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Allergien: So schützt uns die Darmflora

Die Darmflora ist für unsere Gesundheit wichtiger bisher angenommen. Unter anderem schützen die Bakterien im Darm offenbar vor Allergien. Das haben jetzt Forscher aus München herausgefunden.

Die menschliche Darmflora ist ein ganz eigener Mikrokosmos. Jeder Mensch beherbergt eine einzigartige Wohngemeinschaft aus etwa 100 Billionen Bakterien, die er normalerweise weder sieht noch spürt. Ein Verlust dieser bakteriellen Mitbewohner begünstige die Entstehung von Allergien, berichten Forscher des Helmholtz Zentrum München.

Darmflora: Sie setzt sich aus mehr als 1.000 verschiedenen Arten von Bakterien zusammen. Die Winzlinge siedeln in den Wänden des Darms, befinden sich aber auch in dessen Inhalt. Ohne sie könnten wir unsere Nahrung nur unzureichend verdauen. Eine stabile Darmflora ist auch sehr wichtig für das Immunsystem und unsere Psyche.

Darmflora verhindert Allergien

Die Wissenschaftler konnten zusammen mit Kollegen der Technischen Universität München und des Institut Pasteur zeigen, wie sich die Lebensgemeinschaft der Bakterien genau auf das Immunsystem wirkt: Die Mikroben blockieren gezielt jene Immunzellen, die für das Auslösen von Allergien verantwortlich sind. Kommt es zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora, wird eine Immunantwort ausgelöst, die der Körper normalerweise zur Abwehr großer Parasiten einsetzt. Sind diese gar nicht vorhanden, kann diese Abwehrreaktion zu allergischen Symptomen führen.

Kontakt mit Schmutz senkt Allergierisiko

Die Ergebnisse der Studie untermauern die sogenannte „Hygienehypothese“. Verbesserte Hygienestandards führen dazu, dass Menschen weniger in Kontakt mit Mikroben kommen. In der Folge treten mehr Allergien auf. Tatsächlich fanden Forscher heraus, dass Kinder seltener Allergien entwickeln, wenn sie auf einem Bauernhof aufwachsen und in Kontakt mit Tieren – und damit Mikroben – kommen.

Andersherum gilt: Antibiotika stören das Gleichgewicht der Darmflora. Sie töten zwar krankmachende Keime, aber auch nützliche Bakterien ab. Werden die Medikamente in den ersten Lebenstagen eines Menschen eingesetzt, treten später häufiger Allergien auf.

Neueste Forschungen lassen außerdem vermuten, dass die Mikroben im Darm auch mit der Entwicklung neurologischer Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS), dem Schlaganfall und Morbus Parkinson in Verbindung stehen.


Quelle: Ohnmacht C. et al. (2015). The microbiota regulates type 2 immunity through RORgt+ T cells, Science, DOI: 10.1126/science.aac4263