Haut, Haare & Nägel

Anti-Aging: So bleibt Haut lange jung

Was lässt die Haut altern? Wie kann man den Prozess verlangsamen? Welche Rolle spielt die Sonne? Wie verändern sich Haut und Haare in den Wechseljahren? Die Alterung der Haut wirft viele Fragen auf. Klarheit verschafft uns ein Experte. Dr. med. Christoph Liebich* sagt, was Sie über Haut und Haare wissen müssen.

g&v: Kann man an der Haut eines Menschen sein Alter ablesen?
Dr. Liebich: Nein, das ist so einfach nicht möglich, weil der Hautalterungsprozess immer eine Kombination von inneren und äußeren Prozessen ist. Die inneren Prozesse laufen ganz unabhängig von den äußeren in der Haut ab, man nennt sie auch intrinsische Prozesse. Sie sind zum größten Teil genetisch bedingt. Die äußere Hautalterung wird von äußeren Einflüssen, den sogenannten extrinsischen Faktoren, bestimmt. Diese sind bei jedem Menschen unterschiedlich.

g&v: Welche äußerlichen Einflüsse lassen die Haut vorzeitig altern?
Dr. Liebich: Die äußeren Faktoren, die von außen auf die Haut einwirken und zu einer frühzeitigen Hautalterung führen können, sind in erster Linie schädigende Umwelteinflüsse wie zum Beispiel UV-Strahlung, Nikotin- und Alkoholkonsum, zu wenig Schlaf und natürlich auch Stress. All diese Faktoren können die Haut schneller altern lassen.

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g&v: Was ist „oxidativer Stress“? Wie gefährlich ist er für die Haut?
Dr. Liebich: Oxidativer Stress ist ein biochemischer Prozess, bei dem es zur Bildung von freien Radikalen kommt. Das sind sauerstoffhaltige Moleküle, die durch Oxidation die Zellen zerstören. An der Haut wird das dann durch erschlaffte Spannkraft und frühzeitige Faltenbildung sichtbar. Dieser oxidative Stress entsteht durch die schon erwähnten extrinsischen Faktoren, die auf die Haut von außen einwirken. Diesem Prozess ist man aber nicht machtlos ausgeliefert, denn sogenannte freie Radikale lassen sich durch Antioxidantien in Schach halten. Antioxidantien sind Bestandteil von vielen Obst- und Gemüsesorten und fungieren als Radikalfänger. Sie sind in der Lage, Zellschäden zu verhindern beziehungsweise zu reparieren.

g&v: Stimmt es, dass die Haut auch durch falsche Ernährung altert?
Dr. Liebich: Ja, das ist richtig. Zu den Lebensmitteln, die die Haut früher altern lassen, gehören Zucker, Weißmehlprodukte und natürlich Fast Food. Auch übermäßiges Salzen von Speisen lässt die Haut altern. Salz entzieht der Haut Flüssigkeit. Viel besser für die Haut ist es, auf kritische Lebensmittel ganz zu verzichten und auch Salz nur in Maßen zu verwenden. Das Beste für die Haut ist eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Frisches Obst und Gemüse, möglichst in bunten Farben, liefert der Haut alle Vitalstoffe, die sie braucht, um möglichst lange gesund und frisch auszusehen. Auch bei den Getränken muss die richtige Wahl getroffen werden. Alkohol in Maßen ist ab und zu erlaubt. Das wäre zum Beispiel ein Glas Wein zum Essen. Das ideale Getränk für einen gesunden, straffen Teint ist Wasser. Es versorgt die Zellen mit Flüssigkeit und lässt die Haut strahlen.

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Seniorin und junge Frau, die gemeinsam Gemüse schneiden.

Eine gesunde Ernährung wirkt sich positiv auf die Hautalterung aus. (c) Boja / Fotolia

g&v: Warum altert die Haut durch Sonne?
Dr. Liebich: Sowohl UV-A- als auch UV-B-Strahlen führen zu einer Veränderung der genetischen Struktur und zur Veränderung des Zellteilungsprozesses in der Haut. Die UV-B-Strahlen bewirken in der Haut eine langsame, aber anhaltende Bräune und bauen gleichzeitig eine sogenannte „Lichtschwiele“ auf, fördern aber auch Sonnenbrand.

