Hals, Nase & Ohren

Endlich wieder durchatmen! Das hilft bei Sinusitis

Die Nase voll zu haben, ist lästig. Aber ein Schnupfen allein streckt niemanden nieder. Anders sieht es aus, wenn die Nase dicht bleibt und damit Druck in die Nebenhöhlen kommt. Das ist eine Sinusitis, und die sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir informieren über Ursachen und die Behandlung.

Es beginnt mit einer harmlosen Erkältung − das normale Schniefen, das nach ein bis zwei Wochen überstanden ist. Im Normalfall. Denn kuriert man den Infekt nicht richtig aus, haben Krankheitserreger leichtes Spiel. Sie sorgen für eine Entzündung der Schleimhäute der Nasennebenhöhlen − es kommt zu einer Sinusitis, die durchschnittlich jeder siebte Erwachsene mindestens einmal im Jahr hat.

Erst Schnupfen, dann Sinusitis

Nasennebenhöhlen (kurz: NNH), das sind mehr als die Kieferhöhlen neben unserer Nase. Keilbeinhöhlen und Siebbeinzellen, die zwischen den Augen liegen, sowie Stirnhöhlen bilden das Nebenhöhlenlabyrinth − ein System aus luftgefüllten Kanälen unter unserem Gesichtsknochen.

Wozu dieser Knochenunterbau da ist, kann bis heute niemand genau sagen. Lange dachte man, die Nebenhöhlen würden als Resonanzkörper der Stimme oder Befeuchter der Atemluft dienen. Als wahrscheinlicher gilt, dass sie sich evolutionär zur Vergrößerung des Schädels ausgebildet haben. Welche Funktion sie auch erfüllen, aufgrund von Engpässen sind sie besonders anfällig für Verstopfungen.

Jedes Mal, wenn sich die oberen Atemwege entzünden, schwillt auch die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen an − ab und zu so sehr, dass die extrem feinen Verbindungen (Gänge und Öffnungen) zur Nase verschließen. Die Folgen: In den Hohlräumen entsteht ein Unterdruck, die Belüftung ist gestört, der Sekretabfluss wird behindert. Die Entzündung breitet sich aus und es kommt zur Eiterbildung, weil sich Krankheitserreger in den abgedichteten Hohlräumen in aller Ruhe vermehren können.

Zur Entzündung der NNH neigen insbesondere Allergiker (häufiger Schnupfen) und Menschen, die eine schiefe Nasenscheidewand, zu dicke Nasenmuscheln oder einen Nasenpolypen (Wucherungen der Nasenschleimhaut) haben.

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Nichts läuft mehr bei einer Nasennebenhöhlenentzündung

Eine akute Sinusitis fühlt sich an, als würde unter dem Gesicht ein dicker Klumpen festsitzen, der alle Hohlräume blockiert. Die Nase ist dicht. Auch Schnäuzen bringt nicht viel, denn das gelb-grünliche Sekret ist sehr zäh. Durch die Nase ein- oder auszuatmen ist kaum möglich, weil die angeschwollenen Schleimhäute der Luft den Weg versperren. Der Geruchssinn ist beeinträchtigt. Das Gesicht pocht − besonders an der Stirn, zwischen und unter den Augen. Der gesamte vordere Kopf dröhnt, ein schmerzhaftes Druckgefühl breitet sich im Bereich der Wangen aus.

Typisch für die entzündeten Nebenhöhlen ist auch, dass sich die Beschwerden verstärken, wenn man den Kopf senkt. Bewegungen (besonders Erschütterungen) und Berührungen der betroffenen Stellen im Gesicht werden als unangenehm wahrgenommen. Es schmerzt zum Beispiel an der linken und rechten Seite der Nase, wenn man mit dem Finger darüberstreicht.

Bei schweren Verläufen können noch Fieber, Husten und auch von außen sichtbare Schwellungen im Gesicht auftreten. Halten die Beschwerden länger als drei Tage an, kehren sie immer wieder oder steigt das Fieber auf über 39°C, sollte der Kranke zum Arzt.

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Pochen, Hämmern und Drücken: ein ausgewachsener Schnupfen hat's in sich

Pochen, Hämmern, Drücken: eine ausgewachsene Sinusitis hat’s in sich. (c) Colourbox

Der ewige Schnupfen

Spätestens nach acht Wochen sollten Sie wieder frei atmen können. Bleibt die Entzündung länger als drei Monate oder tritt sie öfter als viermal im Jahr auf, spricht man von einer chronischen Sinusitis. Sie entsteht häufig unter Einfluss eines bestimmten Bakteriums (Staphylococcus aureus) oder wird durch eine Verformung der Nasenscheidewand begünstigt, die dazu führt, dass die Nebenhöhlen immerzu schlecht durchlüftet werden. Zwar sind die Symptome der chronischen Entzündung weniger ausgeprägt, sie kann sich aber weiter ausdehnen und Augen oder Gehirn in Mitleidenschaft ziehen. Chronische Verläufe lassen sich meist nicht mehr ursächlich behandeln und machen unter Umständen operative Eingriffe nötig.

