Kopf & Psyche

Cluster-Kopfschmerz: Ursachen und Therapien

Wie ein Schmerzgewitter im Kopf, so beschreiben manche Betroffene den Cluster-Kopfschmerz. „Wie Messerstiche ins Auge“ so erklären ihn andere. Die genauen Ursachen dieses Kopfschmerzes sind bislang noch nicht bekannt. Doch es gibt wirksame Methoden, die Schmerzen zu lindern und Cluster-Kopfschmerz vorzubeugen.

Kopfschmerzen hat fast jeder einmal. Bei den meisten bleibt es bei einem Schmerz, der sich mit entsprechenden Wirkstoffen wieder gut in den Griff bekommen lässt. Manche Menschen quälen jedoch Kopfschmerzen, die extrem stark sind und mehrere Stunden anhalten können. Cluster-Kopfschmerzen treten meist ganz plötzlich auf und legen dann das Leben des Betroffenen von einer Minute auf die andere lahm.

Was sind Cluster-Kopfschmerzen genau?

„Cluster“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Anhäufung“ oder „Zusammenballung“. Damit soll ausgedrückt werden, dass sich der Schmerz charakteristischer Weise auf eine Gesichtshälfte, genauer: hinter dem Auge, konzentriert. Eine andere Bezeichnungen für Cluster-Kopfschmerz ist Bing-Horton-Kopfschmerz.

Cluster-Kopfschmerz wird eine Art Kopfschmerz genannt, die extrem schmerzhaft ist und in Schüben auftritt. Betroffene klagen über regelrechte Schmerzattacken, die mehrfach am Tag auftreten können. Cluster-Kopfschmerz gilt als die schmerzhafteste aller bekannten Kopfschmerzarten.

Typisch für Cluster-Kopfschmerz: Er tritt in Phasen auf. Während der Schmerzphasen kommt es immer wieder zu plötzlichen Schmerzattacken. Dazwischen können Phasen liegen, in denen der Patient über längere Zeit keinen Cluster-Kopfschmerz verspürt. Diese Zeiträume können einige Wochen bis zu ein Jahr lang sein.

Cluster-Kopfschmerzen können episodisch oder chronisch auftreten:

  • Episodischer Cluster-Kopfschmerz: Der Cluster-Kopfschmerz tritt im Wechsel mit beschwerdefreien Phasen auf und dauert höchstens ein Jahr lang an.
  • Chronischer Cluster-Kopfschmerz: Die Attacken dauern länger als ein Jahr. Beschwerdefreie Intervalle gibt es nicht und wenn, dann sind sie kürzer als vier Wochen. Aufgrund der heftigen Schmerzen und des daraus resultierenden hohen Leidensdrucks wird diese Form auch als Suizid-Kopfschmerz bezeichnet.

Wer ist gefährdet?

Tritt der Cluster-Kopfschmerz zum ersten Mal auf, sind die Betroffenen meist zwischen 20 und 40 Jahre alt. Männer werden weitaus häufiger von dieser Art Kopfschmerz geplagt als Frauen. Raucher haben zusätzlich ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken.

Cluster-Kopfschmerz tritt nur selten auf. Statistisch gesehen leidet einer von 500 bis 1.000 Menschen darunter. Im Vergleich dazu haben etwa zehn Mal mehr Menschen regelmäßig Migräne-Anfälle.

> Migräne: Welche Rolle spielt die Ernährung?

Welche Symptome sind typisch für Cluster-Kopfschmerz?

Cluster-Kopfschmerz hat eine Reihe charakteristischer Anzeichen, durch die er sich eindeutig von anderen Kopfschmerzarten abgrenzen lässt.

Typisch für Cluster-Kopfschmerz sind folgende Symptome:

  • Der Schmerz tritt immer an derselben Stelle auf – in der Regel hinter ein und demselben Auge. Die Schmerzen strahlen häufig in Richtung Nase, Stirn, Schläfe oder Nacken aus.
  • Der Schmerz tritt immer zur gleichen Tageszeit auf. Oft klagen die Betroffenen morgens nach dem Aufstehen über Schmerzattacken.
  • Der Schmerz tritt normalerweise sehr plötzlich auf und kehrt in Schüben wieder. An einem Tag können den Betroffenen bis zu acht Schmerzattacken plagen, die zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden andauern.
  • Ein Auge schwillt an und tränt. Die Pupillen verengen sich. Das Augenlid und die Nasenschleimhaut schwellen ebenfalls an.
  • Dem Betroffenen ist übel und er verspürt innere Unruhe.

Typisch für Cluster-Kopfschmerz ist außerdem, dass die Attacken vor allem im Herbst und Frühling auftreten.

Ein Mann hat Cluster-Kopfschmerzen, sie fühlen sich wie starke, stechende Schmerzen hinter dem Auge an.

Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den stärksten Kopfschmerzen, die es gibt. (c) Colourbox

Was verursacht Cluster-Kopfschmerz?

Was genau Cluster-Kopfschmerz verursacht, ist noch unklar. Genetische Faktoren scheinen jedoch bei seiner Entwicklung eine große Rolle zu spielen. Als sicher gilt, dass die Schmerzattacken auftreten, sobald sich entzündete Blutgefäße im Gehirn weiten.

Experten vermuten außerdem, dass hinter der Erkrankung ein gestörter Tag- und Nachtrhythmus steckt. Dafür spricht die Verknüpfung der Kopfschmerzen mit einer bestimmten Tageszeit.

