Gesundes Kind

Bauchschmerzen bei Kindern: Wann ist es Zeit für den Arzt?

Kleine Kinder, kleine Sorgen? Von wegen. Koliken beim Nachwuchs beunruhigen Mama und Papa ziemlich: Ist es ein verdorbener Magen, eine Infektion oder doch der Blinddarm? Machen Sie sich nicht verrückt, meist steckt ganz Harmloses hinter dem Zwicken und Zwacken, über das die Kleinen klagen. 

Kinder lieben Süßes. Doch Eiscreme, Schokolade und Bonbons sind eine gefährliche Mischung. Das liegt daran, dass Magen und Darm noch üben müssen und schwer verdauliche Speisen sie schnell überfordern. Lebensmittel – vor allem süße und fettige – sind ein häufiger Grund für Bauchschmerzen bei Kindern, aber nicht der einzige.

Häufige Ursachen

Der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zufolge steckt hinter Bauchschmerzen bei Kindern in 90 Prozent der Fälle nichts Ernstes. Meist sind harmlose Verdauungsprobleme verantwortlich für die Beschwerden.

Schmutz und Luft

Babys haben in den ersten drei Monaten häufig Blähungen. Viel Milch und etwas verschluckte Luft (beim Trinken) überlasten das junge Verdauungssystem, das sich noch im Aufbau befindet und sich erst an seine Aufgabe (zu verdauen) gewöhnen muss. Aufgeblähte Bäuche und Bauschmerzen sind deswegen nicht selten. Sie verschwinden, sobald die Luft raus ist. Mit einem Bäuerchen oder einem Pups entweichen die Gase wieder.

Was hilft? Reiben Sie den Babybauch mit Kümmelöl ein, das kann die Schmerzen lindern. Oder üben Sie sanft Druck auf den Darm aus, indem Sie den Nachwuchs bäuchlings im sogenannten Fliegergriff auf Ihren Armen wiegen. Auch gut: vorsichtig den Blubberbauch massieren.

Achtung, kleine Staubsauger: Babys fassen alles an und stecken alles in den Mund, was ihnen in die Quere kommt. Krabbelkinder lesen bei ihren Erkundungstouren auch mal Dreck, Staub und Keime vom Boden auf. All das kann dazu führen, dass der Bauch rumort, trainiert aber auch das Immunsystem.

Baby im Fliegergriff: Sanfter Druck auf den Darm lindert Bauchweh

Baby im Fliegergriff: Sanfter Druck auf den Darm lindert BauchwehSchwer verdaulich

Schwer verdaulich

Kleinkinder haben dann und wann mit Ernährungsumstellungen zu kämpfen. Jedes Mal, wenn das Kind ein neues Lebensmittel probiert, müssen auch Magen und Darm erst lernen, es zu verwerten. Da kommt es schon mal zu Verstopfung. Auch der Wechsel von Windel zu Töpfchen kann auf den Darm schlagen, weil die Kleinen den Klogang häufiger aufschieben.

Was hilft? Viel trinken (Tee oder Wasser) und eine ballaststoffreiche Ernährung, sprich: Vollkornprodukte, Obst und Gemüse.

Schulkinder klagen häufig über Koliken, ohne dass eine organische Ursache vorliegt. Sie reagieren unter Umständen psychosomatisch auf Stress, Aufregung und Ängste. Unter anderem bereitet vielleicht ein Streit mit Freunden Bauchschmerzen oder ein sehr strenger Lehrer.

Was hilft? Zuhören. Nehmen Sie das Problem ernst und versuchen Sie, gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs eine Lösung zu finden. Ohne den Patienten dabei zu sehr zu umsorgen. Infrage kommen auch: Entspannungs- oder Atemübungen und in schwierigen Fällen ein Gespräch mit einem Kinderpsychologen.

Was Sie tun können

Kindern fällt es schwer, Schmerz richtig ein- und zuzuordnen. Ist es wirklich so schlimm oder drückt der Bauch nur leicht? Und ist er es überhaupt, der wehtut? Vor allem Kleinkinder verorten die Schmerzen oft falsch, weil ihre Selbstwahrnehmung noch nicht ausgeprägt ist. Es kann also gut sein, dass sich Bauchschmerzen später als Ohren- oder Halsentzündungen entpuppen.

Ernste, krankheitsbedingte Ursachen sind unwahrscheinlich, wenn Ihr Kind …

  • einen gesunden Appetit hat und sich mit einer Nascherei „bestechen“ lässt.
  • die Schmerzen beim Spielen vergisst.
  • nachts nicht über Schmerzen klagt.
  • Schmerzen in der Nähe des Bauchnabels hat. Eine Faustregel, die oft, aber nicht immer zutrifft, lautet: Je weiter vom Nabel entfernt es schmerzt, desto wahrscheinlicher ist eine körperliche Ursache.

Leichte Bauchschmerzen lassen sich schon mit einfachen Hausmitteln lindern. Eine Wärmflasche entspannt die Magenmuskulatur. Bauchmassagen im Uhrzeigersinn aktivieren den Darm und können Blähungen und Verstopfung entgegenwirken. Kamillen-, Anis- oder Fencheltee entkrampfen.

Was Sie lassen sollten

Geben Sie den Bauchweh-Patienten nur schmerzstillende Tabletten, Säfte oder Zäpfchen, wenn der Arzt das auch verordnet hat. Andernfalls können Symptome, die für die Diagnose wichtig sind, unterdrückt werden. Bei manchen Erkrankungen ist der Einsatz von Schmerzmitteln zudem kontraproduktiv.

Dann braucht’s den Arzt

Selten sind Bauchschmerzen bei Kindern auch Warnsignale ernsthafter oder chronischer Erkrankungen wie einer Blinddarmentzündung, einer Harnwegsinfektion oder eines Magengeschwürs. Diese Anzeichen sind Anlass für einen dringenden Besuch beim Arzt:

  • Die Bauchschmerzen bessern sich nicht
  • oder sie kehren immer wieder.
  • Das Kind ist blass, schwitzt und wirkt apathisch.
  • Beschwerdefreies Wasserlassen ist nicht möglich.
  • Durchfall, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost und Blut im Stuhl treten auf.
  • Das Kind isst nicht und verliert deutlich an Gewicht.