Krankheiten & Therapien

ADHS-Therapie – Medikamente und andere Therapien

Die ADHS-Therapie beinhaltet mehrere Bausteine. Dazu zählen Medikamente, aber auch die Verhaltens- und Ergotherapie. Alle ADHS-Therapien im Überblick!

Psychoedukative Maßnahmen

Dazu zählen Gespräche mit den Eltern, Kindern, Jugendlichen, Erziehern und Lehrern, um sie über die Besonderheiten des Krankheitsbildes ADHS aufzuklären. Besonders wichtig ist es, Maßnahmen miteinander zu vereinbaren, die den Kindern mit ADHS helfen und die Symptome mildern. Dazu gehören:

  • Verlässliche  Strukturierung des Tagesablaufs mit geregelten Zeiten für Mahlzeiten, Arbeiten, Spiel und Freizeitaktivitäten.
  • Gemeinsam mit dem Kind Regeln für Abläufe und Pflichten vereinbaren, konsequent Grenzen  setzen,  Absprachen  über  Belohnungen  und  Strafen, Positives  bestärken,  Negatives (soweit nicht wesentlich) weniger beachten, Zuneigung spontan zeigen.
  • Freiräume für den/die Hauptbelastete(n) in der Familie zur Erholung sicherstellen.
  • Empfehlung für Freizeit: Zeiten für Fernsehen und PC einschränken, Sport (z.B. Judo, Reiten), gut strukturierte Jugendgruppe.

Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapeutische  Maßnahmen (positive Verstärkung, negative Konsequenzen) können die Probleme in der Familie, Schule und mit Freunden verbessern helfen. Die Kinder und Jugendlichen mit der Diagnose ADHS lernen, ihr problematisches Verhalten zu verändern. Auch in der Ergotherapie, Psychomotorik und Heilpädagogik  finden  sich  verhaltenstherapeutische Ansätze, die sich im Alltag gut einsetzen lassen. Als alleinige Maßnahme ist die Verhaltenstherapie aber meist nicht ausreichend.

Ergotherapie und Co

Sie hilft beispielsweise bei Störungen der Körperkoordination und  Körperwahrnehmung (Psychomotorik). Die Kinder (und Eltern) erlernen konkrete Strategien im Umgang mit ADHS im Alltag.

Für Kinder mit Lese-Rechtschreib- und Rechenschwäche gibt es entsprechende Therapien und einen Nachteilsausgleich in der Schule. Förderkindergärten, Förderschulen und heilpädagogische Tagesstätten bieten eine intensivere pädagogische Förderung.

Probleme in der Familie lassen sich mit einer Familien- und Erziehungsberatung, einem Elterntraining und einer Psychotherapie angehen.

Bei oppositionell-aggressivem Verhalten sind eine Verhaltenstherapie und soziales Kompetenztraining hilfreich. Angststörungen und Depressionen lassen sich mit einer Psychotherapie und eventuell Medikamenten behandeln.

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen sind für Eltern und Erwachsene mit ADHS eine große Hilfe. Sie können dort  Erfahrungen  austauschen und sich Tipps von anderen für den Alltag und Umgang mit ADHS holen.

Medikamente als ADHS-Therapie

Lässt sich mit den genannten Therapien keine deutliche Verbesserung erzielen, sind Medikamente ein Option. Die medikamentöse Therapie hat den größten positiven Effekt auf die ADHS-Symptome. Auch begleitende Störungen bessern sich durch Medikamente. Arzneien, die zur ADHS-Therapie für Kinder ab sechs Jahren und Jugendliche zugelassen sind, werden aber nicht als alleinige Therapie empfohlen. Nur in krisenhaften Situationen sollten Medikamente direkt nach der Diagnose eingesetzt werden. Oft sind Fördermaßnahmen und Heilmitteltherapien erst bei medikamentöser Therapie der Kinder erfolgreich.