Die Lichtschwiele ist quasi ein Eigenschutz in der obersten Hautschicht, der in der Lage ist, UV-Strahlen zu absorbieren. Sie ist eine Verdickung der Hornhaut und entsteht immer dann, wenn die UV-B-Strahlung lang und intensiv ist. Dann verdickt sich diese Hautschicht. Bis sich diese Schicht ausbildet, dauert es zwei bis drei Wochen. Sie verbessert den Hautschutz um das Vierfache. Die UV-A-Strahlen sind für die sofortige Bräune zuständig und erreichen sogar sehr viel tiefer gelegene Hautschichten. Sie können bis in das Bindegewebe eindringen und dort bleibende Schäden verursachen, die dann zu vorzeitiger Hautalterung führen.

g&v: Warum wird die Haut nach einem intensiven Sonnenbad rot?
Dr. Liebich: Jede Haut hat eine Eigenschutzzeit. Wird diese in der Sonne überschritten, wird die Haut rot. Durch Sonne gerötete Haut ist immer ein Sonnenbrand und sollte auf jeden Fall vermieden werden. Die Haut also nicht zu lang der Strahlung aussetzen, und in der Sonne in jedem Fall Sonnenschutz verwenden, am besten mit einem hohen Lichtschutzfaktor. Je höher, desto besser. Ich empfehle Lichtschutzfaktor 50.

Ganz wichtig ist auch regelmäßiges Nachcremen, am besten alle drei Stunden. Und nicht zu wenig Sonnenschutzmittel verwenden! Vor allem große Menschen sollten bedenken, dass sie ausreichend Sonnenschutz auftragen. So braucht ein 1,80 Meter großer Mann 25 Gramm Sonnencreme, um sich einmal von Kopf bis Fuß einzucremen. Wichtig: Pro Quadratzentimeter Haut muss man etwa zwei Milligramm Sonnenmilch rechnen. Nimmt man weniger, bekommt man vielleicht keinen Sonnenbrand, aber die Haut kann trotzdem geschädigt werden.

g&v: Wie reagiert man bei Sonnenbrand?
Dr. Liebich: Bei Sonnenbrand muss man sofort aus der Sonne rausgehen und kühlende Umschläge aus Joghurt oder Quark auf die Stellen auftragen. Das wirkt abschwellend und schmerzlindernd. Zusätzlich kann auch ein entzündungshemmendes Präparat eingenommen werden. Gleichzeitig viel trinken, denn durch die Verbrennung kommt es zu einer Erweiterung der Gefäße und damit zum Flüssigkeitsverlust. Der weitere Kontakt verbrannter Stellen mit der Sonne sollte unbedingt vermieden werden. Die Stellen unbedingt durch Kleidung schützen, falls man sich wieder der Sonne aussetzt.

g&v: Wie verändern sich Haut und Haare in den Wechseljahren?
Dr. Liebich: In den Wechseljahren, die übrigens nicht nur Frauen, sondern auch Männer betreffen, verändern sich die Hormone, und es kommt zu einem Alterungsschub. Die Haut kann nicht mehr so gut Feuchtigkeit speichern und verliert an Elastizität. Neben der Haut verändern sich auch die Haare. Durch die hormonelle Veränderung werden die Haarwurzeln nicht mehr richtig durchblutet und mit Sauerstoff und Mineralstoffen versorgt. Die Haare werden dünner, spröde und brüchiger. Mitunter kann es auch bei Frauen zu Haarausfall kommen.

g&v: Schützt viel Schlaf vor Hautalterung?
Dr. Liebich: Schlaf ist sehr wichtig für die Haut, weil die Haut sich im Schlaf regeneriert und erholt. Wie viele Stunden Schlaf man braucht, ist individuell verschieden. Fühlt man sich am Morgen erholt, dann war die Dauer des Schlafs ausreichend.

g&v: Wie beeinflusst Sport das Hautbild?
Dr. Liebich: Bewegung strafft nicht nur die Muskeln, sondern auch die Haut. Sportliche Betätigung an der frischen Luft sorgt für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr und eine gute Durchblutung der Haut. Außerdem werden beim Sport Glückshormone ausgeschüttet, das führt zu einer zufriedenen und positiven Ausstrahlung. Wichtig: Auch beim Sport im Freien immer einen Sonnenschutz auftragen.

g&v: Sind graue Haare ein sichtbares Zeichen des Älterwerdens?
Dr. Liebich: Graue Haare gibt es streng genommen gar nicht. Es handelt sich dabei um weiße Haare, die zusammen mit dem restlichen farbigen Haar den Anschein grauer Haare erwecken. Weiße Haare sind Haare ohne Farbpigmente. Farbe bekommen Haare wie die Haut durch Melanin. Es wird in Pigmentzellen gebildet. Sind davon nicht genug vorhanden, dann bleibt das Haar weiß. Diese Depigmentierung einzelner Haare kann mit fortschreitendem Alter zunehmen, ist aber natürlich völlig harmlos.

g&v: Was ist aus Ihrer Sicht der beste Jungbrunnen für Haut und Haare?
Dr. Liebich: Raus aus der Sonne, viel Schlaf, gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, nicht rauchen, regelmäßig Sport treiben. Und natürlich die Haut und die Haare dem Typ entsprechend pflegen.

> Hautalterung: Was hilft wirklich?

*Dr. med. Christoph Liebich ist Hautarzt mit eigener Facharztpraxis in München. Mehr Infos über unseren Experten finden Sie auf: www.hautarzt-
muenchen.com