Knochen, Muskeln & Gelenke

Knackpunkt Gelenk: Was verursacht Knieschmerzen?

Zu viel Sport, jahrelange falsche Belastung oder ein einziger ungeschickter Schritt und plötzlich schmerzt das Knie. Aber auch Erkrankungen können hinter den Beschwerden stecken. Wir machen den Ursachen-Check.

Schmerzen im Kniegelenk sind alles andere als selten – allein in Deutschland knirscht und kneift das Knie bei etwa fünf bis zehn Millionen Menschen. Die Ursachen und Symptome variieren allerdings stark. Denn es gibt viel, was dem Stützkorsett des Gelenks zusetzt und es in seiner Beweglichkeit einschränkt.

Der Dreh- und Angelpunkt

Als Scharniergelenk in der Mitte des Beins verbindet das Knie den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein. Es wird von Sehnen, Bändern und Muskeln gestützt, die der Struktur Stabilität verleihen und Beugung, Dehnung und Seitwärtsbewegungen des Beins zulassen. Das Knie ist ein komplexes Gelenk, das den Großteil des Körpergewichts trägt. Ist auch nur ein kleiner Teil des Gefüges beschädigt, sind Stabilität und Beweglichkeit in Gefahr.

Weil der Aufbau des Knies so komplex ist, sind auch die Ursachen für Knieschmerzen extrem vielfältig. All diese Bestandteile des Gelenks können ausschlaggebende Knackpunkte für Schmerzen sein:

  • Kniescheibe (Patella)
  • Bänder der Kniescheibe (Kniescheibenband)
  • Meniskus (Puffer zwischen Ober- und Unterschenkel)
  • Kreuzbänder
  • Gelenkpartner
  • Gelenkschutz: Knorpel
Die Anatomie des Knies ist hochkomplex und die Funktionalität des Gelenks von jedem einzelnen Bestandteil abhängig

Die Anatomie des Knies: Das Gelenk funktioniert nur richtig, wenn alle Bestandteile intakt sind.

Die häufigsten Gründe für Knieschmerzen

Überdurchschnittlich oft gehen Knieschmerzen auf das Konto von Sportverletzungen, von denen sich das Gelenk nie wieder richtig erholt. Vor allem dynamische Sportarten können aufs Knie gehen – Sprünge auf hartem (Hallen)Boden, ruckartige Seitwärtsdrehungen und Stauchungen gefährden das Gelenk. Fußballer, Basketballer, Handballer oder Hockeyspieler haben daher häufig mit Knieproblemen zu kämpfen.

Dennoch gilt: Ein gesundes Maß an Sport hält den ganzen Körper fit und schützt auch das Knie vor vorzeitigen Verschleißerscheinungen. Verletzungen hingegen erhöhen das Risiko für chronische Beschwerden.

In Deutschland stellt übermäßiger Gelenkverschleiß (Arthrose) einer der häufigsten Anlässe für Arztbesuche dar. Etwa fünf Millionen Deutsche leiden unter einem Kniegelenk, das nach und nach versteift, weil dessen Knorpel immer mehr schwindet.

Arthrose und Sportverletzungen sind die häufigsten Ursachen für Knieschmerzen, aber nicht die einzigen.

Überlastungen der Sehnen, Bänder oder Muskeln

Knieschmerzen entstehen, wenn das Weichgewebe im Knie überdehnt wird, sich entzündet oder reißt. Das geschieht vor allem, wenn das Bein beim Sport falsch bewegt (gedreht) wird oder nach einem Sprung zu hart auf den Boden aufkommt. Folgende Verletzungen sind typisch für Über- oder Fehlbelastungen:

  • Überdehnung oder Riss des vorderen oder (seltener) hinteren Kreuzbandes
  • Zerrung oder Riss des Außen- oder Innenbandes
  • Entzündungen infolge von Überlastungen

Symptome dafür sind:

  • Akuter Schmerz an der Innen- oder Außenseite – je nachdem, welches Band betroffen ist
  • Schmerzen bei Belastung
  • Das Gelenk fühlt sich insgesamt instabil an
  • Mitunter auch lokale Schwellungen
  • Hitzeentwicklung im Zuge von Entzündungen

Verletzungen der Kniescheibe

Bei der Kniescheibe handelt es sich um einen dreieckigen Knochen, der die Vorderseite des Knies bedeckt. Dieser Knochen kann aus seiner Position heraus und neben das Gelenk springen. Am ehesten passiert das, wenn das Knie verdreht wird, die Füße aber fest in ihrer Position bleiben.

Symptome dafür sind:

  • Knieschmerz vorne
  • Starke Schwellung
  • Unbeweglichkeit
Häufig gehen Knieschmerzen (akute und chronische) von Meniskusschäden aus

Häufig gehen Knieschmerzen (akute und chronische) von Meniskusschäden aus.

