Magen & Darm

Blähungen: Ursachen für den Überdruck

Blähungen hat niemand. Zumindest spricht niemand darüber. Und dennoch gibt es sie. Die Frage ist nur, warum? Wir erklären, welche Ursachen Blähungen zugrunde liegen können. Wer sie kennt, kann einen Blähbauch und überschüssige Darmgase am besten vermeiden.

Wenn der Hosenbund am Morgen noch ganz normal sitzt, aber nachmittags spannt und zwickt, sind meist ein sogenannter Blähbauch oder Blähungen schuld am plötzlich größeren Bauchumfang.

Spätestens wenn dann auch noch Krämpfe oder ein unangenehmes Rumoren im Unterbauch dazu kommen, werden Blähungen zum echten Problem. Eine Reihe ganz unterschiedlicher Auslöser kommt als Ursache für die Beschwerden infrage.

>Nie wieder Blähbauch: Lebensmittel für einen flachen Bauch

Begriffsbestimmung “Blähungen”

Der Begriff „Blähungen“ ist kein medizinischer. Im Alltag wird er häufig genutzt, um ein Völlegefühl, ein Gefühl der Überdehnung oder Spannung im Bauch zu beschreiben. Ursache ist meist ein Überschuss an Gasen, die bei der Verdauung entstehen und sich im Darm anstauen.

Aus medizinischer Sicht spricht man von Flatulenz, wenn sich vermehrt Darmgase bilden, die dann rektal – auf Deutsch: als Pups – entweichen (willentlich oder unwillentlich). Können die Gase nicht entweichen und bläht sich als Folge der Bauchraum auf, spricht man von Meteorismus, oder alltagssprachlich von Blähbauch.

Grundsätzlich handelt es sich bei beiden Beschwerden – Flatulenz und Meteorismus – um unspezifische Symptome, keine eigenständigen Erkrankungen.

Gas im Darm – warum eigentlich?

Ohne das Gas Sauerstoff könnten wir nicht leben. Aber auch jenseits der Lungen spielen Gase eine große Rolle im Körper. Sie sind vor allem ein Nebenprodukt unserer Verdauung: Magensäure muss wieder neutralisiert und Fettsäuren müssen abgebaut werden. Bei beiden Prozessen entsteht Kohlendioxid (CO2). Vergärt Nahrung aus bestimmten Gründen im Dickdarm unter Einfluss von Bakterien, entstehen weitere Gase, zum Beispiel Stickstoff, Ammoniak, Methan oder Schwefel. Dieser übel riechende Mix ist es, der Blähungen zum Tabuthema macht.

Der größte Anteil des geruchlosen CO2 wird über den Blutkreislauf in die Lungen transportiert und ausgeatmet. Dass etwa 0,5 bis 1,5 Liter Gasüberschuss täglich entstehen und im Lauf des Tages den Körper über den Darm verlassen, ist ganz normal und kein Grund zur Sorge.

Bildet sich aber in kürzester Zeit ein noch größerer Überschuss vor allem aus bakterieller Produktion und kann dieser nicht ohne weiteres den Darm verlassen, wird die Flatulenz zum Problem.

Bohnen und Linsen

Hülsenfrüchte können die Gasbildung im Darm anregen. (c) Colourbox

Verdauungsbedingte Blähungen: Die Ursachen

Unsere Verdauung ist ein hoch komplexer Prozess. Viele Organe sind daran beteiligt und äußere wie innere Faktoren (Stress, Ernährung, Verdauungssäfte, Enzyme …) haben Einfluss darauf. Treten zum Beispiel folgende Probleme auf, sind Blähungen häufig vorprogrammiert:

Laktose-Unverträglichkeit

Im Verdauungssystem mancher Menschen sind nur geringe Mengen eines Enzyms namens Laktase vorhanden, das für die Aufspaltung von Milchzucker (Laktose) aus der Nahrung erforderlich ist. Viele Milchprodukte werden dadurch zu einem Problem für die Verdauung. Wandert die ungespaltene Laktose in den Dickdarm, machen sich dort Bakterien über sie her, und produzieren dabei jede Menge Verdauungsgase. Die Folge sind Blähungen.

