Alternativmedizin & Naturheilkunde

Kolloidales Silber – das umstrittene Heilmittel

Kolloidales Silber wird immer beliebter, da es als natürliches Antibiotikum gegen Bakterien, Pilze und Viren helfen soll.

Anhänger von kolloidalem Silber schwören auf die gesundheitlichen Effekte, die es in vielen verschiedenen Bereichen haben soll. So soll es nahezu nebenwirkungsfrei eingesetzt werden und bei den unterschiedlichsten Beschwerden helfen können. Doch es gibt auch starke Kritik an dem vermeintlichen Wundermittel. Wir zeigen Ihnen, was genau dahinter steckt!

Was ist kolloidales Silber?

Kolloidales Silber besteht im Grunde aus kleinsten Silber-Nanopartikeln, die überwiegend als flüssige Dispersionen erhältlich sind. Diese Silberpartikel sollen aufgrund ihrer minimalen Größe die Eigenschaft besitzen, tief in das menschliche Gewebe vordringen und dort ihre positive Wirkung entfalten zu können.

Die Hersteller von kolloidalem Silber werben damit, dass es sich dabei um ein nebenwirkungsfreies, natürliches Antibiotikum handeln soll, das bei zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden innerlich und auch äußerlich angewendet werden und teilweise sogar innerhalb von Minuten wirken kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Keime wie Bakterien oder um Viren und Pilze handelt. Kolloidales Silber soll ein breites Spektrum an Symptomen und Beschwerden abdecken.

Angeblich soll kolloidales Silber auch die besondere Eigenschaft besitzen, dass Viren und Bakterien nicht dagegen resistent werden können wie es bei herkömmlichen Antibiotika der Fall ist. Studien und nachweisbare wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es hierzu leider nicht. Das könnte jedoch auch daran liegen, dass kolloidales Silber nicht patentierbar ist und daher zu wenig Interesse daran besteht, es weiter und vor allem tiefgreifender zu erforschen.

Bei der ppm-Zahl der erhältlichen Produkte handelt es sich um die Konzentration des enthaltenen Silbers. 25 ppm entsprechen beispielsweise 25 mg Silber pro Liter.

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Kolloidales Silber: die Anwendungsgebiete

Die ultra-feinen Silberpartikel wurden schon bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zur Bekämpfung von Infektionen und Erkältungen eingesetzt, als die nötigen Medikamente noch nicht in der Form verfügbar waren, wie sie es heute sind. Kolloidales Silber bzw. das daraus gewonnene Silberwasser wird heute bei unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen eingesetzt, darunter:

  • Erkältungen
  • Grippe
  • Mundgeruch
  • offene Wunden
  • Leberentzündung
  • Hauterkrankungen
  • Verdauungsprobleme
  • Atemwegserkrankungen
  • zur Ausleitung von Amalgam und Quecksilber

Doch kolloidales Silber wird häufig auch vorbeugend eingenommen oder aufgetragen, da es in schädliche Zellen eindringen und diese von innen zerstören soll. Auch bei der Wundheilung setzen viele Menschen auf diese noch größtenteils unerforschte Silberart. Selbst bei Haustieren wird kolloidales Silber mittlerweile eingesetzt. Neben der äußeren und inneren Anwendung kann es auch gespritzt werden. Bevor Sie kolloidales Silber jedoch selbst anwenden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber!

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Der Effekt von kolloidalem Silber ist noch nicht genügend bewiesen worden. (c) Colourbox

Kolloidales Silber und die Wissenschaft

Wie bereits erwähnt, liegen bislang keinerlei Studien vor, die belegen können, dass kolloidales Silber bei diversen Erkrankungen oder Beschwerden wirklich hilft. Da es sich bei Silber um keinen Mineralstoff handelt, sind Experten teilweise davon überzeugt, dass es im Körper keinerlei Nutzen hat und teilweise sogar schaden könnte. Denn so tief diese Silber-Nanopartikel auch in Gewebe und Organe eindringen können, dementsprechend hoch soll angeblich auch die Gefahr sein, dass sie sich dort ablagern. Doch auch hier fehlen aussagekräftige Nachweise, die dies belegen.

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Ein weiterer Risikofaktor, vor dem Mediziner warnen, ist, dass kolloidales Silber nicht unterscheiden könnte, ob es sich um nützliche oder schädliche Zellen im Körper handelt. So könnte die Anwendung von kolloidalem Silber womöglich dauerhaft mehr schaden als nutzen. Bei den Silberpartikeln, die sich beispielsweise in Verbandsmaterialien befinden, ist man sich bislang noch uneinig über den medizinischen Sinn und Zweck bei Verbrennung oder Wunden.

Kolloidales Silber: die Nebenwirkungen

Kolloidales Silber ist in vielen verschiedenen Formen erhältlich, darunter zum Beispiel Silberwasser, Cremes, Salben oder Augentropfen. Befürworter von kolloidalem Silber sind sich einig, dass die Anwendung der Produkte völlig frei von Nebenwirkungen sei. Kritiker sehen das allerdings anders. So soll es zum Beispiel bei Einnahme über einen längeren Zeitraum passieren können, dass sich die Haut blau-schwarz verfärbt – und zwar dauerhaft!

Auch in Bezug auf Geschmacks- und Geruchssinn soll sich kolloidales Silber nachteilig auswirken können. Es könne zu Krampfanfällen oder auch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Besonders Schwangere sollten auf die Anwendung von kolloidalem Silber verzichten, da Fehlbildungen am ungeborenen Kind nicht ausgeschlossen werden können.

Es gibt jedoch auch Menschen, die durch kolloidales Silber durchaus eine Verbesserung des Gesundheitszustands verzeichnen konnten. Da es hierzu keine wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, sollten Sie selbst, zusammen mit Ihrem Arzt, abwägen, ob der Einsatz von kolloidalem Silber für Sie infrage kommt.