieder stark belastet werden kann. Hierbei näht der Chirurg die gerissenen Sehnenenden zusammen oder klebt sie mit einem speziellen Gewebestoff aneinander. Ist zusätzlich noch ein Stück Knochen vom Fersenbein abgerissen, kann dieses dort wieder mit einer Schraube fixieren. Möglich ist sowohl eine minimal-invasive als auch eine offene Operation.

Falls die gerissene Sehne bereits stark abgenutzt ist, kann der Arzt ein Sehnenstück aus einem anderen Teil des Körpers (z.B. aus der Unterschenkelmuskulatur) entnehmen und dorthin verpflanzen. Diese „Sehnenplastik“ kann die Achillessehne wieder verstärken.

Die Narbe nach einer offenen Achillessehnen-Operation.

Die Narbe nach einer offenen Achillessehnen-Operation. (c) RapidEye / iStock

In seltenen Fällen können bei einer operativen Therapie umliegende Nerven verletzt werden, was zu Lähmungserscheinungen führen kann. Auch Allergien, Blutgerinnsel oder das Sudeck-Syndrom können entstehen. Bei Letzterem kann es zu starkem Knochenabbau und Entzündungen kommen. Eine gute Betreuung auch nach der Operation ist daher sehr wichtig.

Die Heilungschancen stehen insgesamt aber sehr gut: Die Achillessehne ist wieder stabil (kann rund 90 Prozent der früheren Belastbarkeit erreichen), und das Risiko einer erneuten Verletzung (Re-Ruptur) ist relativ gering (ca. zwei Prozent). Besonders eine Bewegungstherapie etwa acht Wochen nach der Operation kann zu einer Genesung beitragen. Hierbei tasten sich Operierte langsam wieder an ihre frühere Kraft heran und steigern die Belastung sukzessiv, insbesondere die der Wadenmuskulatur. Je nach Person sollten aber drei bis sechs Monate vergehen, ehe sie wieder intensiven Sport treiben.

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Konservative Therapien

Nicht immer ist eine Operation jedoch die empfehlenswert, da sie mit Risiken wie Infektionen verbunden ist. Gerade für ältere oder geschwächte Menschen und Personen, deren Sehne nur angerissen ist, sind konservative Behandlungen häufig besser.

Bei einer nicht-operativen Therapie wird der betroffene Fuß über mehrere Wochen in einem orthopädischen Spezialschuh oder Unterschenkelgips ruhiggestellt, er kann aber zugleich auch belastet werden. Bei diesen Spezialanfertigungen ist der Bereich an der Ferse erhöht (Spitzfußstellung), wodurch die gerissenen Sehnenenden besser zusammenheilen können. Das Zusammenwachsen wird in dieser Zeit regelmäßig überprüft, etwa durch Ultraschall, und der Schuh wird gegebenenfalls mehrmals neu angepasst.

Nach dieser Behandlung empfiehlt sich ebenfalls eine Krankengymnastik, um die Kraft und Beweglichkeit des betroffenen Beines wieder zu fördern. Auch hier stehen die Chancen gut, dass ein erneuter Riss nicht wieder auftritt. Gegebenenfalls müssen Betroffene die sportlichen Aktivitäten an ihre körperliche Verfassung anpassen.

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