Chronisches Erschöpfungssyndrom oder Fibromyalgie?

Knochen, Muskeln & Gelenke

Chronisches Erschöpfungssyndrom oder Fibromyalgie?

Chronisches Erschöpfungssyndrom? Oder an Fibromyalgie erkrankt? 70 Prozent der Symptome ähneln sich. Die Diagnose ist schwierig. Wir erklären Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Menschen, die am chronischen Erschöpfungssyndrom oder an Fibromyalgie leiden, berichten häufig, dass sie erst nach mehreren Jahren und zahlreichen Überweisungen und Zweitmeinungen eine Diagnose erhalten haben. Dieser Leidensweg ist typisch, da Ärzte zunächst häufigere Ursachen für Erschöpfung oder Schmerzen auszuschließen müssen. Denn bei Fibromyalgie und dem chronischen Erschöpfungssyndrom stimmen rund drei Viertel der Symptome überein.

Wieso fällt die Diagnose so schwer?

Die Diagnose fällt Ärzten schwer, da es für keine der beiden Erkrankungen einen Bluttest gibt. Das Symptombild ist extrem komplex und variiert von Person zu Person. Die Fragen, die der Arzt bei der Anamnese hat und mögliche Untersuchungen sind dementsprechend breit gefächert, zum Beispiel:

  • Fragen nach dem psychischen Wohlbefinden
  • Untersuchungen der Schilddrüse
  • Blutwerte-Untersuchung (Kreatininsäure, Harnsäure, Eisenspiegel)
  • Analyse der Leberwerte

Betroffene müssen oft eine Menge Fragen beantworten und Untersuchungen über sich ergehen lassen, bis endlich eine Diagnose gestellt wird. Manche Patienten haben den Eindruck, dass ihnen nach Ausschluss aller anderen Möglichkeiten aus reiner Hilflosigkeit der Stempel „Chronisches Erschöpfungssyndrom“ oder „Fibromyalgie“ aufgedrückt wird.

Was sind die gemeinsamen Symptome?

Zu den gemeinsamen Symptomen zählen:

  • Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen (vorausgesetzt, Entzündungen scheiden als Ursache hierfür aus)
  • Schlafstörungen oder längere Phasen ohne erholsamen Schlaf
  • Reizdarmsyndrom mit Blähungen, Durchfall und Verstopfung
  • übermäßiges Schwitzen oder Frieren
  • Psychische Probleme sowie Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen
  • Sensibilisierte Wahrnehmung, wodurch Licht, Lärm und Gerüche stärker als sonst wahrgenommen werden
Sport bei Rheuma kann helfen, Schmerzen und Versteifungen an Gelenken zurzubeugen.

Gelenkschmerzen sind ein verbreitetes Symptom bei beiden Krankheiten. (c) javiindy/Fotolia

Welche Unterschiede gibt es?

Im Folgenden sind die Symptome aufgeführt, die entweder nur bei Fibromyalgie oder nur beim chronischen Erschöpfungssyndrom auftreten. Sie helfen bei der Bestimmung der Krankheiten.

Fibromyalgie: Typische Symptome

Zur Diagnose von Fibromyalgie werden sogenannte Trigger- oder Tenderpunkte herangezogen. Auf diese wird in empfindlichen Bereichen Druck ausgeübt. Beim Fibromyalgie-Patienten verursacht der Druck einen stechenden Schmerz, der in einen anderen Teil des Körpers ausstrahlt. Zu den Triggerpunkten zählen beispielsweise die Schädelbasis, die Innenseite des Knies, das Hüftgelenk, der Ellenbogen und der Bereich um die Schulterblätter. Als Hinweis auf Fibromyalgie gilt, wenn bei Druck auf mindestens elf der 18 Tenderpoints Schmerz verspürt wird. Ein weiteres Symptom, das auf Fibromyalgie hinweist, ist juckende oder brennende Haut im Bereich der schmerzenden Gelenke. Außerdem weisen Kopfschmerzen als Folge der verspannten Muskeln im Nacken und im oberen Rücken auf Fibromyalgie hin.

> Fibromyalgie: Das hilft gegen Muskel- und Gelenksteife.

Chronisches Erschöpfungssyndrom: Typische Symptome

Die verkrampften Muskeln sind berührungsempfindlich, verursachen aber nicht unbedingt stechende Schmerzen. Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten ohne feststellbare Infektion weisen außerdem auf ein chronisches Erschöpfungssyndrom hin. Betroffene leiden außerdem häufig unter psychischen Problemen wie Depressionen und Panikattacken oder sind leicht reizbar. Ein chronisches Erschöpfungssyndrom führt außerdem zu verminderter Leistungsfähigkeit: Nach sportlicher Betätigung müssen sich die Erkrankten mehrere Tage bis mehrer Wochen lang erholen.

