Kopf & Psyche

Alzheimer

Wer unter Demenz leidet, ist häufig an Alzheimer erkrankt. Die Alzheimer-Krankheit sorgt vor allem dafür, dass Konzentration, Orientierung und Merkfähigkeit unwiederbringlich schlechter werden. Verursacht wird sie durch neurodegenerative Prozesse im Gehirn, deren genaue Auslöser bis heute noch nicht feststehen.

Was ist die Alzheimer-Krankheit?
Was sind die Ursachen der Erkrankung?
Was sind die Alzheimer-Symptome?
Wie erkennt der Arzt die Alzheimer-Krankheit?
Wie wird Alzheimer behandelt?
Wie kann man Alzheimer vorbeugen?
Wie gut sind die Heilungschancen?

Was ist Alzheimer?

Bei Menschen mit der Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer) gehen nach und nach die Nervenzellen und die Kontakte zwischen den Neuronen zugrunde. Im Gehirn der Alzheimer-Patienten bilden sich Eiweißablagerungen – die sogenannten Amyloid-Plaques.  Mit etwa 60 Prozent sei Alzheimer die häufigste Ursache für Demenz, berichtet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.

In Deutschland waren 2014 etwa 1,5 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Die meisten Demenzpatienten sind 85 Jahre und älter. Selten erkranken junge Menschen an einer Demenz, denn der größte Risikofaktor ist das Alter.

Mediziner sagen voraus, dass die Zahl der Demenzpatienten bis zum Jahr 2050 auf rund drei Millionen steigen wird, wenn Forscher keine durchschlagende Therapie finden. Der Grund ist die demografische Entwicklung –  die Menschen werden immer älter. Dadurch ist davon auszugehen, dass auch die Zahl der Alzheimer-Erkrankungen zunehmen wird.

Was sind die Ursachen der Erkrankung?

Die eigentliche Ursache der Krankheit liegt noch immer im Dunklen. Wissenschaftler vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Man weiß zum Beispiel darum, dass Vererbung, Alterungsprozesse und Vorerkrankungen des Gehirns sowie Umweltfaktoren auf die Erkrankung Einfluss haben.

Schon Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome nimmt die Krankheit ihren Anfang. Im Gehirn bilden sich immer mehr Eiweißablagerungen, die sich mit der Zeit zu Amyloid-Plaques zusammenballen.

Innerhalb der Nervenzellen entstehen außerdem Bündel aus veränderten Eiweißen, den Tau-Proteinen. Unklar ist bislang, ob die Eiweißablagerungen die Ursache dafür sind, dass Nervenzellen absterben, oder ob sie eine Begleiterscheinung des Zelltods sind.

Bild: colourbox.de


Die Rolle der Gene

Genetische Faktoren sind verantwortlich für ein gehäuftes Auftreten der Alzheimer-Krankheit in Familien. Bei ungefähr 30 Prozent aller Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Eine wichtige Rolle bei der späten Form von Alzheimer spielt das Apolipoprotein (ApoE). Trägt das Chromosom 19 die Variante ApoE4 , ist das Risiko, im Alter an Alzheimer zu erkranken, erhöht. Bei etwa 15 Prozent der Bevölkerung ist dies der Fall.

Manchmal reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung von Alzheimer aus. Die Patienten erkranken dann schon in jungen Jahren. Bisher sind drei Alzheimer-Gene bekannt, also drei Gene, die im Falle einer Mutation die Krankheit auslösen. Ein Bluttest kann Aufschluss geben, welche Genvariante ein Mensch in sich trägt.

Was sind die Symptome?

Bei einer Alzheimer-Erkrankung sind vor allem kognitive, also geistige Funktionen gestört:

  • Gedächtnis
  • Orientierung
  • Sprache
  • Denk- und Urteilsvermögen

Anfangs lässt meist das Kurzzeitgedächtnis nach, während länger zurückliegende Erinnerungen oft noch lange präsent sind. Neben den kognitiven Einschränkungen können auch psychoneurologische Probleme auftreten: Die Persönlichkeit – das „Ich“ eines Menschen – verändert sich. Depressionen sind bei den Patienten keine Seltenheit, wenn sie bemerken, dass die geistige Leistungsfähigkeit schwindet.

Die Symptome sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt, nehmen aber im Verlauf der Krankheit immer zu. Betroffene können ihren Alltag immer weniger alleine bewältigen und sind auf Unterstützung angewiesen – oft schon bei alltäglichen Dingen wie Zähne putzen oder Anziehen. Später können Verwirrtheit, Angst und Aggressivität auftreten. Betroffene erkennen Dinge und Personen nicht mehr wieder.

Wie erkennt der Arzt die Krankheit?

