Kopf & Psyche

Eustress: Gibt es positiven Stress?

Wir leben in hektischen Zeiten, viele fühlen sich dauergestresst und das kann krank machen. Doch die gute Nachricht lautet: Positiver Stress (Eustress) kann Sie zu Höchstleistungen bringen. Wie gestresst Sie sind, haben Sie zumindest teilweise selbst in der Hand.

Angespannt, gehetzt, gefangen im Karussell der Gedanken, dabei nervös ungeduldig. Hinzu kommen Probleme, sich in Ruhephasen zu entspannen und erholsam zu schlafen – eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2016 zeigte, dass sich 60 Prozent der befragten Deutschen gestresst fühlten. 23 Prozent gaben sogar an, häufig gestresst zu sein.

Allerdings hat Stress zwei Seiten: Einerseits kann er Sie auf Dauer krank machen, andererseits befähigt positiver Stress Sie zu Höchstleistungen.

Was bringt Stress?

Im Grunde ist Stress eine geniale Strategie der Natur: Kommt es zu einer herausfordernden Situation, schüttet Ihr Organismus in Sekundenbruchteilen Hormone wie Cortisol, Noradrenalin und Adrenalin aus. Sie sorgen dafür, dass Herzschlag und Atmung sich beschleunigen, mehr Sauerstoff durch den Körper strömt, Gehirn und Muskeln ausreichend Zucker zur Verfügung steht.

Gleichzeitig dämpfen die körpereigenen Botenstoffe andere, momentan weniger wichtige Vorgänge, beispielsweise die Verdauung. Unseren Vorfahren halfen diese körperlichen Voraussetzungen dazu, in Gefahrensituationen instinktiv Entscheidungen zu treffen und blitzschnell Energie freizusetzen, etwa um schnell davonzulaufen oder sich zu verteidigen.

Psychologen unterscheiden zwischen positivem und negativem StressEustress und Disstress. Die Vorsilbe „Eu“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „gut“.

So kann sich positiver Stress auswirken

Positiver Stress ist eine Reaktion vor einem wichtigen Ereignis, etwa einem Vortrag vor Kollegen oder einem sportlichen Wettkampf: Sie geraten in Aufregung. Ihr Körper reagiert und schüttet Stresshormone aus. Plötzlich haben Sie das Gefühl, all Ihre Kräfte und Ihre Konzentration bündeln und Höchstleistungen erbringen zu können.

Diese Art von Stress empfinden Sie in der Regel nicht als Belastung. Eustress entsteht als Reaktion auf Tätigkeiten, die Ihnen Freude bereiten. Die Hormonausschüttung befördert Ihre Leistungsfähigkeit wie ein körpereigenes Doping. Voraussetzung für die positive Auswirkung ist die Ausgewogenheit zwischen Anspannung und Entspannung. Der Stress besteht vorübergehend, danach können Sie sich erholen.

Eustress

Eustress ist positiver Stress und gut für uns. (c) VadimGuzhva / Fotolia

Wann baut sich negativer Stress auf?

Unsere Vorfahren konnten Stresshormone durch ihre körperlichen Aktivitäten schnell wieder kompensieren. Doch heutzutage baut sich für viele Menschen in unserer Gesellschaft Dauerstress durch Überlastung auf, der sogenannte Disstress. Die griechische Vorsilbe „Dis“ bedeutet „schlecht“.

Aufgerieben zwischen beruflichen Belastungen, familiären Anforderungen und Freizeitverpflichtungen fehlen Entspannungsphasen. Sie fühlen sich dauerhaft überfordert, weil sie den alltäglichen Verpflichtungen nicht entkommen können. Ihr Leben fühlt sich fremdbestimmt an.

Körperliche Reaktionen auf dauerhafte Anspannung

Wenn Stress chronisch wird und sich Energiereserven erschöpfen, kann er ernsthaft krank machen. Anzeichen dafür sind:

  • Verringerte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Gereiztheit
  • Schlafstörungen
  • Albträume
  • Magen-Darmprobleme, etwa Sodbrennen oder häufige Durchfälle
  • Bluthochdruck
  • Rückenschmerzen

Auf Dauer kann stressbedingte Überbeanspruchung das Immunsystem schwächen und chronische Krankheiten begünstigen, darunter Herz-Kreislauf- oder Lungenleiden, Rückenschmerzen oder psychische Probleme wie Burnout und Depression.

Strategien, Stress zu bewältigen

Es gibt keinen allgemeingültigen Richtwert, ab dem Menschen Stress noch als positiv oder bereits als belastend empfinden. Die Persönlichkeit spielt dabei eine Rolle. Und der Zeitfaktor, wenn beispielsweise Routine eine belastende Situation auflöst.

Aber auch die innere Haltung Anstrengungen gegenüber hat großen Einfluss. Somit gibt es auch kein Rezept, das allen gleichermaßen hilft, mit herausfordernden Lebensphasen besser umzugehen. Aber es gibt Strategien, die alltägliche Belastungen oder den Umgang damit erleichtern:

Tipps für einen entspannten Alltag

Lernen Sie nein zu sagen!

Es müssen nicht immer Sie sein, die eine Extraaufgabe kurz vor Büroschluss noch erledigt. Das kann auch ein Kollege übernehmen.

Haben Sie Mut zur Lücke!

Das Pareto-Prinzip besagt, dass Sie für 80 Prozent eines Ergebnisses genauso so viel Zeit benötigen wie Sie noch einmal für die restlichen 20 Prozent aufwenden müssen, die zu einem hundertprozentigen Resultat führen. Und 80 Prozent genügen in der Regel immer für ein gutes Gesamtergebnis. Oder anders gesagt: Vergessen Sie Ihren Perfektionismus, gut ist gut genug.

Delegieren Sie!

Verteilen Sie Belastungen beispielsweise im Haushalt auf alle Schultern. Es ist doch nicht einzusehen, warum immer Sie einkaufen oder die Küche aufräumen.

Achten Sie auf genug Schlaf!

Versuchen Sie, jeden Tag eine halbe Stunde früher ins Bett zu gehen als üblich. Verbannen Sie Ihr Handy aus dem Schlafzimmer, lesen Sie lieber in einem Buch oder notieren Sie ein paar Gedanken zum vergangenen Tag. Das kann helfen, Ihren Schlaf zu verbessern.

Blocken Sie regelmäßig Zeit für sich!

Nehmen Sie sich regelmäßig etwas Schönes vor, das Sie glücklich macht. Das Leben ist keine endlose To-do-Liste!

Lernen Sie eine Entspannungsmethode!

Manchmal kann es schon helfen, zehn Minuten am Tag zu meditieren, ein paar ruhige Yogaübungen zu machen oder beispielsweise mit Autogenem Training zu entspannen. Viele Krankenkassen bezahlen entsprechende Kurse.