Nieren & Harnwege

Harndrang als Dauerzustand: Interstitielle Zystitis

Die Blase meldet sich schon wieder, dabei war man doch gerade erst auf der Toilette. Der extrem häufige Drang wird schnell unerträglich. Noch dazu sind da diese starken Schmerzen im Unterleib, die einfach nicht mehr verschwinden wollen. Wer dauerhaft unter diesen Beschwerden leidet, könnte an einer interstitiellen Zystitis erkrankt sein.

Die interstitielle Zystitis, oft mit IC abgekürzt (abgeleitet vom englischen Begriff „Interstitial Cystitis“), ist eine chronische, nicht-bakterielle Erkrankung der Blasenwand. Genauer gesagt: Die Zwischenräume dieser Wand sind durchgehend entzündet. Oft besteht anfangs noch der Verdacht, es handele sich um eine ganz normale Blasenentzündung. Doch die Beschwerden treten immer wieder auf und werden schließlich zum Dauerzustand.

Wer ist betroffen?

Eine interstitielle Zystitis ist eher selten. Neun von zehn Patienten sind Frauen mittleren Alters zwischen 40 und 60 Jahren. Von 100.000 Frauen sind geschätzte zwei bis 16 betroffen. Da die Erkrankung schwer zu erkennen ist, liegt die Dunkelziffer vermutlich höher.

Was löst eine interstitielle Zystitis aus?

Die Ursachen für eine interstitielle Zystitis sind bislang noch ungeklärt. Bisher steht nur fest, dass bei der interstitiellen Zystitis die tieferen Zwischenräume in der Blasenwand entzündet sind. Wieso es dazu kommt, ist nicht bekannt. Folgende Faktoren können, so vermuten Forscher, als Auslöser in Frage kommen:

  • frühere Blasenentzündungen haben ihre Spuren hinterlassen
  • die Blasenschleimhaut bietet nicht ausreichend Schutz gegen Reizstoffe von außen
  • hormonelle Störungen
  • eine versteckte Infektion an anderen Organen

Häufig leiden Betroffene gleichzeitig unter Allergien oder Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem die körpereigenen Zellen angreift. Möglicherweise ist die Blasenwanderkrankung eine Art Reaktion der Harnblase auf Entzündungen im Körper.

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Welche Symptome verursacht die Erkrankung?

Die Anzeichen einer chronischen Blasenwandentzündung unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum von denen einer normalen Blasenentzündung:

  • verstärkter Harndrang, der sich oft nur schwer unterdrücken lässt
  • 30 Toilettengänge pro Tag oder sogar noch mehr, auch nachts
  • trotz heftigen Harndrangs kommen nur wenige Tröpfchen
  • starke Unterleibsschmerzen

Eine Linderung der Blasenschmerzen tritt meist nur kurz nach dem Wasserlassen auf.

Dass sich durch mehrfaches nächtliches Aufstehen Schlafmangel und Müdigkeit am Tag einstellen, ist nur natürlich. Viele Betroffene klagen zusätzlich über:

Das Fassungsvermögen der Blase ist bei der IC wesentlich geringer als normal. Schon nach wenigen Schlucken macht sich wieder ein Druck auf der Blase bemerkbar. Besonders stark sind die Beschwerden nach dem Genuss von Kaffee oder dem Verzehr von Zitrusfrüchten. Auch Stress jeglicher Art verstärkt die Symptome. Insgesamt dauern die Beschwerden oft wochen- oder monatelang an und variieren stark in ihrer Intensität.

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Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?

Da die Ärzte bei den genannten Symptomen erst einmal von einer ganz normalen Blasenentzündung ausgehen, dauert es oft sehr lange, bis die Diagnose „Interstitielle Zystitis“ gestellt wird. Zuerst müssen sämtliche anderen Erkrankungen wie Blasensteine oder Pilz-Infektionen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose auf IC fällt.

Erst wenn bei der Urinprobe keine Bakterien nachgewiesen werden können, die Hinweis auf eine herkömmliche Blasenentzündung geben, liegt eine interstitielle Zystitis nahe. Ein weiterer Faktor: Im Urin sind keine weißen Blutkörperchen.

Betroffene können zur leichteren Diagnose ein Tagebuch über ihre Schmerzen, die Häufigkeit der Toilettengänge, ihre Trinkmenge (und die Art des Getränks) sowie die Urinmenge führen (Fachbegriff: Miktionstagebuch). Verhärtet sich der Verdacht auf IC, können neben der körperlichen Untersuchung folgende Verfahren weiter Aufschluss geben:

  • Ultraschalluntersuchung des Harntraktes (Sonografie)
  • Blasendruck- und Harnstrahlmessung
  • Blasenspiegelung mit Gewebeuntersuchung
  • Röntgenaufnahme der Blase
Interstitielle Zystitis: Ein Miktionstagebuch bringt Klarheit

Interstitielle Zystitis: Ein Miktionstagebuch bringt Klarheit. (c) Colourpress

Wie wird eine interstitielle Zystitis behandelt?

Kleiner Dämpfer für Betroffene: Eine Heilung der interstitiellen Zystitis ist derzeit noch nicht möglich. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Symptome erträglich zu machen und ein Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten:

  • Schmerzmittel lindern die Unterbauchschmerzen.
  • Auch mit Verfahren wie der sogenannten transkutanen elektrischen Nervenstimulation  (TENS) kann eine Entspannung der Beckenmuskulatur und damit eine Schmerzlinderung erzielt werden. Durch die Reizstromtherapie werden die Nerven derart stimuliert, dass sie den Schmerz nicht mehr oder zumindest weniger intensiv an das Gehirn transportieren.
  • Spülungen der Blase bewirken, dass die Schleimhaut zum Schutz der Blase wieder aufgebaut wird.
  • spezielle Medikamente können den Harndrang mindern (entweder oral – also über den Mund – eingenommen, oder über einen Katheder direkt in die Blase eingebracht).
  • Lasertherapie der entzündeten Blasenschleimhaut
  • In sehr schweren Fällen wird eine Operation notwendig, bei der die Blase erweitert wird. Ziel ist es dabei, das Fassungsvermögen der Blase zu vergrößern.

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Was Betroffene in jedem Fall tun sollten:

  • ein Blasentraining, bei dem die Kontrolle über die Blasenentleerung geübt wird
  • viel trinken, damit Blase und Harnleiter gut durchgespült werden und Keime keine Chance haben, sich anzusammeln
  • Nahrungsmittel meiden, die die Blase zusätzlich reizen (koffeinhaltige Getränke, Säurehaltiges wie Zitrusfrüchte oder Weißwein)
  • Nikotin meiden
  • nicht zu lange in der Kälte ausharren

Auch Akupunktur oder Autogenes Training können die Beschwerden abschwächen. Spezielle Kräutermischungen aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin versprechen ebenfalls eine Linderung der Symptome.