So befreien Sie die Nasennebenhöhlen

Ist die Sinusitis nur schwach ausgeprägt, reicht manchmal abwarten, Tee trinken und vielleicht ein oder zwei altbewährte Hausmittel ausprobieren. Damit aus dem Geschniefe kein Dauerschnupfen wird, muss bei schweren Nasennebenhöhlenentzündungen allerdings frühzeitig gehandelt werden, um die verstopfte Nase mithilfe von Arzt und Medikamenten wieder freizubekommen. Das Ziel: Der Schleim muss abfließen, die verstopften Nebenhöhlen müssen wieder belüftet werden.

Tropfen und Tabletten gegen Sinusitis

  • Abschwellende Nasentropfen und -sprays beruhigen die Schleimhäute, trocknen sie mit der Zeit aber aus und können abhängig machen. Experten empfehlen, die Präparate nur kurz anzuwenden. Nach etwa fünf Tagen (spätestens nach einer Woche) sollten Betroffene auf natürliche Alternativen umsteigen: Nasensprays auf Meersalzbasis oder mit Dexpanthenol wirken zwar nicht so stark, sind dafür aber sanft zu den Schleimhäuten.
  • Besser verträglich als abschwellende Wirkstoffe sind kortisonhaltige Nasensprays. Sie hemmen die Entzündung.
  • Nasenduschen mit Kochsalzlösung verflüssigen das Sekret und unterstützen beim Abfluss.
  • Sekretlösende (Sekretolytika) Mittel auf Pflanzenbasis helfen nachweislich. Gängig sind Mixturen mit Myrtol, Cineol, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten oder Primelextrakten.
  • Bei starken Schmerzen kann auf Wirkstoffe wie Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen zurückgegriffen werden
  • Antibiotika verschreiben Ärzte eher selten, da bei einer akuten Sinusitis oft Viren im Spiel sind. Selbst bei bakteriellen Formen der Nebenhöhlenentzündung ist der Nutzen von Antibiotika umstritten.

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Hilfe zu Hause

  • Viel trinken, damit sich der festsitzende Schleim verflüssigt und löst − am besten Wasser oder Kräutertee aus Kamille oder Thymiankraut. Auch gut für die Atemwege: Feuchte Tücher über die Heizung hängen und so die Luftfeuchtigkeit im Raum (und damit der Atemluft) erhöhen.
  • Kopf hoch. Das Sekret muss abfließen können. Beim Schlafen am besten auf einem Stapel Kissen betten.
  • Dampfbäder mit bestimmten Zusätzen befeuchten und befreien die Atemwege nicht nur, sondern wirken auch entzündungshemmend. Tipp: Wir empfehlen Salz, Kamille, Lavendel oder Thymian (in Form von Tee oder Extrakten) und ätherische Öle aus Pfefferminz oder Eukalyptus zum Beispiel. So geht’s: Wasser aufkochen, in eine Schüssel füllen, Kräuter oder Tropfen dazugeben. Dann für etwa zehn Minuten mit dem Kopf unter einem Handtuch verschwinden und den Wasserdampf inhalieren.
  • Viele schwören auf die gute, alte Rotlichtlampe. Die Wärme tut den Nasennebenhöhlen gut und wirkt gegen die Entzündung.

Gut gewappnet fürs nächste Mal

Um zu verhindern, dass ein banaler Schnupfen zur Nebenhöhlenentzündung heranwächst, lohnt es sich …

  • auch den kleinsten Infekt auszukurieren. Schalten Sie einen Gang runter. Sobald die Nase verschleimt und die Schleimhäute geschwollen sind, wenden Sie vorsorglich Nasensprays an − am besten auf pflanzlicher Basis. So halten Sie die Nase frei und die Nebenhöhlen bleiben belüftet.
  • die Abwehrkräfte zu stärken. Essen Sie viel Obst und Gemüse und gehen Sie so oft wie möglich raus an die frische Luft.
  • sanft zur Nase zu sein. Schnäuzen oder hochziehen? Beides ist in Ordnung. Aber immer mit Bedacht: Zu kräftiges Schnauben oder Schniefen kann Schleim und damit Keime in die Nebenhöhlen befördern − der mögliche Beginn einer  Nasennebenhöhlenentzündung. Putzen Sie Ihre Nase vorsichtig und lassen Sie immer ein Nasenloch frei, um zu großen Druck zu vermeiden.