Auch andere Nahrungsmittelbestandteile, wie Fructose oder bestimmte Eiweiße aus Getreide (Gluten), können diese Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

>Fruktoseintoleranz (Fruchtzucker-Unverträglichkeit)

Gestörte Darmflora

Bei gesunden Menschen ist der Darm mit Milliarden von Bakterien unterschiedlichster Art besiedelt. Das ist gut so, denn die Winzlinge unterstützen unsere Verdauung ganz wesentlich. In ihrer Summe bezeichnet man die Mikroorganismen als Darmflora. Entscheidend ist dabei das Mengenverhältnis zwischen den einzelnen Arten, das bei jedem Menschen anders sein kann. Wichtig für eine gute Verdauung: Die Darmflora ist stets im Gleichgewicht.

Ändert sich die Anzahl einzelner Bakterienarten, gerät die Darmflora in Schieflage und wenige Darmbakterien-Arten produzieren umso mehr Gase. Auslöser für das Ungleichgewicht kann eine Umstellung der Ernährung, die Einnahme von Antibiotika, allgemeine Lebensveränderungen oder Stress sein.

Magen & Darm Spezial

Bestandteile der Ernährung

Die Hauptursache für Blähungen ist allerdings einfach nur das, was wir essen. In vielen Gerichten stecken nämlich Lebensmittel, die die Gasbildung im Darm mehr anregen als andere. Als solche gelten zum Beispiel:

  • Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen
  • Zwiebeln und Kohl
  • Frisches Brot
  • Kohlensäurehaltige Getränke wie Mineralwasser, Sekt oder Bier

Aber auch zu fetthaltige oder sehr süße Nahrung löst häufig Blähungen aus, weil das viele Fett oder der viele Zucker die Darmflora stören. Essen wir schlicht zu viel, ist der obere Darmbereich (Dünndarm) überfordert und unzureichend vorverdaute Nahrung gelangt in den unteren Darm (Dickdarm). Dort sorgen die ansässigen Bakterien für die Verdauung – nicht ohne eine große Menge Darmgase zu produzieren.

Auch Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit können Blähungen begünstigen. Das gilt auch für Ballaststoffe, die vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln stecken. Sie sind zwar sehr gesund, für unseren Darm aber eine echte Herausforderung.

Nicht zuletzt fördern Genussgifte wie Alkohol oder Nikotin die Bildung von blähenden Gasen.

Stress und Hektik

Wer vor lauter Anspannung kaum mehr zur Ruhe kommt, hat häufig auch Verdauungsprobleme. Zum einen, weil Hektik beim Essen und psychischer Druck die Magen- und Darmtätigkeit stören. Zum anderen, weil viele Leute mit (vermeintlich) wenig Zeit, ihr Essen nur schlecht gekaut herunterschlingen. Dabei gelangt zum einen Luft in den Magen und später in den Darm, zum anderen wird die Nahrung nicht ausreichend zerkleinert. Das sorgt dafür, dass es für die Gas-produzierenden Darmbakterien viel zu tun gibt. Stress und Hektik können auch Verstopfung begünstigen, die wiederum Blähungen fördert.

Blähungen als Folgeerscheinung von Krankheiten

Zwar selten, aber durchaus denkbar ist, dass Blähungen die Folge einer Krankheit sind, die in vielen Fällen vor allem den Verdauungstrakt betrifft. Folgende Erkrankungen verursachen unter anderem Blähungen:

  • Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie)
  • Nahrungsmittelallergien
  • Bakterienschwemme vom Dick- in den Dünndarm (Blindsacksyndrom)
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis)
  • Aufnahmestörungen des Darms (Malabsorption)
  • Darmkrebs (vor allem Kolonkarzinom)
  • Reizdarm

Blähungen – normal, aber nicht unvermeidbar

In den meisten Fällen ist die Ernährung die Hauptursache von Blähungen. Das ist gut, denn schließlich können wir diese auch maßgeblich beeinflussen. Weniger Obst oder Rohkost auf dem täglichen Speiseplan kann für viele schon die Lösung sein. Allgemein sind eine gesunde, fett- und zuckerarme Ernährung und die Vermeidung von Stress gute Hausmittel gegen störende Blähungen. Davon profitiert nicht nur nur der Darm, sondern unser ganzer Körper.