Meniskusschäden

Auf der inneren und äußeren Seite des Knies befindet sich jeweils ein scheibenförmiger Gelenkkörper aus Knorpel, der häufig Ärger macht. Seine Hauptaufgabe ist es, den Gelenkknorpel zu schützen und das Gelenk zu stützen.

Die Menisken reagieren unter anderem anfällig auf abrupte Stopp- und Drehbewegungen. Sportler sind daher besonders gefährdet, sich einen Riss an diesen Pufferelementen des Knies zuzuziehen – häufig in Kombination mit einem Bänderriss.

Symptome dafür sind:

  • Schmerzen vorne, außen oder hinten (in der Kniekehle) – abhängig von der Stelle des Risses ab
  • Schwellung des Kniegelenks
  • Schmerz besonders bei Belastung, Gehen ist aber möglich
  • Manchmal verrutschen die gerissenen Knorpelstücke auch. Anzeichen dafür sind Knackgeräusche und enorme Bewegungseinschränkungen

Schleimbeutelentzündung

Die Schleimbeutel im gesunden Knie erfüllen ebenfalls eine wichtige Polsterfunktion. Sie schützten das Gelenk bei jeder Bewegung. Bei Dauerreizung vor allem durch Druckbelastung oder infolge einer vorangehenden Verletzung können sie sich entzünden. Eine Schleimbeutelentzündung trifft meist Menschen, die berufsbedingt häufig knien wie Fliesenleger oder Gärtner beispielsweise.

Symptome dafür sind:

  • Reibendes Gefühl bei Bewegung des Gelenks
  • Druckschmerzen
  • Schwellung
  • Bluterguss
  • Überwärmung
  • Rötung

Entzündliche Gelenkerkrankungen (Arthritis)

Entzündungen schränken das Gelenk in seiner Funktionalität stark ein und können den Knorpel nachhaltig schädigen. Je nach Ursache wird in rheumatoide Arthritis, infektiöse Arthritis (ausgelöst durch Bakterien, Pilzen oder Viren) und posttraumatische Arthritis (Spätfolge eines Unfalls) unterschieden.

Symptome dafür sind: 

  • Schwellung
  • Überwärmung
  • Rötung
  • Steifigkeit des Kniegelenks am Morgen
  • Allgemeines Krankheitsgefühl

Degenerative Gelenkveränderungen (Arthrose)

Bei Arthrose verschleißt der Knorpel zwischen beiden Knochen, wodurch sie bei Bewegungen irgendwann verstärkt aufeinander reiben. Der Abbau des Knorpels gilt als typische Alterserscheinung, ist aber auch bei jungen Menschen nicht ungewöhnlich. Arthrose entsteht nämlich auch aus alten Sportverletzungen, Meniskusproblemen, Fehlstellungen oder zu starken Belastungen (beispielsweise Übergewicht) heraus.

Symptome dafür sind: 

  • Schmerzen beim Tragen schwerer Gegenstände
  • Schmerzen beim Treppensteigen
  • Steifigkeit des Kniegelenks am Morgen
  • Im Ruhezustand werden die Schmerzen schlimmer, bei Bewegung lassen sie nach

> Kniearthrose: Woher kommt sie? Und was hilft?

So Schützen Sie Ihr Knie

In Bewegung bleiben und gleichzeitig die Gelenke schonen. Kniefreundliche Sportarten sind zum Beispiel: Schwimmen, Radfahren, Joggen auf weichem Untergrund (Wiesen oder Waldboden), Skilanglauf und Eislaufen. Tragen Sie Sportschuhe mit gut dämpfender Sohle und (falls möglich) Knieschoner. Achten Sie außerdem darauf, Bewegungen richtig auszuführen, damit das Knie nicht zusätzlich belastet wird.

Leichtes Krafttraining stärkt die Beinmuskulatur und kräftigt auch das Gelenk. Vertreten Sie sich jeden Tag ein paar Minuten die Beine, wechseln Sie am Schreibtisch regelmäßig die Sitzpositionen und stehen Sie zwischendurch immer wieder auf.

Belastungen so gering wie möglich halten: Um Ihr Kniegelenk vor Verschleiß zu schützen, sollten Sie langes Stehen und Laufen oder Rennen auf harten Oberflächen vermeiden. Wenn Sie über längere Zeit knien, etwa bei der Gartenarbeit, erhöht dies ebenfalls das Risiko für Knieschmerzen. Wir empfehlen darum ein weiches Polster als Knieschutz.

Suchen Sie bei wiederkehrenden Knieschmerzen den Arzt auf und kurieren Sie jede Knieverletzung richtig aus. So können Sie Spätfolgen und erneuten Verletzungen vorbeugen.

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