Magen & Darm

Helicobacter pylori: Gefährliches Bakterium in unserem Magen?

Jeder zweite Erwachsene trägt das Magen-Bakterium Helicobacter pylori in sich. Dabei wird es kontrovers diskutiert: Ist es harmlos oder doch für etliche Magenerkrankungen vom Magengeschwür bis Magenkrebs verantwortlich? In diesem Artikel nehmen wir den Helicobacter pylori für Sie unter die Lupe.

Helicobacter pylori (auch: H.pylori) ist ein spiralförmiges Bakterium, das auch in sehr saurem Milieu überleben kann und sich deshalb gerne in der Magenschleimhaut einnistet. Eine Besiedlung mit dem Bakterium wird in einen direkten Zusammenhang mit einer chronischen Gastritis (Magenschleimhautentzündung) gestellt. Daraus kann sich ein Magengeschwür oder Tumor entwickeln.

Auf der anderen Seite beherbergt weltweit eine Vielzahl an Menschen den Magenkeim, in Deutschland etwa jeder Zweite über 50 – und häufig verursacht dieser keinerlei Beschwerden. Bei 10 bis 20 % der Träger von Helicobacter pylori entwickelt sich später daraus ein Magengeschwür.

Typische Symptome einer Besiedlung durch Helicobacter pylori

Die Symptome, die offiziell für einen Befall mit dem Keim sprechen, decken sich weitestgehend mit denen einer Magenschleimhautentzündung. Es kommt üblicherweise zu diesen akuten Symptomen:

  • Magenschmerzen
  • Sodbrennen
  • Schmerzen im Oberbauch und im Magen-Darm-Trakt
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen.

Eine chronische Besiedelung mit dem Bakterium ist häufig symptomlos.

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Diagnose: Nachweis von Helicobacter pylori

Um festzustellen, ob Sie von dem Keim befallen sind, haben Sie die Möglichkeit eines Atemtests, einer Magenspiegelung oder die einer Gewebeprobe.

Stuhlprobe

Da sich der Keim im Verdauungstrakt befindet, ist er auch in einer Stuhlprobe nachweisbar.

Harnstoff-Atemtest

Vor der Untersuchung nimmt der Patient ein Präparat aus Harnstoff mit markierten Kohlenstoffisotopen ein. Da das Bakterium Helicobacter pylori das Enzym Urease bildet und dieses Enzym den Harnstoff spaltet, lässt sich dieser Harnstoff in der Atemluft nachweisen.

Blutuntersuchung

Nach einer Infektion mit dem Bakterium, bildet das Immunsystem Antikörper gegen Helicobacter pylori. Diese lassen sich im Blut feststellen.

Magenspiegelung

Bei einer Magenspiegelung kann der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) der Magenschleimhaut entnehmen und das Bakterium nachweisen.

Übertragung von Helicobacter pylori

Helicobacter pylori gelangt über den Mund in den Magen und nistet sich dort in die Magenschleimhaut ein. Der Keim kann von Mund zu Mund übertragen werden (z.B. beim Küssen) oder fäkal-oral (z.B. durch verunreinigtes Trinkwasser oder schlechte Hygiene).

Magengeschwür

Helicobacter pylori kann ein Magengeschwür zur Folge haben. (c) bilderzwerg / Fotolia

Mögliche Folgeerkrankungen

Helicobcter pylori soll die Entstehung zahlreicher Magenerkrankungen begünstigen.

Gastritis

Das Bakterium produziert ein Enzym namens Urease, welches wiederum die Produktion von Magensäure ankurbelt. Eine chronische Gastritis geht immer mit einem Übermaß an Magensäure einher und tritt in etwa 80 % der Fälle infolge eines Bakterienbefalls auf. Bei den meisten Patienten mit chronischer Magenschleimhautentzündung kann das Bakterium Helicobacter pylori nachgewiesen werden.

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Magengeschwür

Bei einem Magengeschwür handelt es sich um eine tiefe Verletzung der Magenschleimhaut, zu dem es infolge einer Gastritis kommen kann. Bei etwa 75 % der Patienten mit einem Magengeschwür lässt sich ein Helicobacter pylori nachweisen.

Zwölffingerdarmgeschwür

Ein Helicobacter pylori lässt sich bei 99 % der Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür nachweisen. Auch die Ursachen eines solchen sind in der Regel die eines Überschusses an Magensäure.

Magenkarzinom

Da eine Besiedlung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori diese verändern kann, ist laut Statistik bei einem Befall die Wahrscheinlichkeit, an Magenkrebs zu erkranken, erhöht.

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Helicobacter pylori – der Feind in unserem Magen?

All diese Statistiken lassen den Schluss zu, dass der Helicobacter pylori die Ursache vieler Übel ist und daher schnellstmöglich eliminiert werden sollte. Letzteres gestaltet sich schwierig, nicht zuletzt wegen der Fähigkeit des Keims, sich regelrecht in die Magenschleimhaut einzunisten und dort auch bei sehr sauren Bedingungen zu überleben.

Um ihm den Garaus zu machen, werden zwei verschiedene Antibiotika in Kombinationen mit sogenannten Protonenpumpenhemmern eingesetzt, die die Produktion der Magensäure verringern. Bei nicht wenigen Betroffenen versagt die Therapie jedoch oder es kommt zu einer direkten Neuinfektion, da das Bakterium sich offensichtlich auch im Mundraum, beispielsweise im Zahnbelag ansiedeln kann.

Und dann gibt es immer noch diejenigen, die mit Helicobacter pylori infiziert sind, jedoch keinerlei Symptome oder Magenprobleme haben.

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Müssen wir umdenken?

Dass Helicobacter pylori wirklich der einzige Übeltäter ist, wenn wir von Gastritis, Magengeschwüren und -krebs sprechen, scheint unwahrscheinlich. Es muss noch andere Ursachen geben oder zumindest Faktoren, die dazu führen, dass die Besiedlung bei manchen Menschen überhandnimmt und ab einem bestimmten Punkt zu Beschwerden führt.

Und auch hier lohnt es sich, bei der übermäßigen Produktion von Magensäure anzusetzen. Welches sind die Ursachen für diese?

In den meisten Fällen spielen Faktoren wie Stress, Schlafentzug, Alkohol, Nikotin und Mangelernährung eine tragende Rolle. Ebenso soll es Nahrungsmittel geben, die den Keim im Schach zu halten wissen. Dazu zählt vor allem pflanzliche Kost aus viel frischem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn-Getreide.

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