Ein weiteres Symptom, das typisch für die Erkrankung ist, ist deutlich wahrnehmbares Herzklopfen, ohne dass eine Herzerkrankung vorliegt. Typisch für das chronische Erschöpfungssyndrom ist auch, dass die Betroffenen häufig ein Ereignis benennen können, dass die Erkrankung ausgelöst hat (zum Beispiel eine Virusinfektion oder ein emotionales Trauma).

Betroffene sind häufig nicht mehr so leistungsfähig wie früher. (c) Colourbox

Schlafprobleme, chronisches Erschöpfungssyndrom und Fibromyalgie

Menschen, die an chronischer Erschöpfung oder Fibromyalgie leiden, haben häufig auch Schlafprobleme. Viele stellen jedoch fest, dass sich die Symptome bessern, sobald sie zu einem guten Schlafrhythmus und einer guten Schlafroutine gefunden haben.

Hausmittel bei Schlafproblemen

Für Menschen mit Fibromyalgie oder chronischem Erschöpfungssyndrom ist die Versuchung groß, den Großteil des Tages im Bett zu verbringen. Das liegt an den geschwächten Muskeln und dem Mangel an Energie. Allerdings fällt es dem Körper dadurch schwerer, zwischen Nacht und Tag beziehungsweise Schlaf- und Wachphasen zu unterscheiden. Betroffene sollten es deshalb so weit wie möglich vermeiden, sich tagsüber auszuruhen oder gar zu schlafen. Dem Körper muss vermittelt werden, dass nachts Schlafenszeit ist.

In der Nacht sollte das Schlafzimmer so dunkel und so ruhig wie möglich sein. Wem es schwer fällt, beispielsweise den Lärm des Straßenverkehrs ganz auszublenden, hilft vielleicht etwas sanfte Musik beim Einschlafen. Fernseher, Computer, Telefone gehören nicht ins Schlafzimmer.

Da Fibromyalgie-Patienten aufgrund ihrer Schmerzen häufig Probleme mit dem Einschlafen haben, sollten sie sich ihre Schlafumgebung so angenehm wie möglich gestalten. Dazu gehören eine an den Körper angepasste Matratze, die relativ fest ist und den Körper gut stützt, ohne dabei Druck auf die empfindlichen Stellen auszuüben. Wichtig ist auch, dass das Kopfkissen den Kopf gut stützt, ohne ihn in einem ungünstigen Winkel zu beugen. Wärmflaschen und Wärmekissen können bei Schmerzen in denn betroffenen Bereichen eingesetzt werden.

>Hier gibt es noch mehr Tipps für erholsame Nächte.

Gibt es pflanzliche Mittel, die bei Schlafproblemen helfen?

Viele Menschen bevorzugen pflanzliche Mittel. Der Vorteil: Im Gegensatz zu konventionellen Schlaftabletten greifen sie nicht in den Körper ein, sondern helfen ganz natürlich, zu einem natürlichen Schlafrhythmus zu finden.

  • Lavendel: Ein paar Tropfen Lavendelöl auf dem Kissen klingt zunächst wie ein typischer Oma-Tipp. Aber mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Menschen schneller einschlafen und am nächsten Tag erholter aufwachen, wenn sie abends etwas Lavendelöl auf ihr Kissen träufeln. Lavendel wirkt auf den Geist entspannend und beruhigend.
  • Kamille: Auch der Kamille werden beruhigende Eigenschaften zugeschrieben. Am besten macht man es sich abends vor dem Zubettgehen mit einer Tasse Kamillentee gemütlich. Das hilft nicht nur dabei, abzuschalten und müde zu werden, sondern gibt auch der Kamille Zeit, sich im Körper zu verteilen und für Entspannung und Ruhe beim Einschlafen zu sorgen.
  • Baldrian: Baldrian wird traditionell als natürliches Beruhigungsmittel eingesetzt und soll ebenfalls einen guten Schlafrhythmus fördern. Einigen Untersuchungen zufolge hat Baldrian auch eine krampflösende Wirkung auf die Muskeln und kann so dazu beitragen, Muskelverspannungen und nächtliche Bewegungen zu verringern.
Eine Tasse Tee mit Lavendel daneben.

Lavendeltee beruhigt und kann beim Einschlafen helfen. (c) solstizia / Fotolia

Konventionelle Arzneimittel

Wenn Hausmittel und pflanzliche Arzneimittel die Schlafprobleme nicht lindern, kann der Arzt eine konventionelle Behandlung empfehlen. Dazu zählt auch eine kognitive Verhaltenstherapie. Während dieser Therapie werden neue Denkweise und ein neuer Umgang mit dem Schlaf erlernt. Diese Behandlung kann auch bei anderen Symptomen hilfreich sein, etwa bei Schmerzen und Ängsten.

Als Alternative stehen frei verkäufliche und verschreibungspflichtige Schlaftabletten zur Verfügung. Wer vor hat, Schlaftabletten als Einschlafhilfe zu probieren, sollten auf jeden Fall mit dem Arzt über mögliche Nebenwirkungen sprechen