Knochen, Muskeln & Gelenke

Bandscheibenvorfall Operation: Ja oder nein?

Ein Bandscheibenvorfall ist für Betroffene eine überaus unangenehme und sehr schmerzhafte Erfahrung. Viele stellen sich dann die Frage, wie sie den Vorfall am besten wieder in den Griff bekommen können: eher mit Physiotherapie und Schmerzmitteln oder doch mit einem operativen Eingriff? Wir klären auf.

Schmerzen, die durch einen Bandscheibenvorfall verursacht werden, können Betroffene regelrecht aus dem Leben reißen. Wenn die Lebensqualität trotz konservativer Behandlung stark leidet, kann eine Operation der letzte Ausweg sein. Wir verraten, wann welche Behandlungsmethode sinnvoll ist.

Was genau ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheibe ist der Stoßdämpfer und Abstandhalter des menschlichen Körpers. Ohne die Bandscheiben in unserem Körper wäre unsere Wirbelsäule nicht zu gebrauchen – sie wäre steif und unbeweglich. Die Bandscheiben sorgen für die Elastizität und die Spannkraft der Wirbelsäule.

Jede unserer insgesamt 23 Bandscheiben besteht aus einem eher weichen Gallertkern im Inneren sowie einem härteren Faserring im Äußeren. Dieser Faserring ist für die Fixierung der Bandscheibe verantwortlich.
Die Bandscheibe verliert – ähnlich wie alle anderen Organe des menschlichen Körpers – mit zunehmendem Alter an Elastizität und Spannkraft. Durch die fehlende Elastizität wird der äußere Faserring porös und es können Risse in ihm entstehen. So kann sich der Gallertkern nach außen vorwölben. Durchbricht der Gallertkern den äußeren Faserring, wird von einem „Bandscheibenvorfall“ gesprochen.

Bandscheibenvorfall: Der Gallertkern tritt nach außen. (c) Fotolia / psdesign1

>Mehr zum Thema Bandscheibenvorfall, finden Sie im Kompaktartikel

Der Bandscheibenvorfall ist mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden. In den Industriestaaten erleiden laut Experten 5 von 1.000 Menschen einen Bandscheibenvorfall. 

Welche Beschwerden können bei einem Bandscheibenvorfall auftreten?

Die häufigsten Symptome des Bandscheibenvorfalls sind sehr plötzlich auftretende Rückenschmerzen nach einer Belastung. Viele Betroffene haben eine verhärtete Muskulatur im Bereich der Wirbelsäule.
Abhängig von der Art des Bandscheibenvorfalls kann es zu spezielleren Symptomen kommen.

Bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule:

  • Schmerzstrahlung ins Gesäß oder Bein
  • gelegentliches Kribbeln im Bein
  • möglicherweise Lähmungen der Beinmuskulatur.

>Schmerzen in den Beinen

>Rückenschmerzen durch verkürzten Hüftbeuger

Bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule sind mögliche Symptome:

  • Nackenschmerzen
  • Strahlung des Schmerzes in den Arm, die Schultern, die Hand oder den Hinterkopf
  • möglicherweise ein Kribbeln, ein Taubheitsgefühl oder ein Kältegefühl im Arm oder in der Hand
  • möglicherweise Beeinträchtigung der Schließmuskulatur von Blase und Darm.

>Die 5 größten Fehler bei Rückenschmerzen

>Plötzlich Rückenschmerzen?

Bandscheibenvorfall behandeln: konservative Methoden oder OP?

Wie ein Bandscheibenvorfall am besten behandelt wird, hängt maßgeblich von seiner Schwere ab.  Mit einem Beweglichkeitstest, einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT) wird der Grad des Bandscheibenvorfalls untersucht.

Wann kann ein Bandscheibenvorfall konservativ behandelt werden?

In den meisten Fällen kann ein Bandscheibenvorfall mit konservativen Therapiemethoden behandelt werden. Diese sind zum Beispiel Schmerzmittel und Physiotherapie. Dabei stehen vor allem die Schmerzlinderung und der Erhalt der Beweglichkeit des Körpers im Vordergrund.

Wann muss ein Bandscheibenvorfall operiert werden?

Eine Operation nach einem Bandscheibenvorfall wird in der Medizin sehr stark diskutiert. Dies führt auch dazu, dass sehr viele Patienten über die Behandlungsmethoden verunsichert sind.

Die alte Schulmedizin hält Operationen in den meisten Fällen für die geeignetere und erfolgversprechendere Behandlungsmethode. Die ganzheitlich orientierte Medizin bevorzugt hingegen konservative Behandlungsmethoden. Diese sind neben der Krankengymnastik zum Beispiel Massagen.

Operative Eingriffe in der Wirbelsäule erfolgen normalerweise nur dann, wenn diese konservativen Therapiemethoden keine Wirkung zeigen.

Eine Operation wird dann medizinisch notwendig, wenn neurologische Ausfälle auftreten. Diese sind zum Beispiel Lähmungserscheinungen in den Füßen oder den Beinen. Bei allen anderen Bandscheibenvorfällen gilt folgende Regel: Es kann operiert werden, muss aber nicht.

>Eingeklemmter Nerv: Das hilft!

Wie sind die Heilungschancen mit und ohne Operation?

Studien zeigen, dass sich Operierte vergleichsweise schneller von einem Bandscheibenvorfall erholen und häufig keine Schmerzen mehr haben. Diese Verbesserung des Gesundheitszustandes tritt aber auch bei Patienten auf, die mit konservativen Methoden behandelt wurden; die körperliche Genesung dauert oft einfach etwas länger.

Die Rate der Komplikationen bei einer Operation eines Bandscheibenvorfalls liegt bei zwei bis vier Prozent. Damit ist sie nicht überdurchschnittlich riskant. Patienten und Patientinnen, die eine OP überdenken, sollten sich im Zweifelsfall immer eine zweite Meinung von einem Spezialisten einholen.