Harnwegsinfektion: Wenn's mal wieder brennt

Nieren & Harnwege

Harnwegsinfektion: Wenn’s mal wieder brennt

Ständig auf der Suche nach der nächsten Toilette – vor allem Frauen kennen das Problem Harnwegsinfektion besser, als ihnen lieb ist. Wenn es brennt und sticht und die lästige Entzündung zum beharrlichen Begleiter wird, helfen die richtige Therapie und viel Vorsorge.

Drückt die Blase unentwegt, liegt das oft an einer Entzündung der ableitenden Harnwege (Harnröhre, Harnblase, Harnleiter), ausgelöst von Bakterien, allen voran von Darmbakterien. Eine Harnwegsinfektion kann symptom- und harmlos ablaufen, sich aber genauso gut auf die Nieren und Blutbahnen ausweiten. Unterschieden wird zwischen der unteren Harnwegsinfektion, einer Entzündung der Harnröhre bzw. Blase und der oberen, einer Entzündung des Nierenbeckens. Je nachdem, welche Harnwege also von Keimen befallen sind, kann die Infektion zu Harnröhren-, Blasen– und Harnleiterentzündung führen.

Betroffen sind vor allem Frauen – das hat ganz einfach anatomische Gründe. Der Weg durch die relativ kurze Harnröhre der Frau, ist für Bakterien leicht zu meistern. Wenngleich die Harnwegsinfektion in der Jugend ein fast ausschließlich weibliches Problem darstellt, trifft sie im Alter auch Männer. Ab dem 65. Lebensjahr erkranken beide Geschlechter sogar gleich häufig. Bei den Männern lässt sich die Störung des Harnabflusses oftmals auf eine vergrößerte Prostata zurückführen.

Woher kommt die Harnwegsinfektion?

Es gibt viele Gründe, warum sich Keime in den Harnwegen breitmachen. Ein großes Risiko birgt der nicht richtig therapierte und auskurierte letzte Harnwegsinfekt. Die Bakterien können aber auch beim Geschlechtsverkehr in die Harnröhre gelangen. Diese Form der Übertragung wird oft „Honeymoon Zystitis“ (Flitterwochen-Blasenentzündung) genannt, weil davon häufig junge und sexuell sehr aktive Frauen betroffen sind. Während einer Schwangerschaft weiten sich die Harnwege und das Risiko nimmt zu. Während der Wechseljahre begünstigt ein Östrogenmangel das Wachstum der Keime. Auch ein geschwächtes Immunsystem, ausgelöst von Stress, wenig Schlaf, Erkrankungen oder durch einen ungesunden Lebensstil, kann Keimen als Nährboden dienen.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Gicht
  • Harnsteine
  • Katheter und Harnleiterschienen
  • Unterkühlungen

Symptome einer Harnwegsinfektion

Wer unter einer Harnwegsinfektion leidet, den drängt es immerzu auf die Toilette. Als wäre das für sich allein genommen nicht schon nervig genug, wird das Wasserlassen von Brennen und Stechen begleitet. Dazu kommen Schmerzen und Krämpfe in der Unterbauchregion und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Der Urin kann sich blutig verfärben. Spätestens, wenn die Beschwerden mit hohem Fieber einhergehen, ist der Gang zum Arzt Pflicht. Denn die Entzündung kann auf Nieren oder Prostata übergreifen – und zum Beispiel eine Nierenbeckenentzündung auslösen.

Harnwegsinfektion behandeln

Ärzte unterscheiden komplizierte, unkomplizierte und symptomlose Harnwegsinfekte. Unkompliziert heißt, dass die Harnwege anatomisch und gesundheitlich unauffällig und allein durch die Bakterien gestört sind. Von einer komplizierten Harnwegsinfektion sprechen Fachleute hingegen, wenn aufgrund bestimmter Risikofaktoren (zum Beispiel einer Harnröhrenverengung) ein schwerer Verlauf auftreten kann.

Daneben gibt es Harnwegsinfektionen, die ohne Beschwerden ablaufen und eher zufällig bei Routineuntersuchungen des Urins entdeckt werden. Bei dem symptomlosen Bakterienbefall kann in der Regel auf eine Behandlung verzichtet werden, weil die Übeltäter häufig von selber wieder verschwinden.

Die komplizierte und unkomplizierte Harnwegsinfektion muss medizinisch behandelt werden. Der Arzt stellt die Diagnose oftmals allein aufgrund der Beschwerden oder mittels eines Urinteststreifens. Betroffene Männer sollten in jedem Fall einen Facharzt aufsuchen: Da Entzündungen der Harnwege bei ihnen sehr selten vorkommen, müssen die Ursachen abgeklärt werden.

Die Art der Therapie hängt von der Ursache ab. Ein Harnwegsinfekt kann von selbst ausheilen. Tut er das nicht, hilft der Arztbesuch, um das Warum zu klären und den Infekt konsequent zu therapieren. Häufig wird mit Antibiotika gegen die Bakterien vorgegangen, sowohl bei der unkomplizierten als auch bei der komplizierten Harnwegsinfektion.

>Hausmittel bei Blasenentzündung

Detail: Frau hält ein Glas Wasser

Trinken hilft: Wasser spült die Bakterien aus und senkt das Infektionsrisiko. (c) Colourbox

Warum immer ich?

Glücklich sind die, die es nur einmal im Leben erwischt. Oftmals plagen Harnwegsinfekte jedoch immer wieder. Das kann an der falschen oder keiner Therapie der vorhergehenden Infektion liegen. Oder aber an Risikofaktoren, die sich mal mehr mal weniger einfach vermeiden lassen.

Leiden Sie häufig an einer Infektion der Harnwege, dann …

  • sind Sie wahrscheinlich eine Frau.
  • trinken Sie zu wenig? Regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme durchspült die Blase und verhindert, dass sich Bakterien festsetzen.
  • gehen Sie zu selten zur Toilette? Das zeitnahe Entleeren der Blase erschwert es Keimen, sich einzunisten. Tipp: Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr beugt ebenfalls vor.
  • benutzen Sie Spermizide (Gels, Cremes, Sprays) oder ein Diaphragma? Mechanische Verhütungsmittel können den Bakterienbefall fördern.
  • benutzen Sie Intimsprays? Die schaden der natürlichen Scheidenflora – und machen anfällig für äußere Einflüsse.
  • achten Sie nicht genügend auf die richtige WC-Hygiene? Von vorne nach hinten säubern, verringert das Risiko einer Infektion mit Darmbakterien. Waschlappen, Handtücher und Unterwäsche sollten täglich gewechselt und bei 60 Grad gewaschen werden.
  • sind Sie zu sommerlich gekleidet? In der kalten Jahreszeit warm anziehen und das Sitzen auf nackten Böden, Treppen oder Bänken vermeiden. Kälte kann das Immunsystem schwächen und den Weg für Erreger ebnen.