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Alternativmedizin & Naturheilkunde

Holunder: Heilpflanze mit Verwechslungsgefahr

In Süddeutschland wächst Holunder an jedem Bauernhof. Der Strauch soll das Haus vor bösen Geistern schützen. Blüten und Beeren haben wegen ihrer gesunden Inhaltsstoffe einen festen Platz in Küche und Hausapotheke.

Es hat lange Tradition, den Holunder, botanisch Sambucus nigra, in Hausnähe zu pflanzen. Schon die Griechen, Römer und Germanen glaubten, dass im Schwarzen Holunder gute Geister wohnten. Sie sollten das Haus und die Bewohner vor Feuer, Blitzschlag und Dämonen schützen. Wer einen Holler fällte oder Äste abbrach, dem drohten Unglück oder gar der Tod. Der Holunder sollte aber nicht nur böse Geister abhalten.

Er sorgte mit seinen Blättern, Blüten und Früchten auch für das leibliche Wohl. Früher ernteten Familien mehrfach pro Jahr von dem Strauch. Wenn Sie den Holunder für Ihren Speiseplan oder die Hausapotheke nutzen wollen, dann pflücken Sie im April die jungen Blätter. Danach ernten Sie im Frühsommer die schneeweißen Blüten und im September die dunklen Beeren.

So erkennen Sie den echten Schwarzen Holunder

Zur Gattung Holunder gehören auch ein paar giftige Vertreter. Den echten Schwarzen Holunder erkennen Sie an folgenden Merkmalen:

  • Der Strauch erreicht eine Höhe von drei bis fünf Metern und hat gebogene Zweige.
  • Die Blätter sind oval mit gesägtem Rand.
  • Je zwei Blätter liegen einander gegenüber, ein Blatt an der Spitze.
  • Viele kleine rahmweiße Blüten in Dolden ab Mai bis Ende Juni.
  • Kleine violett-schwarze Beeren in Dolden ab August bis Mitte September

Die Heilwirkung von Holunderblüten und Holunderbeeren

Schon die amerikanischen Ureinwohner nutzten Holunderblütentee wegen seiner schweißtreibenden Wirkung für ihre Schwitzhüttenzeremonie. Gemäß der traditionellen Naturmedizin können Sie die Blüten und Beeren des Hollerstrauchs als Tees und Saft vor allem einsetzen gegen

Die gesunden Inhaltsstoffe des Holunders

Der Holler enthält

  • reichlich die Vitamine C, A und B,
  • Kalium und Phosphor,
  • Fruchtsäuren,
  • ätherische Öle,
  • Antioxidantien, darunter Flavonoide, vor allem Rutin und Hyperosid, und die farbgebenden Anthocyanidine (Sambucin, Sambicyanin, Chrysanthemin).

Diese Antioxidantien können Ihre Zellen vor freien Radikalen schützen und den Alterungsprozess verlangsamen.

So gesund die Inhaltsstoffe der Beeren auch sind, Sie sollten sie trotzdem nicht im rohen Zustand essen. Denn sie enthalten das Gift Sambunigrin, ein cyanogenes Glycosid, das Blausäure abspaltet. Es kann Magenkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen. Wenn Sie die Beeren erhitzen, geht die toxische Wirkung verloren, da Sambunigrin einfach zerfällt.

Heilpflanze Holunder

Im Hugo (gibt es auch alkoholfrei) ist Holunder sehr lecker. (c) J.Mühlbauer exclus. / Fotolia

Der Holunder in der Küche

Holundersirup, Hollerküchlein, Holunderbeersaft und -kompott gehören zu den beliebtesten Speisen aus den Blüten und Früchten.

  • Sirup: Kochen Sie die frisch geernteten Blütendolden in Zucker-Zitronensaft auf, lassen Sie sie 24 Stunden ziehen, dann abseihen und in saubere Flaschen füllen.
  • Küchlein: Schütteln Sie die frisch geernteten Blütenrispen sorgfältig ab, wenden Sie sie in Pfannkuchenteig und backen Sie sie in heißem Fett heraus.
  • Saft: Kochen Sie die Beeren mit Zucker auf, filtern Sie die Kerne heraus und füllen die tief dunkelrote Flüssigkeit in Flaschen ab. Mit Wasser verdünnt trinken.
  • Kompott: Verkochen Sie die Beeren mit Äpfeln, Quitten und Ingwer. Essen Sie das Kompott am besten zu Pfannkuchen oder Kartoffelpuffern.

Verwechslungsgefahr: Giftigen Holunder erkennen

Der Sambucus nigra hat einen giftigen kleineren Bruder, den Zwergholunder oder Attich (Sambucus ebulus). Der Attich ist komplett giftig, speziell aber die Samenkerne. Hüten Sie sich, die Beeren zu essen. Spontanes Erbrechen, starke Übelkeit und Durchfall wären die Folge. Es gab auch schon tödliche Vergiftungen. So erkennen Sie ihn:

  • Der Attich ist eine krautige Pflanze, die senkrecht nach oben wächst und höchstens 1 Meter 50 Höhe erreicht.
  • Die Blätter des Attichs sind länglicher als die des schwarzen Holunders.
  • Die Beeren sehen ähnlich aus. Die des Attichs stehen sehr dicht und wachsen nach oben. Sie haben meist auf der Oberseite eine kleine Delle und färben außerdem blau. Die Beeren des Schwarzen Holunders wachsen hängend und viel weiter auseinander, sie färben zudem eher braun-violett.
  • Den Attich erkennen Sie an seinem Geruch. Seine Blüten verströmen ein unangenehm bitteres Aroma, die zerriebenen Blätter stinken.