Alternativmedizin & Naturheilkunde

Cranberry – Zweifel an der Heilkraft

Die Cranberry galt lange Zeit als das natürliche Heilmittel gegen Blasenentzündung. Doch mittlerweile haben Studien Zweifel an ihrer Wirksamkeit geschürt.

Sie ist klein, rund und knallrot: Cranberry lautet der englische Name der auch in Europa beheimateten Großfrüchtigen Moosbeere (Vaccinium macrocarpon), auch Kranbeere oder Kranichbeere genannt. Verwandt ist sie mit unserer Heidel– und auch der Preiselbeere. Vermutlich kennen Sie die Cranberry als Beilage zu den typisch amerikanischen Thanksgivings-Essen. Mittlerweile hat sie das zweifelhafte Etikett „Superfood“ erhalten. In der Naturmedizin haftet ihr der Ruf an, Harnwegsinfekte, vor allem Blasenentzündung von Frauen heilen zu können. Doch die Studienlage zur medizinischen Wirkung der Früchte ist zweifelhaft.

Welche Nährstoffe liefert Ihnen die Cranberry?

Wie die meisten Beerensorten versorgt Sie die Cranbeere mit reichlich Vitaminen und Mineralstoffen. Dazu gehören:

Diese medizinischen Wirkungen können Sie von der Cranberry erwarten

Wie so häufig, wenn es um den gesundheitlichen Nutzen von Pflanzen geht, ist nicht klar, welche der Inhaltsstoffe heilsam wirken. Forscher vermuten, dass es bei der Cranberry die sogenannten Proanthocyanidine (PACs) sind. Sie sollen verhindern können, dass sich die Keime in den Harnwegen festsetzen. Die Krankheitserreger werden mit dem Harn ausgeschwemmt und kommen erst gar nicht dazu, eine Entzündung auszulösen. Gegen folgende Leiden wurde die Kranbeere mit mehr oder weniger großem Erfolg eingesetzt:

  • Blasenentzündung: Zystitis hat die Tendenz, immer wiederzukehren. Tritt sie erstmals auf oder ist mit Fieber und Blut im Urin verbunden, behandelt der Arzt Sie mit Antibiotika. Wenn Sie diese Medikamente öfter anwenden, bringt das erhebliche Nachteile. Frühere Studien zeigten, dass alternativ Cranberrysaft die Heilung einer wiederkehrenden Zystitis beschleunigen konnte. Deshalb rieten Ärzte, vorbeugend und im Akutfall regelmäßig davon zu trinken, oder verordneten Kapseln mit Cranberry-Inhaltsstoffen. Mittlerweile haben aktuellere Studien Zweifel am Effekt von Cranberrys auf eine Blasenentzündung geweckt.
    Auch Ärzteverbände sind uneinig über den Nutzen der Cranberries für die Behandlung von Blasenentzündungen: Die deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin weist auf sie hin als traditionelles Mittel der Naturheilkunde. Sie erwähnt aber auch, dass der wissenschaftliche Beweis ihres Nutzens fehlt. Die europäische Urologengesellschaft beschreibt Cranberries als Mittel zur Vorbeugung, bezeichnet sie aber den Antibiotika unterlegen.
    Was nun? Probieren Sie am besten selbst aus, ob Sie von einer Behandlung mit Cranberry profitieren. Bei einer akuten Zystitis, sollten Sie aber auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Die Studienlage klingt positiver in Bezug auf die vorbeugende Wirkung von Cranberrysaft. Sollten Sie also immer wieder Blasenentzündungen plagen, dann könnte es Ihnen helfen, regelmäßig davon zu trinken.

>Blasenentzündung vorbeugen

>Blasenentzündung behandeln

>Blasenentzündung in den Wechseljahren

  • Karies: Studien gaben Hinweise darauf, dass aus der Kranbeere isolierte Inhaltsstoffe entzündliche Prozesse in der Mundhöhle und Karies aufhalten konnten. Es ist aber nicht ratsam, größere Mengen zuckerhaltigen Saft regelmäßig zu trinken, der Zahnprobleme eher fördern würde.

    Kariesprophylaxe

    Cranberries können vor Karies schützen. (c) colourbox.de

  • Gutartige Prostatavergrößerung: Einzelne kleinere Studien haben gezeigt, dass die Moosbeere Männern mit gutartig vergrößerter Prostata helfen konnte. Sie hatten weniger Probleme mit dem Wasserlassen.
  • Arteriosklerose: Studien gaben keine Hinweise darauf, dass die Beeren die Fließfähigkeit des Bluts verbessern konnten.
  • Erkältungen und Grippe: Täglich Cranberrysaft zu trinken half Probanden nicht vorbeugend gegen Erkältung oder Grippe. Die Behandlung linderte aber ihre Symptome.

>Die besten Heilpflanzen gegen Erkältung

Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen könnten Ihnen drohen?

Die Früchte, ihr Saft und Kapseln mit dem Extrakt sind harmlos. Wenn Sie größere Mengen konsumieren, könnte das allerdings zu Magenschmerzen oder Durchfall führen.

Wenn Sie regelmäßig Blutverdünner, Antibiotika, Acetylsalicylsäure, Statine, Antazide, Protonenpumpenhemmer oder Medikamente für die Leber nutzen, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen, wenn Sie Cranberry einnehmen wollen.