Haarausfall: Was tun, wenn sich der Schopf lichtet?

Haut, Haare & Nägel

Haarausfall: Was tun, wenn sich der Schopf lichtet?

Haare im Abflusssieb und überall auf dem Badezimmerboden: Vor allem Frauen können ein Lied davon singen. Dass wir beim Waschen und Föhnen jede Menge Haare verlieren, nervt, ist aber kein Grund zur Besorgnis – solange der Haarausfall nicht zu stark wird. Wir sagen Ihnen, ab wann Sie handeln sollten und was Sie tun können, damit Ihr Schopf nicht an Fülle verliert.

Jeder Mensch verliert täglich im Schnitt zwischen 50 und 100 Haare. Das ist völlig normal, denn dass das Haar ausfällt, ist Teil seines normalen Wachstumszyklus‘, denn unser Schopf erneuert sich fortlaufend.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie Haarausfall haben, brauchen Sie aber nicht die Haare im Abflusssieb zu zählen. Achten Sie lieber auf Veränderungen: Verlieren Sie plötzlich mehr Haare als sonst und das über einen längeren Zeitraum, dann leiden Sie unter Haarausfall. Das kann auf gesundheitliche Probleme hinweisen, muss es aber nicht. Der Grund: Das Haarwachstum ist ein sehr komplexer Vorgang, der vielen äußeren und inneren Einflussfaktoren unterliegt. Bis heute sind nicht alle Wechselwirkungen und Prozesse in der Kopfhaut erforscht.

Formen von Haarausfall

In der Medizin spricht man bei unnatürlich starkem Haarausfall von „Effluvium“. Wird das Haupthaar schütter oder tauchen an anderen behaarten Körperstellen kahle Flecken auf, ist von „Alopezie“ die Rede. Die häufigsten Formen von Haarausfall sind:

Erblich bedingter Haarausfall bei Männern

Der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie) ist die häufigste Art des Haarausfalls. Etwa 80% der Männer sind davon irgendwann im Lauf ihres Lebens betroffen. Meistens fängt es mit den berüchtigten „Geheimratsecken“ an. Oft lichtet sich auch das Haar am Hinterkopf zuerst. Was die Gesundheit angeht, ist der anlagebedingte Haarausfall völlig harmlos. Für viele Betroffene ist er aber ein kosmetisches Problem. Deswegen entscheiden sich immer mehr Männer für eine Haartransplantation – und stehen zu ihrer Eitelkeit. Prominentes Beispiel: Fußballtrainer Jürgen Klopp.

Hormonell bedingter Haarausfall bei Frauen

Bei Frauen fällt das Haar selten ganz aus, sondern wird nur lichter − häufig am Scheitel. Die Ursache sind meist hormonelle Veränderungen oder Schwankungen. In den häufigsten Fällen stellen Frauen daher in oder nach den Wechseljahren fest, dass ihnen die Haare ausgehen. In Einzelfällen sind aber auch Teenager in der Pubertät betroffen. Bei ihnen lässt der Haarausfall in der Regel nach einer Weile von selbst nach.

Spezialfall Schwangerschaft: Der veränderte Hormonhaushalt von schwangeren Frauen verändert ihr Haarwachstum. Der normale Haarausfall nimmt stark ab und das Haar wird voller. Nach der Entbindung ist der Schrecken dann oft groß. Denn dann fallen alle Haare, die längst hätten ausfallen sollen, in kürzester Zeit aus. Eine ähnliche Veränderung des Haarwuchses lässt sich feststellen, wenn Frauen die Anti-Baby-Pille absetzen oder auf ein anderes Präparat umsteigen. Die gute Nachricht: Nach einer Weile normalisiert sich der Zustand in der Regel wieder und das Haar wächst nach.

Kreisrunder Haarausfall

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) ist eine entzündliche Erkrankung, bei der die Haare an einer bestimmten Stelle ausfallen und einen runden, kahlen Fleck hinterlassen. Rund eine Million Deutsche leiden darunter, davon mehr Frauen als Männer. Die meisten Betroffenen sind über 30 Jahre alt. Mediziner gehen davon aus, dass es zu kreisrundem Haarausfall kommt, weil das Immunsystem gestört ist. Das heißt: Die Immunzellen stoßen quasi „aus Versehen“ nicht Bakterien und andere Störenfriede im Körper ab, sondern Haare. Noch ist nicht ausreichend erforscht, was beim kreisrunden Haarausfall im Detail passiert. Deswegen ist er auch schwer therapierbar. Wer Glück hat, leidet nur kurzzeitig darunter. Im schlimmsten Fall aber können nach und nach alle Kopfhaare und sogar die gesamte Körperbehaarung ausfallen.

Diffuser Haarausfall

Wenn die Haare gleichmäßig am ganzen Kopf ausgehen und sich das Haupthaar immer mehr lichtet, spricht man von diffusem Haarausfall. Auch er betrifft mehr Frauen als Männer.

Ursachen von Haarausfall

Haarwurzeln können sehr empfindlich auf Einflüsse von außen, aber auch auf körperliche Veränderungen reagieren. Die Ursachen von Haarausfall sind also sehr vielfältig:

  • Erkrankungen wie Essstörungen (Bulimie, Anorexie), Morbus Crohn (entzündete Darmwand) und andere Darmerkrankungen sowie Grippe, Depressionen, Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Diabetes), Geschlechts- oder Hauterkrankungen (zum Beispiel Schuppenflechte)
  • Therapien, die den Körper „stressen“: Chemotherapie, Radiotherapie oder Hypothermie. Dabei fallen nicht nur die Kopfhaare aus, sondern auch Körperbehaarung wie Wimpern oder Augenbrauen
  • Mangelversorgung, etwa mit Vitaminen, Eisen und Zink. Aber auch eine Überdosierung von Vitamin A und C oder Folsäure
  • Extreme Diäten und eine einseitige Ernährung
  • Pilzerkrankungen der Kopfhaut
  • Fehlfunktionen der Schilddrüse
  • Übersäuerung, zum Beispiel durch ungesunde Ernährung: Um die Säuren zu neutralisieren, „sammelt“ der Körper basische Mineralien ein – zum Beispiel aus dem Haarboden
  • Medikamente zur Blutgerinnung, Beta-Blocker, Schilddrüsen-Medikamente oder Retinoide (zur Behandlung von Hautkrankheiten)
  • Stress: Wenn Sie gestresst sind, schüttet Ihr Körper verstärkt Botenstoffe aus, die die Haarwurzel und ihre Umgebung schädigen können

Haarausfall stoppen

Wenn Sie unter Haarausfall leiden oder sich nicht sicher sind, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen. Er kann Ihnen helfen, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Bereiten Sie sich auf den Termin vor, indem Sie die Antworten auf folgende Fragen notieren – damit helfen Sie Ihrem Arzt bei der Diagnose:

  • Leiden Sie unter einer (chronischen) Erkrankung?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Waren Sie in den letzten Wochen und Monaten besonders gestresst?
  • Hat sich Ihr Zyklus in letzter Zeit verändert?

Manchmal kann ein Mediziner mit bloßem Auge an der Haut oder den Haaren erkennen, ob eine Krankheit der Grund dafür ist, dass Ihnen die Haare ausgehen. Ein Blutbild hilft dabei, Entzündungen oder Mangelerscheinungen festzustellen oder als Ursache auszuschließen.

Wenn eine Untersuchung der Haut, der Haare und des Blutes keine Ergebnisse liefert, wird Ihr Hautarzt eine Haarwurzelanalyse (Fachbegriff: Trichogramm) durchführen. Auch wenn es schwer fällt: Waschen Sie Ihre Haare das letzte Mal fünf Tage vor dieser Untersuchung, dann wird das Ergebnis am aussagekräftigsten. Bleibt auch sie ergebnislos, wird eventuell eine Gewebeprobe aus der Kopfhaut entnommen und untersucht.

Wirkstoffe gegen Haarausfall

Wenn Ihr Haarausfall die Folge eines Mangelzustands, der Einnahme von Medikamenten oder einer Krankheit ist, ist die Therapie klar. Begleitend zur Therapie der Ursache können Sie Mittel einsetzen, die den akuten Haarausfall so schnell wie möglich stoppen sollen, indem sie die entsprechenden Prozesse in der Haarwurzel günstig beeinflussen.

Eine Auswahl der wichtigsten Wirkstoffe gegen Haarausfall:

  • Minoxidil ist ein Wirkstoff, der eigentlich entwickelt wurde, um den Blutdruck zu senken. Als Lösung auf die Kopfhaut aufgetragen, regt er den Haarwuchs an.
  • Männern mit anlagebedingtem Haarausfall wird häufig der Wirkstoff Finasterid verschrieben. Er wird auch bei einer vergrößerten Prostata angewendet, dann allerdings in einer viel höheren Dosis. Finasterid wirkt auf den Hormonhaushalt ein. Wichtig: Frauen darf es nicht verschrieben werden, schon gar nicht in der Schwangerschaft!
  • Bei kreisrundem Haarausfall kann eine Kortisontherapie helfen.
  • Bei diffusem Haarausfall können Sie rezeptfreie Präparate ausprobieren, die den Eiweißbaustein Cystin, Koffein, grünen Tee oder B-Vitamine enthalten.

Meist ist nicht hinreichend belegt, wie Mittel gegen Haarausfall genau wirken. Ebenso wenig ist ein Therapieerfolg bei jeder Anwendung garantiert. Hinzu kommt, dass erst nach zwei bis drei Monaten feststellbar ist, ob das Mittel im Einzelfall wirkt oder nicht. Die gute Nachricht: Nicht erblicher Haarausfall ist in vielen Fällen nur vorübergehend, und das Haar wächst wieder nach.