Blut & Immunsystem

Fentanylpflaster: Wie gefährlich sind sie wirklich?

Nicht schlucken, nicht spritzen, sondern einfach auf die Haut kleben – das klingt kinderleicht und ungefährlich. Tatsächlich sind Fentanylpflaster unkompliziert in der Anwendung und außerordentlich wirksam. Ein Segen also für alle, die unter chronischen Schmerzen leiden. Aber: Hilfreich heißt nicht harmlos. Wichtig ist, die Risiken und Nebenwirkungen dieser Schmerzmittel zu kennen.

Schmerzpflaster haben den großen Vorteil, dass sie Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum konstant freisetzen. Unser Organismus kann diese behutsame Schmerzmittel-Abgabe ins Blut leichter verkraften, die Gefahr von Nebenwirkungen ist damit geringer. Außerdem hält die schmerzlindernde Wirkung länger vor  bis zu 72 Stunden nämlich. Im Prinzip sind diese Pflaster also eine gute Lösung, für alle, die regelmäßig unter starken Schmerzen leiden und nicht auf Tabletten oder intravenöse Methoden zurückgreifen können.

Aber: Starke schmerzstillende Wirkstoffe wie Fentanyl sind mit Vorsicht einzusetzen. Wir erklären, wie die Pflaster wirken, wann sie sinnvoll sind und was bei der Handhabung zu beachten ist.

Was genau ist Fentanyl?

Fentanyl gehört zu den Opioiden. Das sind Wirkstoffe aus Opium-ähnlichen Substanzen, die an körpereigenen Opioidrezeptoren wirken, Schmerzen hemmen und auch die Psyche beruhigen. Das bekannteste Opiat ist Morphin. Es wird aus Rohopium gewonnen und ist das stärkste natürliche Analgetikum (Oberbegriff für schmerzstillende Medikamente).

Opioid oder Opiat? Alle Schmerzhemmer auf Basis des natürlichen Originals, dem Rohopium aus dem Milchsaft des Schlafmohns, werden als Opiate bezeichnet. Opioide hingegen sind sowohl halb- als auch vollsynthetische Arzneimittel, die morphinähnlich wirken.

Fentanyl gehört zu den synthetischen Schmerzmitteln. In seiner Wirkung ähnelt es Morphin, allerdings ist es 100 Mal so stark wie das Original. Fentanyl hemmt die Erregbarkeit von allen Nervenzellen und ist somit ideal, um einen nicht lokalisierbaren, diffusen Schmerz zu stillen. Dazu hat es einen beruhigenden (sedierenden) Effekt. Es wird bei Narkosen eingesetzt, ist in speziellen Nasensprays enthalten und auch in Tablettenform erhältlich. Fentanyl fällt unter das Betäubungsmittelgesetz – um es zu bekommen, benötigt der Patient ein Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept).

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Fentanyl

Fentanyl gehört zur Gruppe der Opioide. (c) CrazyCloud / Fotolia

Wann werden Schmerzpflaster mit Fentanyl verwendet?

Fentanylpflaster kommen bei starken bis sehr starken Schmerzen zum Einsatz – insbesondere, wenn andere Arzneimittel nicht ausreichen. Die Wirkung setzt erst innerhalb von zwölf bis 24 Stunden ein, auch deshalb sind sie für die Behandlung von akuten Schmerzen absolut ungeeignet.

Schmerzpflaster werden vor allem bei Tumorpatienten (Krebs) eingesetzt, die schon an Analgetika gewöhnt sind. Tabletten kommen im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit kaum infrage, da die Patienten oft nicht mehr richtig schlucken können oder unter chronischen Magen-Darm-Problemen leiden. Für sie ist die transdermale Methode häufig die einzige Möglichkeit, Schmerzen effektiv zu betäuben.

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Welche Nebenwirkungen haben Fentanyl-Pflaster?