Wichtig sind die Aufklärung und das Gespräch mit den Eltern und (älteren) Kindern und Jugendlichen über die medikamentöse Behandlung: Wie wirkt das Medikament? Was gut nutzt es? Welche Nebenwirkungen hat es? Der Einsatz der ADHS-Medikamente ist nicht unumstritten. In den letzten Jahren ist zum Beispiel die Verordnung des Wirkstoffs Methylphenidat (Ritalin) enorm gestiegen. Und in manchen Regionen Deutschlands werden häufiger ADHS-Diagnosen gestellt und ADHS-Medikamente verordnet als anderswo, zum Beispiel im unterfränkischen Würzburg.

Eltern sollten sich auch nicht scheuen, dem Arzt ihre möglichen Bedenken zum Medikamenteneinsatz bei Kindern mitzuteilen und ihm alle Fragen zu stellen, die ihnen auf der Seele brennen. Viele Eltern haben Sorgen und Ängste, ihrem Kind Medikamente zu verabreichen, damit sie ruhiger und besser in der Schule sind. Diskutieren sie dies auf jedem Fall mit Ihrem Arzt.

Für Kinder und Jugendliche sind verschiedene Stimulanzien und ein Nicht-Stimulans zugelassen.

Stimulanzien

Sie greifen in den Botenstoffwechsel des Gehirns ein und wirken anregend. Die behandelten Kinder werden ausgeglichener, können Umwelteinflüsse besser verarbeiten und ihren Alltag in Familie und Schule besser meistern. Die Einnahme von Stimulanzien gilt als die wirksamste Behandlung, um die Kernsymptome bei ADHS zu bessern. Die Therapie wird als sehr wirksam, sicher und ungefährlich angesehen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Weinerlichkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Schwindel. Langzeitnebenwirkungen oder Abhängigkeiten sind nicht bekannt. Stimulanzien unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz (BTM-Pflicht). Eingesetzte Stimulanzien bei ADHS sind:

  • Methylphenidat: Es gibt unterschiedliche Darreichungsformen, die unterschiedlich lang wirken (einige Stunden bis den ganzen Tag)
  • Dexamfetaminsulfat: wirkt sechs bis acht Stunden
  • Lisdexamfetamin: wirkt neun bis 13 Stunden bei Kindern.

Nicht-Stimulanzien

  • Atomoxetin: Der Wirkstoff bringt den Botenstoffwechsel des Gehirns ebenfalls ins Gleichgewicht. Atomoxetin ist nicht BTM-pflichtig. Die Wirkung setzt erst etwa sechs Wochen nach Beginn der Therapie ein. Bei diesem Medikament muss in einem Behandlungsversuch schrittweise die Dosis erhöht werden. Das Medikament wirkt meist den gesamten Tag über. Die Nebenwirkungen des Atomoxetins ähneln denen der Stimulanzien.

Die Kombinationen der verschiedenen Stimulanzien miteinander und die Kombination von Stimulanzien mit Atomoxetin sind möglich.

Neurofeedback

Neurofeedback  ist  eine  Form  des  Lerntrainings  durch Rückmeldung der Hirnaktivität. Nach der derzeitigen Studienlage erscheint Neurofeedbacktraining zwar als aufwändig, aber aussichtsreich. Für eine abschließende Einstufung der Wirksamkeit ist es aber noch zu früh. Noch bieten wenige Neurofeedback für ADHS-Kinder an. Die Krankenkassen müssen die Kosten dafür auch nicht übernehmen.

Ernährung

In allen größeren Studien hat sich ein Nutzen von Diäten nicht nachweisen lassen.

Quellen:

  • Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V., Aktualisierte Fassung Januar 2007, mit Update des Kapitels „Medikamentöse Therapie“ März 2014
  • Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte, www.ag-adhs.de (Abruf: 19.11.2105)
  • Neurologen und Psychiater im Netz, www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (Abruf: 19.11.2105)
  • Bertelsmann Stiftung “Faktencheck Gesundheit”, 2014;