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Einen Schritt voraus: Ausdauersport hält jung

Es lohnt sich immer, den Schweinehund zu überwinden und sich vom Sessel zu erheben. Knochen, Stoffwechsel, Durchblutung, Gehirn und Geist – kurz: Jede Zelle unseres Körpers profitiert von körperlicher Aktivität. Ganz besonders aber von Ausdauersport, wie Forscher aus Homburg nahelegen. Ihnen zufolge soll Joggen, Schwimmen oder Radfahren das Altern hinauszögern und so vor Krankheiten schützen.

Was hält uns jung und fit? Ein gesunder Lebensstil – das ist keine sonderlich innovative Antwort, dennoch eine, die nicht an Wert verliert. Wer auf seinen Körper achtet, „Schlechtes“ lässt und ihm „Gutes“ tut, hat gute Chancen auf ein langes Leben. Konkreter: Zigaretten, Alkohol, zu viel Fett, Zucker, UV-Strahlung und Stress machen alt und manchmal krank. Das Gegenteil gilt für Mineralstoffe, Vitamine, Schlaf, Freunde, Familie, Hobbys, Pausen und natürlich viel Bewegung.

Schweiß zahlt sich aus

Dass körperliche Aktivität unseren Organismus auf Trab hält, weiß jedes Kind. Differenzierte Studien zu einzelnen Sportarten fehlten jedoch. Bis jetzt: Forscher des Universitätsklinikums in Homburg/Saar haben ermittelt, welche Trainingsformen besonders gesundheitsfördernd sind.

Der Kardiologe Dr. Christian Werner und seine Kollegen fanden in einer halbjährigen Trainingsstudie heraus, dass Ausdauersport das Altern von Zellen und Organismus ausbremst. Dadurch sinkt das Risiko für altersbedingte Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche oder Diabetes.

Joggen besser als Bankdrücken

Die nicht sportlich aktiven 30 bis 60 Jahre alten 124 Studienteilnehmer trainierten in drei unterschiedlichen Gruppen. Eine joggte (Ausdauer), eine wechselte zwischen Sprint- und Erholungsphasen (Intervall) und eine absolvierte ein Zirkeltraining an Geräten (Kraft). Alle schwitzten dreimal 45 Minuten pro Woche. Einer Kontrollgruppe blieb das Training erspart.

Den Forschern ging es in erster Linie darum, die Aktivität eines Enzyms zu messen, das der Zellalterung entgegenwirkt. Es heißt Telomerase und lässt sich durch Bewegung aktivieren. Die Sportart, bei der die Enzym-Produktion hoch ist, hat einen besonderen Jungbrunnen-Effekt – so die Annahme.

Zusatzinfo: Telomere (Enden der Chromosomen) verkürzen sich bei jeder Zellteilung, bis sie sich irgendwann nicht mehr teilen können und absterben. Telomerase, ein Enzym des Zellkerns, kann die Verkürzung der Chromosomen in bestimmten Zellen verhindern. Die Aktivität des Enzyms lässt mit den Lebensjahren allerdings nach – die Zellen altern. Die These moderner Anti-Aging-Forschung: Könnte man die Aktivität des Enzyms aufrechterhalten, ließe sich auch das Altern stoppen.

Das Ergebnis der Studie: Beide Formen des Ausdauersports (Joggen oder Training im Intervall) haben eine ungefähr doppelt so hohe Aktivität des Enzyms bewirkt – im Vergleich zum Training an Geräten oder zum Nichtstun. Das heißt: Krafttraining hat folglich keinen Effekt auf die Zellalterung.

Jeder Muskel zählt

Was bedeutet das jetzt für uns, die wir auf dem Sofa rumlümmeln? „Gesunde Menschen können sich durch regelmäßige Ausdauerbewegung vor Herzkrankheiten schützen“, sagt Studienautor Werner.*

Dennoch rät er wie auch andere Experten dazu, deshalb nicht ganz darauf zu verzichten, die Muskeln zu stählen. Anders als Ausdauersport stärkt Krafttraining den Bewegungs- und Halteapparat besonders intensiv – kann so Rückenschmerzen vorbeugen und Mobilität garantieren. Von einer leistungsfähigen Muskulatur zehrt der Körper noch im hohen Alter. Den größten gesundheitlichen Nutzen hat also, wer doppelt aktiv wird, auf Ausdauer und Kraft setzt – auch wenn das kein Sportmuffel gern hört.


Quellen: