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Brustkrebs – Rinder-Virus als Auslöser?

Bekannte Risikofaktoren für Brustkrebs sind das Alter, die Hormone oder der Lebensstil. Forscher vermuten jetzt, dass auch ein Rinder-Virus Brustkrebs auslösen könnte.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen – etwa jede achte Frau in Deutschland muss damit rechnen, an Brustkrebs zu erkranken. Jetzt haben Forscher der University of California in Berkeley einen neuen Risikofaktor für bösartige Tumoren in der Brust ausgemacht: Ein Rinder-Virus. Im Gewebe von Frauen, die an einem Mammakarzinom erkrankt waren, wiesen sie erhöhte Mengen des Bovine Leukämie Virus (BLV) nach. Es ist unter Rindern weit verbreitet und kann bei den Tieren Leukämie auslösen.

Brustkrebs – Gewebe unter der Lupe

Die Forscher um Gertrude Buehring analysierten das Brustgewebe von 218 Frauen, das in Paraffin konserviert worden war. 114 Frauen waren an Brustkrebs erkrankt, die anderen hatten keinen bösartigen Tumor in der Brust. Die Forscher untersuchten das Brustgewebe auf das Vorkommen der viralen Rinder-DNA.

Ergebnis: Bei 59 Prozent der Frauen, die unter Brustkrebs litten, entdeckten die Wissenschaftler das Erbgut des Virus im Brustgewebe. Dagegen war das Rinder-Virus nur bei 29 Prozent der gesunden Frauen nachweisbar. Dass es überhaupt bei Frauen ohne Brustkrebs vorkam, überraschte die Forscher nicht. „Denn zwischen dem krebsauslösenden Ereignis und einem diagnostizierbaren Brustkrebs liegen oft 20 bis 30 Jahren“, erklärt die Forscherin Buehring. Bei Frauen mit Brustkrebsvorstufen wurde das Erbgut des Rinder-Virus ebenfalls häufiger entdeckt als bei Frauen ohne einen bösartigen Knoten in der Brust – nämlich bei 38 Prozent.

Hohes Brustkrebs-Risiko dank Rinder-Virus

Das Vorkommen der Rinder-DNA sei signifikant mit dem Auftreten von Brustkrebs verbunden gewesen, so die Autoren. Dieser Risikofaktor habe ein ähnliches Gewicht wie  andere Risikofaktoren für Brustkrebs, etwa Kinderlosigkeit, die Hormone oder der Lebensstil. Nur hohe Strahlendosen, das Alter und genetische Risikofaktoren wirkten sich noch deutlicher aus. Bei Frauen mit genetisch bedingtem oder familiärem Brustkrebs ist meist das Gen BRCA1 oder BRCA2 verändert.

Bald Impfung gegen Brustkrebs?

Sollten Viren die Verursacher von Brustkrebs sein, könnte es einen neuen Ansatz in der Prävention von Brustkrebs geben. Denn gegen Viren lassen sich Impfstoffe entwickeln. Ein Beispiel, wie das gelingen kann, ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, der durch HPV-Viren ausgelöst wird.

Derzeit erkranken rund 75.000 Frauen jedes Jahr neu an Brustkrebs – rund 18.000 sterben daran. Einen sicheren Schutz vor Brustkrebs gibt es nicht. Die wichtigsten Risikofaktoren sind das Alter, Kinderlosigkeit, Hormone und der Lebensstil.

Tipp: Der Oktober eines jeden Jahres ist der Brustkrebsmonat. Die Krebsgesellschaften bieten Aktionen und Aufklärung rund um das Thema Brustkrebs.

Quellen:

  • Deutsche Krebsgesellschaft, www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 28.9.2015)
  • Buehring GC et al. Exposure to Bovine Leukemia Virus Is Associated with Breast Cancer: A Case-Control Study, 2. September 2015, PLOSone, DOI: 10.1371/journal.pone.0134304