Des Weiteren konnten die Forscher bestimmte Auslöser für die Kopfschmerzattacken festmachen. Zu den bekanntesten zählen …

  • Nitroglycerin: das Mittel wird in der Medizin als Mittel zur Gefäßerweiterung eingesetzt
  • Histamin: eine körpereigene Substanz, die bei Allergien und bei der Immunabwehr eine große Rolle spielt. Darum wird Cluster-Kopfschmerz auch Histamin-Kopfschmerz genannt.
  • Alkohol: Eine kleine Menge davon begünstigt das Auftreten der Schmerzen. Trinken Betroffene jedoch viel Alkohol auf einmal, senkt das die Wahrscheinlichkeit, dass in nächster Zeit eine Schmerzattacke auftritt. Wie es zu dieser gegensätzlichen Wirkung von Alkohol kommt, ist noch nicht bekannt. Auf keinen Fall ist Alkohol jedoch geeignet, Cluster-Kopfschmerz vorzubeugen – zu groß sind die damit verbundenen Nebenwirkungen.

Wer unter Cluster-Kopfschmerz leidet, sollte auf seine Ernährung achten und Lebensmittel vermeiden, die entweder viel Histamin enthalten oder die Produktion von Histamin im Körper fördern. Das trifft zum Beispiel auf Erdbeeren, Rotwein, Tomaten oder Schokolade zu.

> Histamin-Intoleranz: Was darf ich noch essen?

Man weiß heute auch, dass während einer Kopfschmerz-Episode bestimmte äußere Faktoren einen Schmerzattacke auslösen (Fachbegriff: triggern) können. Dazu zählen zum Beispiel …

  • große Hitze (im Sommer oder in der Sauna)
  • blendendes oder flackerndes Licht
  • starker Lärm und
  • Höhenunterschiede, wie sie bei Reisen vom Flachland in die Berge vorkommen.

> Was ist Schmerz und was passiert dabei im Körper?

Die Diagnose bei Cluster-Kopfschmerz

Grundlage der Diagnose sind in den meisten Fällen die Symptome. Bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen sind nicht geeignet, um Cluster-Kopfschmerz einwandfrei festzustellen.

Betroffene leiden oft jahrelang unter den Schmerzen, bevor die Diagnose „Cluster-Kopfschmerz“ gestellt werden kann. Idealerweise lassen sie sich in einer medizinischen Einrichtung untersuchen, die auf Kopfschmerzen oder allgemein auf Schmerzen spezialisiert ist (zum Beispiel eine Schmerzklinik).

Symptome dokumentieren

Dem Arzt fällt die Diagnose leichter, wenn der Patient die Schmerzattacken so genau wie möglich beschreiben kann. Es ist daher sinnvoll, über ein paar Monate hinweg ein “Schmerz-Tagebuch” zu führen, in dem Häufigkeit, Auslöser und Dauer der Cluster-Kopfschmerzen notiert werden.

Anhand der Aufzeichnungen lässt sich dann leichter erkennen, ob es sich tatsächlich um Cluster-Kopfschmerz handelt, und welche Ereignisse oder Substanzen als Auslöser in Frage kommen.

Wie lässt sich Cluster-Kopfschmerz behandeln?

Cluster-Kopfschmerz lässt sich durch konventionelle Schmerzmittel nicht lindern. Das ist für Betroffene, bei denen die Erkrankung noch nicht diagnostiziert wurde, besonders leidvoll. Während einer Schmerzattacke versuchen sie mit klassischen Schmerzmitteln den Beschwerden beizukommen. Wenn diese irgendwann wieder von allein abklingen, sind die Betroffenen versucht, dies den Medikamenten zuzuschreiben. Dabei hatten diese darauf keinen Einfluss, sondern belasten durch ihre Nebenwirkungen den Organismus nur noch zusätzlich.

Lidocain (ein lokales Betäubungsmittel) hat sich dagegen als wirkungsvolles Medikament gegen Cluster-Kopfschmerz erwiesen. Es wird in die Nase oder in die Nähe der gereizten Nerven gespritzt. Ein anderes Mittel gegen akute Schmerzattacken ist der Arzneistoff Sumatriptan. Er hat Einfluss darauf, wie Serontonin im Körper eingesetzt wird. Dieser Botenstoff (Fachbegriff: Neurotransmitter) ist an der Schmerzverarbeitung beteiligt. Nebenwirkungen einer Behandlung mit Sumatriptan können Schwindel, ein zu niedriger Blutdruck und Müdigkeit sein.

Eine Therapie, die sowohl frei von Nebenwirkungen als auch enorm effektiv ist, ist die Inhalation von reinem Sauerstoff. Bei einer akuten Schmerzattacke inhalieren Betroffene das Edelgas etwa eine Viertelstunde lang. Anschließend haben sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent keine Schmerzen mehr. Dabei gilt: Je früher bei einer Schmerzattacke die Sauerstoff-Inhalation einsetzt, desto erfolgreicher ist die Behandlung.

> Entspannt durch Atemtherapie

Lässt sich Cluster-Kopfschmerz vorbeugen oder sogar heilen?

Will man einer Schmerzattacke vorbeugen, gilt es natürlich, die bekannten Auslöser (zum Beispiel Alkohol oder histmaninreiche Lebensmittel) so weit wie möglich zu vermeiden.

Um darüber hinaus Cluster-Kopfschmerz vorzubeugen, können Betroffene die Wirkstoffe Verapamil oder Lithium einnehmen. Letzterer hat jedoch mitunter erhebliche Nebenwirkungen wie Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme und erhöhten Harndrang.

Es gibt jedoch keine Behandlung, die Cluster-Kopfschmerz völlig abstellen beziehungsweise heilen kann. Lediglich eine Linderung oder Vorbeugen sind möglich.