Alternativmedizin & Naturheilkunde

Akupunktur: Sanftes Heilmittel oder Hokuspokus?

Wirkungsloses oder sanftes Heilmittel? Die Meinungen über Akupunktur sind gespalten. Es ranken sich viele Mythen um das alternative Heilverfahren, doch es gibt auch gesicherte Studien über die Behandlung mit den Nadelstichen. Wir erklären, wann Akupunktur wirklich hilft und was dabei zu beachten ist.

In China wendet man Akupunktur schon seit rund 3.000 Jahren an. Heutzutage erfreut sie sich als alternative oder ergänzende Therapie immer größerer Beliebtheit. Doch auch hier gilt: Wie bei jeder medizinischen Behandlung muss sie unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden!

Das Qi als Lebensenergie

In der traditionellen chinesischen Vorstellung befinden sich im Menschen zahlreiche Leitbahnen, auch Meridiane genannt. Diese Bahnen lassen die Lebensenergie, das Qi, durch den gesamten Körper strömen. Zahlreiche Faktoren wie Ernährung, Stress, Ängste oder Umwelteinflüsse können den Qi-Fluss jedoch stören und dadurch Schmerzen und Krankheiten verursachen.

Um den Körper davon zu heilen, muss die Medizin den Qi-Fluss wieder in die richtige Bahn lenken. Dazu werden Nadeln in bestimmte Körperstellen (Akupunkturpunkte) gestochen. Am besten funktioniert das an Stellen, die nahe an der Körperoberfläche verlaufen. Die traditionelle chinesische Medizin kennt davon über 400 Stück.

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So läuft die Akupunktur ab

Bei einer Akupunkturbehandlung werden feine Einmal-Nadeln in die Haut eingebracht. Das klingt schmerzhaft, tatsächlich spürt der Patient aber höchstens einen minimalen Schmerz beim Einstechen. Die Nadeln bleiben für 20 bis 30 Minuten in der Haut, daher findet die Behandlung meistens im Liegen statt. Während die Nadeln in der Haut sind, kann der behandelnde Arzt sie zusätzlich stimulieren, indem er sie beispielsweise erwärmt oder auf und ab bewegt. An den behandelten Stellen kann sich nach einer Weile ein Wärme- oder Schweregefühl ausbreiten.

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Hilft Akupunktur wirklich?

Bislang haben Forscher noch nicht herausfinden können, wie genau Akupunktur funktioniert. Erwiesen ist jedoch, dass die Nadeln Schmerzrezeptoren reizen, die daraufhin Signale ans Gehirn weiterleiten. Das Gehirn reagiert auf die Schmerzsignale, indem es Hormone wie Serotonine und Endorphine ausschüttet. Diese wirken dann schmerzlindernd und können sogar die Stimmung aufhellen. Zudem soll Akupunktur die Durchblutung fördern und das Immunsystem anregen können.

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Zahlreiche Anwendungsgebiete

Die Akupunktur kann eine Vielzahl an Beschwerden lindern. Dazu zählen chronische Schmerzen, wo bislang sehr gute Ergebnisse festgestellt wurden. Besonders bei Nacken- und Rückenschmerzen sowie Migräne fühlen sich viele Patienten nach einer Behandlung besser. Bei Kopfschmerzen, die durch Spannungen ausgelöst werden, kann der Schmerz sogar um die Hälfte reduziert werden. Ebenso kann die Akupunktur bei Arthrose-bedingten Schmerzen an Hüfte und Knie helfen.

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Gicht

Patienten mit Kniegelenksarthrose kann Akupunktur helfen. (c) poylock19 / Fotolia

Es gibt aber noch viele weitere Anwendungsgebiete, wie beispielsweise Heuschnupfen. Hier haben Studien ergeben, dass Akupunktur Beschwerden wie allergisches Asthma und Fließschnupfen (Rhinitis) lindern kann. Sie kann aber auch bei Menstruationsbeschwerden helfen, bei Übelkeit und Erbrechen sowie bei länger anhaltenden Magen-Darm-Problemen.

Eine bevorstehende Geburt kann durch Akupunktur schneller eingeleitet werden. Eine im Februar 2017 veröffentlichte Studie ergab zudem, dass Säuglinge, die sehr viel schreien, mit Akupunktur beruhigt werden können und ihre Schreidauer abnimmt.

Akupunktur kann auch dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, da sie die Nerven beruhigt und so das Suchtverlangen vermindert. Allerdings schwächt sie nicht die körperliche Abhängigkeit. Sie erleichtert nur den psychischen Stress, während der Körper sich von der Sucht entwöhnt.

Kosten und Risiken

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Akupunkturbehandlung nur dann, wenn eine Schmerztherapie der Lendenwirbelsäule durchgeführt wird oder wenn eine Kniegelenksarthrose besteht. In diesen Fällen kann ein Arzt aufgesucht werden, der nachgewiesen qualitativ hochwertige Akupunkturbehandlung durchführen kann. Ansonsten muss der Patient die Kosten selber zahlen, die zwischen 30 und 70 Euro pro Sitzung liegen.  Zudem gibt es die Möglichkeit eine private Zusatzversicherung abzuschließen, die in ihrem Tarif eine ärztliche Akupunktur mit einschließt.

Doch trotzdem muss die Behandlung unbedingt mit einem Arzt abgesprochen werden. So darf Akupunktur nicht bei Patienten durchgeführt werden, die unter einer starken Gerinnungsstörung leiden oder eine schwere psychische Erkrankung haben. Auch können die Beschwerden so schlimm sein, dass sie unbedingt sofort von einem Facharzt untersucht werden müssen, bevor eine Akupunkturbehandlung erfolgen kann. Ansonsten stellt die Akupunktur tatsächlich ein sanftes und oft wirksames, ergänzendes Heilmittel dar.