Schon gewusst?

Bettwanzen: Achtung, heimliche Mitschläfer!

Bettwanzen reisen im Gepäck ahnungsloser Touristen und nisten sich zu Hause in deren Schlafzimmern ein. Dort warten sie im Verborgenen, bis das Licht erlischt und sie im Schutz der Dunkelheit auf Jagd gehen können. Wir verraten, wie man die Plagegeister fernhält und was hilft, wenn sie einen überfallen haben.

Bettwanzen tummeln sich dort, wo viele Menschen übernachten: in Hotels, Hostels und Jugendherbergen. Eines vorweg: Ist ein Gästebett von den Blutsaugern befallen, hat das keineswegs etwas mit mangelnder Hygiene zu tun. Auch blitzblanke Zimmer in Luxushotels sind nicht wanzensicher.

Mitbringsel, die keiner haben will

Die Tierchen kommen mit den Gästen. Sie klettern ins Gepäck und reisen als blinde Passagiere mit – von Hotelzimmer zu Hostelbett und nachhause. Beliebte Reiseziele wie Australien oder Amerika sind besonders gefährdet. Dort kommt es immer wieder zu Plagen, die ganze Möbelhäuser, Supermärkte oder Hotels zeitweise zum Schließen zwingen. Immer öfter stecken die Sechsbeiner aber auch in Briefen oder Päckchen. Was Onlineshopping schnell zur unangenehmen Ungeziefer-Überraschung machen kann.

Im englischsprachigen Raum sind die Schädlinge so bekannt, dass sie zum “Gute-Nacht-Ritual” gehören – “Good night, sleep tight, don’t let the bedbugs bite” (Gute Nacht, schlaf gut und lass dich nicht von Bettwanzen stechen), so verabschiedet man sich in den USA vorm Schlafengehen.

Hierzulande kennt kaum jemand die Parasiten. Was nicht heißt, dass sich die Wanzen nicht auch in unseren Bettritzen verschanzen. Im Gegenteil: Seit den neunziger Jahren sind sie auch in Deutschland auf dem Vormarsch, nur sprechen Betroffene darüber ungern. Wen wundert’s – mit Flöhen oder Läusen geht schließlich auch niemand hausieren.

Meister des Versteckspiels

Bettwanzen sind etwa einen halben Zentimeter groß, nach ihrer Mahlzeit – im vollgesogenen Zustand – messen sie sogar das Doppelte. Eigentlich müssten die rotbraunen Parasiten, die auch als Hauswanze bekannt sind, mit dem bloßen Auge also prima zu erkennen sein. Aber: Dafür verstecken sie sich einfach zu gut – unter der Matratze, hinter dem Kopfteil oder in Dübellöchern. Sie bleiben unsichtbar, bis es dunkel wird und der Hunger sie aus den Ecken treibt.

Das Problem: Die nachtaktiven Tiere werden häufig erst entdeckt, wenn es zu spät ist. Wenn sie sich längst in Ruhe vermehrt und die Wohnung unbemerkt eingenommen haben.

Wer achtsam ist, kann die Wanzen schon eher aufspüren – nämlich durch …

  • dunkle, tupfenähnliche Kotflecken auf dem Laken oder der Tapete
  • Blutspuren auf der Bettwäsche
  • Häutungsreste des Panzers im Bett
  • den bittersüßlichen Mandelgeruch, den die Tiere absondern

Wenn die Wanze sticht

Die Stiche der Bettwanzen erinnern an Mückenstiche: Sie sind klein, erhaben, gerötet und jucken. Der Unterschied: Wanzen stechen gleich mehrmals zu und hinterlassen ganze Reihen oder Gruppen an Stichen – ähnlich wie Flöhe.

Der Gestochene muss davon zunächst gar nichts mitbekommen. Denn beim Blutsaugen injiziert die Wanze Speichel, der reizende und betäubende Stoffe enthält. Das heißt: Wahrscheinlich setzt das Jucken erst nach Tagen ein.

Manche Menschen reagieren allerdings empfindlich und sofort. Werden aus harmlosen Stichen quälende Quaddeln, können Kortisonsalben helfen. Das Vorgehen bei heftigen allergischen Reaktionen sollte aber in jedem Fall mit dem Hausarzt oder einem Dermatologen abgesprochen werden.

Junge liegt auf Sofa

Bei Bettwanzen lohnt es sich, genauer hinzuschauen. (c) colourbox

Was hilft gegen das Jucken?

Die Stiche werden ähnlich behandelt wie Mückenstiche. Hausmittel wie Zwiebeln, Spitzwegerichblätter und saure Umschläge, Cremes aus der Apotheke oder kühlende Auflagen lindern Juckreiz und Schwellung.

Wie bei allen Insektenstichen gilt auch im Wanzenfall: Finger weg! Denn wer kratzt, riskiert Entzündungen, Infektionen und Narben.

Wie werde ich die Biester los?

Wer Bettwanzen im Gepäck verdächtig, sollte den Koffer nicht gedankenlos auspacken. Sondern am besten die gesamte Kleidung sofort bei höchster Temperatur waschen, die die Maschine hergibt und die Kleidungsstücke aushalten – ab 45 Grad Celsius sterben die Schädlinge. Auch Kälte macht den Parasiten zu schaffen. Zehn Stunden bei minus 18 Grad überleben Wanzen nicht. Aber welcher Gefrierschrank bietet Platz für den Inhalt eines Koffers?

Schon wenige eingeschleppte Blutsauger reichen, um einen Befall auszulösen. Schnell sind die Bettwanzen überall: hinter Lichtschaltern, unter dem Teppich oder im Sessel. Für den Laien ist es quasi unmöglich, alle Bettwanzen im Alleingang zu erledigen. Die Wohnung ist aber erst sicher, wenn auch die letzte Wanze vernichtet wurde. Bleibt nur ein befruchtetes Weibchen über, können bis zu 300 Babywanzen im Anmarsch sein und der Albtraum wiederholt sich.

Nur der Profi kann dem Spuk ein Ende bereiten. Der Kammerjäger rückt den Blutsaugern mit Hitze, Kälte, Gasen oder Giften zu Leibe. Einzelne Möbelstücke können in einem Wärmezelt behandelt werden. Sind ganze Räume oder Wohnungen befallen, hilft nur die Giftkeule. Der Kampf gegen Bettwanzen ist langwierig und erfordert nicht selten den wiederholten Einsatz von Insektiziden.

So bleiben Bettwanzen, wo sie sind

  • Wer eine Wanze im Hotel sichtet, gibt an der Rezeption Bescheid und sucht dann das Weite
  • Koffer möglichst nicht bodennah oder auf dem Bett abstellen. Besser: im Badezimmer, auf einem Regal oder Schrank
  • Pakete und Briefe aus dem Ausland vorsichtig öffnen und auf Wanzen prüfen
  • Gebrauchte Möbel gründlich inspizieren
  • Befallene Möbelstücke nicht unbehandelt im Hausflur abstellen

So belastend ein Befall für Betroffene ist, vor Krankheiten muss sich wohl keiner fürchten. Zwar wurden in den Schädlingen Erreger wie Hepatitis B, Hepatitis C und HIV nachgewiesen. Eine Übertragung ist nach heutigem Wissensstand aber nicht möglich.


Quelle: Informationsmaterial des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)