Der Feind vieler Frauen: Endometriose

Gesunde Frau

Der Feind vieler Frauen: Endometriose

Bei vielen Frauen wird die Periode durch Beschwerden wie Unterleibsschmerzen oder -krämpfe begleitet. Leiden sie jedoch unter Endometriose wird die Montagsblutung häufig zur Qual. Auch unabhängig vom Zyklus kann diese Erkrankung große Probleme bereiten – zum Beispiel Unfruchtbarkeit.

Endometrium ist der medizinische Fachbegriff für die Schleimhaut der Gebärmutter. Wuchern deren Zellen – häufig bis über die Grenzen des Organs hinaus – , spricht man von Endometriose. Die krankhafte Wucherung ist in den meisten Fällen gutartig, dennoch löst sie bei vielen der betroffenen Frauen Beschwerden wie starke Blutungen oder enorme Schmerzen aus.

Die Symptome der Endometriose werden jedoch leicht als sehr starke Regelbeschwerden gedeutet – und einfach ertragen. Entsprechend vergehen zwischen den ersten Anzeichen und einer Diagnose oft mehrere Jahre.

Geheilt werden kann Endometriose bis dato nicht. Mit der passenden Therapie ist aber in den meisten Fällen ein Leben ohne größere Beschwerden möglich.

Ursachen der Endometriose

In der Medizin gibt es unterschiedliche Theorien zur Entstehung von Endometriose. Vor allem beschäftigt die Wissenschaftler die Frage, wie es sein kann, dass Zellen der Gebärmutterschleimhaut an anderen Stellen im Körper auftauchen.

Eine Theorie geht davon aus, dass lebende Zellen der Gebärmutterschleimhaut zum Beispiel in den Eierstock verschleppt werden und sich dort einnisten. Eine weitere hält es für möglich, dass funktionsfähige Zellen über das Blut oder die Lymphe in entferntes Gewebe gelangen und sich dort ansiedeln. Eine dritte Theorie erklärt die Bildung von Endometriumzellen damit, dass diese aus anderen Zellen hervorgehen, mit denen sie einen gemeinsamen Ursprung haben.

Was die Wucherung der Schleimhautzellen an sich auslöst, ist ebenfalls trotz intensiver Forschung nicht bekannt. Jedoch wird vermutet, dass eine Störung im Zusammenspiel von Hormonen und Immunsystem vorliegt. Eigentlich sollte das Abwehrsystem des Körpers dafür sorgen, dass die Zellen einzelner Organe sich nicht an einem anderen Ort im Körper ausbreiten.

Es wurde beobachtet, dass häufig mehrere Frauen einer Familie unter Endometriose leiden. Die Veranlagung könnte also vererbbar sein.

Ausprägungen der Endometriose

Die versprengten Zell-Verbände der Gebärmutterschleimhaut (auch Endometrioseherde genannt) können an ganz unterschiedlichen Stellen im Unterleib und Bauchraum auftreten. Sie befinden sich zum Beispiel:

  • im unteren Bauch- und Beckenbereich
  • innerhalb der Gebärmutter,
  • an den Eierstöcken und im Eileiter
  • in einem Raum des Bauchfells
  • Seltener an Darm, Harnblase oder in der Lunge

Wie häufig ist Endometriose?

Etwa sieben bis 15 Prozent der Frauen sind von Endometriose betroffen. Experten schätzen, dass 40 bis 60 Prozent der Frauen mit sehr schmerzhaften Regelblutungen darunter leiden.

Allerdings geht man auch davon aus, dass bis zur Hälfte der Frauen, die tatsächlich an Endometriose erkrankt sind, dadurch keinerlei Beschwerden haben. Endometriose kann also auch eine „stille“ Erkrankung sein. Dies ist vor allem von Bedeutung für Frauen, die vergeblich versuchen, schwanger zu werden: Endometriose gilt als häufigster Grund, weshalb Frauen nach dem ersten Kind kein weiteres mehr bekommen können.

