Krankheiten & Therapien

ADHS-Diagnose – so geht der Arzt vor

Nicht jedes quirlige Kind hat zwingend ADHS. Lesen Sie, durch welche Untersuchungen, Diagnosemethoden und Fragen der Arzt herausfindet, ob Ihr Kind ADHS hat.

Eine ADHS-Diagnose sollte nur ein erfahrener Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater stellen, denn nicht jedes kleine Energiebündel hat ADHS. Folgende Fragen und Untersuchungen spielen für die ADHS-Diagnose eine Rolle:

  • Erfragen des sozialen Umfelds, der Familiensituation, durchgemachter Krankheiten, Auffälligkeiten in der Schwangerschaft (Anamnese)
  • Befragung der Eltern, Erzieher, Lehrer und anderer Betreuer zu Sozial-, Lern-, Leistungsverhalten, Persönlichkeitsstruktur, Gruppenverhalten; Einsicht in Zeugnisse
  • Körperliche Untersuchung (z.B. Gewicht, Größe, Blutdruck) und neurologische Untersuchungen der Fein- und Grobmotorik sowie der Bewegungskoordination
  • Test des Hör- und Sehvermögens
  • Beurteilung des psychischen, emotionalen, sozialen und geistigen Entwicklungsstandes (Begabungen, Intelligenz, Aufmerksamkeit, schulische Fähigkeiten wie Lesen, Rechnen oder Schreiben).
  • Beobachtung des Verhaltens und Beschreibung des kindlichen Verhaltens durch Eltern, Verwandte, Lehrer oder Erzieher im Alltag.
  • Videoaufzeichnungen aus dem Alltag: Welche Stärken, Kompetenzen, Schwächen und Defizite hat Ihr Kind?
  • Blutuntersuchungen, evtl. Messung der Hirnströme (EEG) und der Herztätigkeit (EKG).

ADHS-Diagnose – diese Symptome müssen zutreffen

Die Diagnose ADHS erfolgt nach bestimmten Kriterien (Klassifikationssystem ICD-10). Sie kann gestellt werden, wenn sechs oder mehr der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit seit wenigstens sechs Monaten bestehen und nicht dem normalen Entwicklungsstand entsprechen:

Unaufmerksamkeit

Ihr Kind:

  • beachtet oft Einzelheiten nicht genau oder macht Flüchtigkeitsfehler bei schulischen Aufgaben, bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten.
  • hat oft Mühe, längerfristig aufmerksam zu sein bei Arbeit oder Spiel.
  • scheint oft nicht zuzuhören, wenn es direkt angesprochen wird.
  • führt oft Anweisungen nicht vollständig aus oder beendet Arbeiten in der Schule, zuhause oder am Arbeitsplatz nicht (nicht verursacht durch oppositionelles Verhalten oder weil die Anweisungen nicht verstanden wurden).
  • hat oft Mühe, Aufgaben und Tätigkeiten planvoll abzuwickeln.
  • vermeidet, übernimmt nur ungern oder verweigert oft Aufgaben, die anhaltende Konzentration erfordern (z.B. in der Schule oder bei den Hausaufgaben).
  • verliert oft Dinge, die für Aufgaben und Tätigkeiten notwendig sind (z.B. Spielzeug, Hausaufgabenheft, Schreibstifte, Bücher oder Werkzeug).
  • wird oft leicht abgelenkt durch unwesentliche Reize.
  • ist oft vergesslich bei Alltagstätigkeiten.

Bei einer ADS-Diagnose erfüllen die Kinder nur die Kriterien der Unaufmerksamkeit, sie sind weder hyperaktiv noch impulsiv.

Eine ADHS-Diagnose liegt auch vor, wenn zusätzlich oder alternativ sechs oder mehr der folgenden Symptome von Hyperaktivität/Impulsivität seit wenigstens sechs Monaten bestehen, die nicht dem Entwicklungsstand angemessen sind:

Hyperaktivität

Ihr Kind:

  • zappelt oft mit Händen oder Füßen oder windet sich auf dem Stuhl.
  • verlässt oft den Sitzplatz im Klassenzimmer oder in anderen Situationen, bei denen Sitzenbleiben erwartet wird.
  • rennt oft herum oder klettert überall hoch in unpassenden Situationen (bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann sich dies lediglich in einem Gefühl der Ruhelosigkeit äußern).
  • hat oft Mühe, bei Spiel- und Freizeitaktivitäten keine Geräusche zu machen.
  • ist oft umtriebig oder benimmt sich oft wie von einem Motor angetrieben.
  • redet oft übermäßig viel.

Impulsivität

Ihr Kind:

  • platzt oft mit der Antwort heraus, bevor Fragen komplett gestellt sind.
  • hat oft Mühe zu warten, bis er/sie an der Reihe ist.
  • unterbricht oder stört oft andere (mischt sich z.B. in Unterhaltungen oder Spiele ein).

Steht die Diagnose ADHS, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, welche Therapien in Frage kommen und am wirksamsten sind.

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Quellen:

  • Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V., Aktualisierte Fassung Januar 2007, mit Update des Kapitels „Medikamentöse Therapie“ März 2014
  • Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte, www.ag-adhs.de (Abruf: 19.11.2105)
  • Neurologen und Psychiater im Netz, www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (Abruf: 19.11.2105)
  • Bertelsmann Stiftung “Faktencheck Gesundheit”, 2014;