Nieren & Harnwege

Risikofaktor Harnsäure: Wie kann ich meine Werte senken?

Zu viel Harnsäure im Blut kann Gicht verursachen. Auch Herz-Kreislauf-Probleme können bei erhöhten Harnsäurewerten auftreten. Wir verraten, woher die Harnsäure im Blut kommt und wie Sie Ihre Werte senken können.

Millionen Deutsche haben zu hohe Harnsäurewerte. Viele fragen sich, wie sie ihre Werte senken können. Denn ein Gichtanfall als unmittelbare Folge der hohen Werte ist äußerst schmerzhaft. Und Gicht (Fachwort Arthritis urica) kann chronisch werden. Gicht zählt zu den häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen (Arthritis) in den Industrieländern.

>Alle Fakten zu Gicht

Wie kommt die Harnsäure ins Blut?

Jeder von uns hat Harnsäure im Blut. Harnsäure entsteht, wenn wir die durch die Nahrung aufgenommenen Purine verstoffwechseln. Harnsäure ist also das Endprodukt beim Abbau von Purinbasen. Aus 1 Milligramm Purine bildet unser Körper etwa 2,4 Milligramm Harnsäure.

Was sind Purine?

Purine sind normale Bestandteile vieler Lebensmittel. Außerdem bildet unser Körper selbst Purine. Denn diese benötigt er für den Aufbau der Zellen. Purine sind also ein ganz natürliches Produkt unseres Zellstoffwechsels. Sie stecken in jeder Zelle unseres Körpers.

Wie entstehen zu hohe Harnsäurewerte?

Häufigster Grund für einen zu hohen Harnsäurespiegel ist eine purinhaltige Ernährung. Denn die beim Essen aufgenommenen Purine werden normalerweise von unserem Körper in Harnsäure (=Urin) umgewandelt und mit dem Urin ausgeschieden. Doch einige Menschen – vor allem Männer – geben zu wenig Harnsäure ab. Ursache dafür ist eine alters- oder genetisch bedingte Stoffwechselstörung. Frauen trifft es meist erst im Alter von 60 plus.

Die schmerzhafte Folge: Die Harnsäure sammelt sich im Blut an und bildet dort Uratkristalle. Lagern sich die Harnsäurekristalle in den Gelenken und/oder dem Gewebe ab, kann das extreme Schmerzen verursachen und einen Gichtanfall auslösen. Denn die Uratkristalle reizen die Gelenkhaut, die sich dann entzündet. Sogar in den inneren Organen wie beispielsweise den Nieren können sich Uratkristalle ablagern. Je höher der Harnsäurespiegel ist, desto höher ist das Risiko, einen Gichtanfall zu bekommen.

>Wie kann ich meinen Stoffwechsel anregen?

Welche Harnsäurewerte sind normal?

Werden über die Nahrung zu viele Purine aufgenommen beziehungsweise zu wenig Harnsäure ausgeschieden, steigt der Harnsäurespiegel an. Die normalen Harnsäurewerte im Blut bewegen sich bei gesunden Menschen zwischen 3,0 und 6,0 Milligramm pro 100 Milliliter. Normalerweise befinden sich die im Körper neu gebildete Harnsäure und die durch die Nieren ausgeschiedene Harnsäure im Gleichgewicht.

Liegen die Werte darüber, kristallisiert sich die Harnsäure im Blut. Der Grenzwert liegt bei etwa 6,5 Milligramm pro 100 Milliliter. Gemessen werden die Harnsäurewerte mit Hilfe einer Laboruntersuchung des Blutes. Bei einem erhöhten Harnsäurewert sprechen Ärzte von einer Hyperurikämie. Erhöhte Harnsäure kann Gicht auslösen.

>Das Blutbild: Die wichtigsten Laborwerte richtig deuten.

Äpfel und Orangen.

Orangen und Äpfel sind purinreiche Lebensmittel. (c) Colourbox

Welche Lebensmittel sind besonders purinhaltig?

Folgende Nahrungsmittel enthalten besonders viele Purine:

  • Innereien
  • Wurst
  • rotes Fleisch
  • Sprotten, Muscheln und Krebse
  • die Haut von Geflügel oder Fisch
  • Sojaprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Äpfel, Orangen
  • Bier

Wenn Sie dem Link folgen, finden Sie Empfehlungen zu purinarmen Lebensmitteln und eine Purintabelle.

>Fleischersatz: Wie gesund ist Veggie-Wurst?

Wie kann ich meine Harnsäurewerte senken?

Gicht ist eine schwere Erkrankung. Die Behandlung eines Gichtpatienten gehört immer in die Hände eines Facharztes. Dieser verschreibt Ihnen die passenden Medikamente. Bekannte Wirkstoffe, die die Produktion von Harnstoff hemmen, sind zum Beispiel Allopurinol oder Febuxostat. Doch Sie können auch selbst etwas tun, um den erhöhten Harnsäurewerten und damit dem Fortschreiten der Gicht entgegenzuwirken:

  • Eine möglichst ausgewogene, purinarme Ernährung bringt Ihre Harnsäurewerte wieder ins Lot. Am besten, Sie schränken die Menge der mit der Nahrung aufgenommenen Purine stark ein. Saure Nierchen, Leber oder Bier sind von jetzt an Tabu!
  • Lassen Sie die Finger weg von fruktosehaltigen (fruchtzuckerhaltigen) Lebensmitteln. Diese gelten als Gichtförderer. Dazu zählen Fruchtjoghurts, Softdrinks, Eis, Multivitaminsäfte oder Müsliriegel.
  • Ärzte empfehlen eine eiweißarme Ernährung. Das heißt, von nun an kommen weniger Fleisch, Wurstwaren, Innereien, Meeresfrüchte und fetter Fisch auf den Tisch.
  • Entwarnung geben die Fachleute inzwischen bei Spargel oder Hülsenfrüchten – aber nur bei maßvollem Konsum.
  • Zu empfehlen sind außerdem fettreduzierte Milch und Milchprodukte. Bereits ein Viertel Liter Milch soll das Ausscheiden von Harnsäure fördern.
  • Gut für die Harnsäurewerte sind laut Patientenleitlinien Pfirsiche, Honigmelonen, Kirschen, Gemüse, Salate, Oliven- und Rapsöl sowie Nüsse.
  • Wer seinen Harnsäurewert senken will, sollte mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Und zwar Mineralwasser, Saftschorle oder Kräutertee. Auch zwei Tassen Kaffee am Tag helfen Ihnen dabei, überschüssige Harnsäure auszuscheiden.
  • Wer zusätzlich überflüssige Pfunde abbaut, reduziert gleichzeitig seinen erhöhten Harnsäurespiegel. Aber bitte nicht mit einer zu strengen Diät, denn diese hat den gegenteiligen Effekt.
  • Wenn Sie sich jetzt noch mehr an der frischen Luft bewegen, sind Sie auf dem richtigen Weg. Denn jeder Schritt senkt Ihren Harnsäurespiegel.

Quellen