Die Darreichung als Pflaster auf der Haut hat den Vorteil, dass der Magen geschont wird. Zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung kommt es zwar auch, aber seltener. Ansonsten sind die unerwünschten Wirkungen mit denen anderer Opioide vergleichbar. Fentanyl kann die Atmung verlangsamen, Krampfanfälle verursachen, Bewusstseinsstörungen auslösen und abhängig machen. Eine Überdosierung kann zu Herzanfällen und Atemstillstand führen.

Mögliche Zeichen einer Überdosierung:

  • Flache Atmung
  • Niedriger Puls
  • Müdigkeit
  • Kältegefühl
  • Schwindel und Schwäche
  • Schwierigkeiten beim Sprechen, Denken und Gehen
  • Verwirrtheit

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Gefahr für andere

Auch nach Gebrauch enthalten Fentanylpflaster noch einen hohen Anteil des Wirkstoffs. Geraten die Reste in falsche Hände, in die von Kindern zum Beispiel, besteht Lebensgefahr. Gebrauchte Pflaster sollten darum am besten zurück in die Arztpraxis gehen. Landen sie doch im heimischen Mülleimer, empfiehlt es sich, die Pflaster vorher sorgfältig an den Klebeflächen zu falten und in kleine Schnipsel zu schneiden.

Außerdem wichtig: Immer wieder kontrollieren, ob das Pflaster noch an seiner Stelle sitzt und sich nicht unbemerkt gelöst hat. So kann verhindert werden, dass andere mit dem hochwirksamen Schmerzmittel in Kontakt kommen und sich womöglich vergiften.

Schmerzpflaster: Die richtige Anwendung

Damit der Wirkstoff Fentanyl gleichmäßig von der Haut aufgenommen werden kann, muss das Fentanylpflaster an der richtigen Stelle sitzen: Relativ unbehaarte Hautpartien auf dem Rücken oder Bauch eignen sich gut.

Achtung, dann wird’s kritisch:

  • Die Pflaster bloß nicht zuschneiden, denn mit der Größe ändert sich auch die Wirkstoff-Konzentration.
  • In Kombination mit Schlafmitteln oder Alkohol kann es zu Wechselwirkungen kommen.
  • Wärmeentwicklung und Inhaltsstoffe von Kosmetika erhöhen möglicherweise die Wirkstoffaufnahme und damit das Risiko einer Überdosierung. Daher sollte die betroffene Hautstelle nicht mit Seifen, Lotionen, Ölen und Co. gepflegt werden.
  • Duschen ist möglich, die Pflaster sind wasserfest. Allerdings empfiehlt die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) die Stelle, auf der das transdermale Schmerzmittel klebt, auch wirklich nur mit Wasser zu reinigen.
  • Von Sonnenbädern, Saunabesuchen oder sehr heißen Duschen raten Experten ebenfalls ab.

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So wirkt Fentanyl

Opioide sind den natürlichen Opiaten (in Mohn) chemisch-syntetisch nachempfundene Stoffe mit ähnlicher Wirkung, der Schmerzlinderung. Schmerzreize werden im Körper von Nerven an Gehirn und Rückenmark weitergeleitet. Je geringer der natürliche Pegel an Endorphinen ist, desto stärker wird der Schmerz wahrgenommen. Endorphine, natürliche Hormone, dämpfen also die Schmerzwahrnehmung. Nach dem gleichen Wirkprinzip funktionieren auch Opioide, wie Fentanyl. Das Opioid Fentanyl gelangt über das Blut zur Blut-Hirn-Schranke, die es problemlos passieren kann. Im Gehirn und Rückenmark dockt es an sogenannte Opioid-Rezeptoren an und hemmt dadurch die Schmerzweiterleitung. Der Schmerz ist dann nicht mehr wahrnehmbar.

Der Nachteil an Fentanyl-Pflastern ist ihre relativ langsame Wirkweise. Erst nach mehreren Stunden wird der Schmerz gestillt. Eine schnellere Wirkung erzielen Fentanyl-Nasensprays (wenige Minuten) oder Fentanyl-Spritzen (sofort).