Alzheimer lässt sich mit einfachen diagnostischen Mitteln erkennen. Der medizinische Fachmann dafür ist ein Neurologe oder Psychiater. Ärzte versuchen zunächst, andere Ursachen für die kognitiven Einbußen auszuschließen.

Psychologische Tests: Der Arzt befragt Patienten und Angehörige nach Veränderungen des Verhaltens wie Stimmungsschwankungen, Veränderungen der Persönlichkeit, Rückzugstendenz oder mangelnde Rücksichtnahme gegenüber Angehörigen. Mentale Tests erheben anhand unterschiedlicher Fragen und Aufgaben die wichtigsten Hirnleistungen.

Blick ins Gehirn: Anhand verschiedener Verfahren lassen sich andere Erkrankungen als Ursache der kognitiven Einbußen ausschließen oder bestätigen. Ärzte führen beispielsweise eine Blutuntersuchung durch und überprüfen dabei die Schilddrüsenfunktion oder den Stoffwechsel. Auch eine Aufnahme des Gehirns durch Computertomografie oder Kernspintomografie liefert dem Arzt Hinweise. Bei Alzheimerpatienten zeigt sich häufig ein vermindertes Hirnvolumen im Bereich des Schläfen- und Scheitellappens.

Untersuchung des Nervenwassers (Liquorpunktion): Im Nervenwasser (Liquor) lassen sich die Eiweiße Amyloid-Protein und Tau-Protein nachweisen.

Die klinische Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist in über 80 Prozent der Fälle zutreffend. Die Sicherheit lässt sich durch die Darstellung der regionalen Hirndurchblutung oder des lokalen Hirnstoffwechsels noch erhöhen. Die Diagnostik sollte so früh wie möglich nach Auftreten der ersten Warnsignale (Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit) stattfinden. Denn eine frühzeitige Behandlung kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns länger erhalten.

Wie wird Alzheimer behandelt?

Bei der Therapie spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie können die Krankheit zwar nicht heilen, aber das Fortschreiten bremsen. Medikamente verbessern die geistige Leistungsfähigkeit, die Fähigkeit zur Alltagsbewältigung und mildern Verhaltensstörungen.

Medikamente

Folgende Arzneimittel werden zur Behandlung eingesetzt:

Cholinesterase-Hemmer: Diese Substanzen verhindern, dass Acetylcholin abgebaut wird. Dieser Botenstoff überträgt die Signale der Nervenzellen. Die Hemmer werden bei leichtgradiger und mittelschwerer Demenz eingesetzt und steigern die geistige Leistungsfähigkeit.

Glutamat-Antagonisten: Sie schützen die Nervenzellen vor einem übermäßigen Einstrom von Glutamat. Die Medikamente werden bei mittelschwerer bis schwerer Demenz angewendet.

Symptome wie Depression, Aggressivität, Sinnestäuschungen und Schlafstörungen versuchen die Ärzte, ohne Medikamente positiv zu beeinflussen, zum Beispiel durch Veränderungen des Tagesrhythmus’, Beschäftigung und körperliche Aktivität. Auch Physiotherapie und Ergotherapie können helfen.

Sind die Maßnahmen nicht erfolgreich, helfen Neuroleptika. Sie vermindern die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Gehirn und wirken dadurch beruhigend.

Nicht-medikamentöse Therapien

Folgende nicht-medikamentöse Therapien können Alzheimer-Patienten helfen:

  • Kognitives Training: spielerisches, alltagsnahes Lernen in Kombination mit körperlicher Aktivität
  • Verhaltenstherapie: größere Selbstständigkeit, Rückgewinnung von Kompetenzen
  • Erinnerungstherapie: positive Erinnerungen hervorholen, Zufriedenheit stärken
  • Selbst-Erhaltungs-Therapie: Das Erhaltenbleiben der Persönlichkeit wird angestrebt.
  • Kunsttherapie: Emotionalität und Kreativität fördern

Wie kann man Alzheimer vorbeugen?

Bislang gibt es keinen Schutz vor der Krankheit. Es gibt aber Maßnahmen, die das Risiko verringern können, daran zu erkranken. Unter anderem sind dies folgende:

  • geistige, körperliche und soziale Aktivität,
  • ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Karotin,
  • fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren und
  • die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes.

Wie gut sind die Heilungschancen?

Die Alzheimer-Krankheit ist nicht heilbar, aber durch Therapien lässt sich ihr Fortschreiten verzögern. Auch liebevolle Zuwendung und körperliche sowie mentale Aktivierung kann die Entwicklung verlangsamen. Früher oder später werden jedoch alle Betroffenen pflegebedürftig. Angehörige können sich in speziellen Schulungen oder Selbsthilfegruppen Rat und Hilfe suchen.