Symptome der Erkrankung

Schmerzen im Bauchraum und während der Menstruation im Unterleib sind die Hauptsymptome der Endometriose. Die Beschwerden variieren jedoch je nachdem wo sich der Endometrioseherd befindet. Die betroffenen Frauen leiden zum Beispiel unter …

  • sehr starken Schmerzen während der Regelblutung
  • dauerhaften Schmerzen im Unterbauch durch Gewebewucherungen zwischen den Organen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr durch eine Verwachsung der Gebärmutter mit dem Mastdarm.
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang durch Vernarbungen an Blase oder Darm.
  • Rückenschmerzen durch Verklebungen im Bauchraum

Viele Endometriose-Patientinnen verspüren nur leichte Beschwerden durch ihre Endometriose. Bei anderen sind die Symptome jedoch sehr stark ausgeprägt.

Unfruchtbarkeit durch Endometriose

Die Wucherung der Gebärmutterschleimhautzellen ist einer der Hauptursachen für unerfüllten Kinderwunsch. Je dritte bis fünfte Frau im gebährfähigen Alter, die vergeblich versucht, schwanger zu werden, ist vermutlich von der Krankheit betroffen. Der Grund: Vernarbungen im Eileiter oder in der Gebärmutter können die Befruchtung der Eizelle oder ihre Einnistung verhindern.

In vielen Fällen kann eine operative Entfernung der Endometrioseherde die Fruchtbarkeit der Frau wieder erhöhen und eine Schwangerschaft ermöglichen.

Endometriose

Unerfüllter Kinderwunsch: Eine häufige Ursache ist Endometriose. / Bild: colourbox.de

So lässt sich die Erkrankung feststellen

Mittels Ultraschall oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) kann der Arzt den Unterbauch bildlich darstellen. Manchmal (vor allem bei Unfruchtbarkeit) gibt nur eine Form der Bauchspiegelung, die sogenannte Pelviskopie, Aufschluss über mögliche Endometrioseherde. Bei diesem Eingriff unter Vollnarkose kann der Arzt über einen kleinen Schnitt im Unterbauch die Organe des Beckens untersuchen und Gewebeproben entnehmen. Sichtbare Endometrioseherde können dabei gleich entfernt werden.

Therapiemöglichkeiten bei Endometriose

Heilen lässt sich Endometriose nicht. Die Wucherung der Gebärmutterzellen kann durch Medikamente oder Eingriffe von außen bis dato nicht gestoppt werden. Grundsätzlich gilt: Nicht jede Endometriose muss behandelt werden. Fallen die Beschwerden gering aus, ist eine Behandlung nicht nötig.

Konservative Therapie

Bei stärkeren Beschwerden ist eine konservative Therapie durch Medikamente möglich: Schmerzen, die nicht dauerhaft auftreten, können durch entsprechende Schmerzmittel gelindert werden. Die betroffenen Frauen können auch über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten Hormone einnehmen, zum Beispiel Gestagen. Ziel der Therapie ist es, die Endometriose-Herde einzudämmen.

Gestagen hemmt die Östrogen-Produktion. Als Folge entstehen weniger wuchernde Gebärmutterzellen. Im Idealfall verkümmern die Endometrioseherde, bevor es zu einer Vernarbung ihres Gewebes kommt.

Operative Therapie

Sprechen die Wucherungen nicht auf die konservative Therapie an, können die Wucherungen operativ entfernt werden. Dies ist vor allem dann notwendig, wenn die Endometrioseherde im Bauchraum verstreut sind oder die Funktion der Fortpflanzungsorgane behindern. Die Wucherungen werden dabei meist durch Einwirkung von Wärme oder Strom entfernt. Meist ist die anschließende Einnahme von Hormonen sinnvoll.

Ist die Familienplanung abgeschlossen und die Beschwerden sehr stark ausgeprägt, kann eine operative Entfernung der Gebärmutter sinnvoll sein.

Auch nach einem operativen Eingriff kann es erneut zu Schleimhautwucherungen kommen. Gelegentlich ist eine Kombination aus mehreren Behandlungsmethoden der effektivste Weg, um die durch Endometriose verursachten Beschwerden einzudämmen.