Kopf & Psyche

Klaustrophobie: Die Angst vor engen Räumen

Den Begriff Klaustrophobie haben viele schon einmal gehört. Aber was ist das genau? Erfahren Sie hier, was eine Klaustrophobie auszeichnet, welche Symptome sie zeigt und wie sie behandelt werden kann.

Die psychische Erkrankung Klaustrophobie ist vielen Menschen bekannt und doch auch wieder nicht, denn Genaueres wissen nur die wenigsten. Im Folgendem erfahren Sie alle wichtigen Fakten zur Klaustrophobie.

Was ist eine Klaustrophobie?

Generell zeichnen sich Phobien dadurch aus, dass starke Angst in einer bestimmten Situation oder bei einem spezifischen Objekt auftritt, die eigentlich ungefährlich ist. Bei einer Klaustrophobie ist es die Angst vor engen oder geschlossenen Räumen. Oft ist dem Betroffenen bewusst, dass die starke Angstreaktion irrational ist. Trotzdem ist er machtlos und kann nichts dagegen tun. Typische Orte, die die Angstreaktion auslösen können, sind öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Züge, aber auch kleine Räume, Toiletten, Flugzeuge und MRT-Röhren.

Experten schätzen, dass etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung von einer Klaustrophobie betroffen sind. So ist die Erkrankung keine Seltenheit und es ist auch nicht verwunderlich, dass viele Menschen schon einmal von ihr gehört haben. Die meisten bezeichnen Klaustrophobie umgangssprachlich als Platzangst. Das ist aber falsch. Platzangst beschreibt die Angst vor weiten, offenen Plätzen. Also das Gegenteil von Klaustrophobie. Der richtige Begriff wäre vielmehr Raumangst.

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Symptome einer Klaustrophobie

Das Leitsymptom einer Klaustrophobie ist ein starkes Angstgefühl in geschlossenen oder engen, gedrängten Räumen. Angst, nicht flüchten zu können, Angst zu ersticken oder Angst verrückt zu werden, sind nur einige Beispiele. Die Angst äußert sich akut in Form von Unbehagen bis hin zu einer Panikattacke mit körperlichen Symptomen wie Schwitzen, Herzrasen, beschleunigter Atmung, Zittern und eventueller Ohnmacht.

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Meistens kennen Betroffene ihre Angst, was zu einem Vermeidungsverhalten führt: Die angstauslösende Situation wird bewusst gemieden, um einer Angstattacke zu entgehen. Häufig schränkt das Menschen mit Klaustrophobie in ihrem Alltag stark ein. Ein Kinobesuch oder das Fliegen mit einem Flugzeug ist für sie unmöglich. Die Folgen können Abschottung, Isolation und Einsamkeit sein.

Mögliche Ursachen

Es ist nicht klar, was genau eine Klaustrophobie auslöst. Vielmehr gibt es wohl eine Reihe von Aspekten, die eine Erkrankung beeinflussen und wahrscheinlicher machen können. Dazu zählen:

  • Genetische Veranlagung
  • Dauerhafter Stress und Druck (generelle Belastung)
  • Traumatische Erlebnisse in engen Räumen (zum Beispiel feststecken im Aufzug als Schlüsselerlebnis)
  • Erziehung in der Kindheit
  • Erkrankungen

Auch wenn diese Punkte das Entstehen einer Klaustrophobie fördern können, so müssen sie doch nicht automatisch der Auslöser dafür sein. Es sollte in jedem Einzelfall individuell betrachtet werden, woher die Klaustrophobie kommen könnte.

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Mann der bei Psychologin in Behandlung ist.

Psychotherapeuten können eine Klaustrophobie diagnostizieren. (c) Colourbox

Diagnose einer Klaustrophobie

Meist ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner bei starker Raumangst. Sieht er den Verdacht bestätigt, verweist er den Patienten an einen Psychotherapeuten. Dieser kann während eines ausführlichen Gesprächs und mit Hilfe von Fragebögen die einzelnen Symptome einer Klaustrophobie erfragen. Stellt er eine Klaustrophobie fest, kann er gemeinsam mit dem Patienten entscheiden, wie die Krankheit behandelt werden soll.

Therapiemöglichkeiten

Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung einer Klaustrophobie. Bei einer Verhaltenstherapie wird gemeinsam mit einem Psychotherapeuten das eigene Verhalten, die Situation und auch mögliche Ursachen analysiert. Wichtig ist hierbei, dass der Patient seine Angst erkennt.

Häufig wird auch mit einer Konfrontationstherapie gearbeitet. Dabei muss sich der Betroffene bewusst seinen Ängsten stellen und diese überwinden. Ihm soll gezeigt werden, dass die Angst irgendwann von selbst verschwindet, auch wenn er sich der Situation nicht vorzeitig entzieht (zum Beispiel, wenn er den Raum verlässt). Oft wird eine Kombination der beiden Therapien eingesetzt. Eine medikamentöse Behandlung ist meist nicht nötig. Nur selten verschreiben Therapeuten Antidepressiva und Beruhigungsmittel.

Zusätzlich kann es Menschen mit Klaustrophobie helfen, spezielle Entspannungstechniken zu erlernen. Atemübungen oder Progressive Muskelentspannung können den Betroffenen in der angstauslösenden Situation beruhigen und entspannen.

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Heilungschancen bei Klaustrophobie

Da es viele, gute Möglichkeiten zur Behandlung einer Klaustrophobie gibt, stehen auch die Heilungschancen gut. Schätzungsweise können über 70 Prozent der Menschen mit Klaustrophobie mit Hilfe einer Therapie ihre Ängste überwinden. Das heißt nicht, dass sie von einen Tag auf den anderen komplett angstfrei sind. Allerdings ist ein normales Leben meist weitestgehend wieder möglich. Es kann viele Jahre dauern, bis die Klaustrophobie vollständig bezwungen ist. Daher ist es umso wichtiger, dass sich Menschen mit Raumangst frühzeitig an einen Mediziner wenden.

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