Gesunde Ernährung

Das Frühstück: Wichtige Mahlzeit oder schädlich?

Als wir klein waren, ließen uns unsere Mütter nicht ohne Frühstück aus dem Haus. So wichtig war die erste Mahlzeit des Tages. Mittlerweile gibt es Zweifel am Stellenwert des Frühstücks. Ein Wissenschaftler hält Frühstücken sogar für gefährlich.

Eine dampfende Tasse Milchkaffee, dazu ein knuspriges Brötchen mit Käse oder ein Croissant mit Marmelade? Solch ein Frühstück ist doch der perfekte Start in den Tag. Oder etwa nicht? Bislang galt die Meinung: Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Und: Wer nicht richtig frühstückt, der kann am Tag auch keine guten Leistungen erbringen. Doch 2017 machte ein englischer Wissenschaftler mit seiner These, das Frühstück sei eine „gefährliche Mahlzeit“, Furore.

Ist Frühstück das neue Rauchen?

Der Biochemiker Terence Kealey ist Diabetiker und stellte fest, dass sein Blutzuckerspiegel gerade nach dem Frühstück besonders hoch ist. Im Selbstversuch fand er heraus, dass sein Blutzuckerspiegel durch den Verzicht des Frühstücks deutlich langsamer anstieg. Das ist vor allem für Diabetiker sehr wichtig.

Seither propagiert er, dass frühstücken so gefährlich sei wie rauchen. Er empfiehlt deshalb Gesunden, generell das Frühstück zu streichen. Dadurch könne man drohende Insulinresistenz (= die fehlende Wirkung des blutzuckerregulierenden Hormons Insulin) vermeiden und so Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Übergewicht vorbeugen.

Frühstück jetzt verteufeln?

Keanleys Aussage lässt den Stellenwert der bislang geglaubten wichtigsten Mahlzeit anzweifeln. Wer sich jetzt mit der Entscheidung „Frühstücken? Ja oder nein?“ herumplagt, sollte Folgendes bedenken: Das traditionelle “English Breakfast” gilt nicht gerade als gesundes Frühstück.

Auf dem Speiseplan der Briten stehen traditionell: Toast aus weißem Mehl mit süßem Aufstrich, fettige Würstchen, Baked Beans, die mit zuckriger Sauce überzogen sind und Eier mit Bacon. Da liegt die Vermutung nahe, dass es beim Thema Frühstück gar nicht so sehr darauf ankommt, ob wir welches essen, sondern was wir essen.

Ein Vollkorn-Müsli mit Nüssen, frischem Obst und Naturjoghurt enthält viele Ballaststoffe. Das lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam steigen und ist sicherlich nicht ungesund.

Beim Frühstück zählt vor allem, was man isst.  (c) Colourbox

Positive Effekte des Frühstücks

Studien belegen: Menschen, die regelmäßig frühstücken, sind seltener übergewichtig. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass durch den Verzicht auf das Frühstück Heißhunger und impulsives Snacken ausgelöst wird. Beides Verhaltensweisen, die Übergewicht fördern. Allerdings ist der umgekehrte Schluss, dass frühstücken schlank macht, auch nicht richtig.

Teilnehmer einer Studie nahmen alle die gleiche Kalorienmenge am Tag zu sich. Die einen frühstückten, die anderen nicht. Die Gewichtsabnahme beider Gruppen war gleich. Die American Heart Association (AHA) fand aber heraus, dass Frühstücker ein geringeres Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes hatten. Deshalb empfiehlt die AHA zu frühstücken, auch wenn das zum Abnehmen nicht hilfreich ist.

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Frühstück und Abnehmen

Wer Gewicht verlieren möchte, sollte hingegen ruhig einmal darüber nachdenken, das Frühstück zu streichen. Ein aktueller Trend, das Teilzeit-Fasten (oder Intervall-Fasten), scheint zum Abnehmen sehr gut geeignet. Bei einer Form des Abnehm-Trends werden am Tag nur zwei Mahlzeiten gegessen. Streicht man beispielsweise das Frühstück und nimmt erst gegen Mittag die erste Mahlzeit ein, scheint dies beim Abnehmen zu helfen.

Die lange Esspause führt dazu, dass insgesamt weniger gegessen wird. Selbst wenn man dann am Mittag etwas mehr als üblich isst, wird man nicht die eingesparten Kalorien des Frühstücks nachholen. Dauerhaft entsteht ein Kaloriendefizit, das zur Gewichtsabnahme führt. Wichtig dabei ist, allerdings nichts zwischendurch zu essen.

Für wen Frühstück wichtig ist

Generell gilt: Nur Gesunde sollten aufs Frühstück verzichten. Wer beispielsweise an Diabetes leidet, riskiert durch zu langen Nahrungsverzicht möglicherweise eine gefährliche Unterzuckerung. Auch bestimmte Gruppen wie Schwangere, Stillende und kleine Kinder sind auf regelmäßige Mahlzeiten angewiesen.

Frühstück für „Eulen“ und „Lerchen“

Während “Lerchen” morgens topfit in den Tag starten und vormittags Höchstleistungen erbringen, fühlen sich “Eulen” erst gegen Mittag richtig wach und leistungsfähig. Verantwortlich dafür ist der Biorhythmus, der für jeden Menschen sehr individuell ist. Genauso individuell ist auch die Vorliebe für oder gegen das Frühstücken. Eulen fällt es oft leichter, auf das Frühstück zu verzichten, wohingegen Lerchen sich leichter tun, abends zu fasten.

Entscheiden Sie selbst, auf welche Mahlzeit Sie den Fokus legen wollen. Denn am Ende des Tages zählt die Menge an aufgenommenen Kalorien und nicht die Tageszeit.

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