Gesundheit kompakt

Berührungsangst

Die körperliche Nähe zu vertrauten, lieben Menschen fühlt sich für den Großteil der Menschen gut an. Sie können liebevolle Berührungen genießen oder freuen sich über einen anerkennenden Schulterklopfer. Für Menschen mit Berührungsangst ist all das die reinste Qual, aus der es jedoch einen Ausweg gibt.

Was ist Berührungsangst?
Was sind die Ursachen von Berührungsangst?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt Berührungsangst?
Wie wird Berührungsangst behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist Berührungsangst?

Laut Definition ist Berührungsangst die Angst vor Körperkontakt, Berührungen und Umarmungen. Der Fachbegriff für diese Angststörung lautet Aphephosmophobie. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Synonymen, die im Grunde jedoch genau diese Berührungsangst meinen:

  • Chiraptophobie
  • Haptophobie
  • Haphephobie
  • Thixophobie

Allerdings kann die Berührungsangst unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Betroffenen haben richtige Panik vor dem Kontakt mit anderen Lebewesen. Es gibt verschiedene Formen der Berührung, die bei den Betroffenen Angstzustände auslösen:

  • Sie haben Angst, berührt zu werden.
  • Sie haben Angst, selbst eine andere Person zu berühren.
  • Manche haben nur Angst vor Berührungen von oder durch Menschen des anderen Geschlechts.
  • Manche fürchten nur den Körperkontakt mit fremden Menschen, können vertraute Personen jedoch berühren.
  • Viele haben zusätzlich Angst vor dem Körperkontakt mit einem Tier.
  • Manche empfinden sogar die Berührung von Pflanzen als unangenehm.

In den meisten Fällen ist die Berührungsangst Teil einer anderen psychischen Krankheit, wie Depressionen oder einer Sozialphobie.

> Soziale Phobie: Angst vor Mitmenschen

Eine Frau blickt aus dem Fenster.

Menschen mit Berührungsangst meiden oftmals Kontakt zu anderen. (c) Andrew Lever/Fotolia

Was sind die Ursachen von Berührungsangst?

In vielen Fällen liegen die Ursachen der Berührungsängste in einer generalisierten Angststörung oder Depression. Diese psychischen Erkrankungen bringen die Betroffenen dazu, sich zu isolieren und von anderen Menschen abzuschotten. Berührungen empfinden sie als unangenehm, manchmal lösen diese sogar eine richtige Panikattacke aus.

Die Gründe für die Vermeidung von Körperkontakt sind unter anderem:

  • Die Betroffenen wollen sich nicht mit Krankheiten anstecken.
  • Die Betroffenen haben Angst vor dem Dreck anderer Personen.

Der Auslöser für diese übertriebene Ängstlichkeit liegt meist in der Vergangenheit. Oft können sich die Betroffenen nicht einmal daran erinnern, weil sie gewisse Erlebnisse verdrängt haben. Mögliche Ursachen für die Berührungsangst sind:

  • traumatische Erlebnisse
  • eine strenge Erziehung ohne körperliche Nähe
  • die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen
  • Gewalt
  • Missbrauch
  • Mobbing
  • unerfüllte sexuelle Bedürfnisse
  • Hass auf den eigenen Körper
  • ein geringes Selbstwertgefühl

> Angststörung: Wenn Ängste den Alltag bestimmen

Menschen mit Autismus oder dem Asperger-Syndrom leiden in der Regel ebenfalls unter einer Abneigung gegen Körperkontakt. Hier ist die Berührungsangst ein typisches Symptom des Krankheitsbildes.

Was sind die Symptome?

Für Menschen mit Berührungsangst ist jede Form von Körperkontakt ein Graus. Sogar das Händeschütteln zur Begrüßung oder eine unabsichtliche Berührung auf der Straße lösen die typischen Angstsymptome aus, wie

  • Herzrasen
  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Atemnot
  • Schwindel
  • Übelkeit

In extremen Fällen berichten Betroffene auch über ein Brennen oder andere Schmerzen an der Körperstelle, die Kontakt mit einem anderen Menschen hatte. Es kommt ebenfalls vor, dass der Betroffene starr vor Angst ist oder in Panik wild um sich schlägt.

Um diese Panikattacken zu vermeiden, passen Menschen mit Berührungsängsten ihr Verhalten an, indem sie

  • Menschenmengen meiden, um keinen unerwünschten Körperkontakt zu haben.
  • Freunde und Bekannte nicht mehr besuchen, um zur Begrüßung nicht umarmt zu werden.
  • sich vor Geschäftsterminen drücken, um niemandem die Hand schütteln zu müssen.

Das schränkt sie in ihrem Alltag stark ein. Jeder Weg in der Öffentlichkeit wird zum Spießrutenlauf und oft ist es den Betroffenen nicht möglich, einer normalen Arbeit nachzugehen.

Dabei sehnen sich viele Betroffene eigentlich nach Nähe. Doch ihre krankhafte Berührungsangst macht es ihnen unmöglich, dieses Bedürfnis zu stillen. Sie ist ein großes Hindernis, um eine glückliche Beziehung zu führen, da sogar der Körperkontakt mit einer vertrauten Person als unangenehm empfunden wird. Viele flüchten sich dann in ein Leben ohne Körperkontakt. Nicht selten treibt dieser Zwiespalt Menschen mit der Angststörung in eine Depression.

Eine Frau spielt mit ihrem Hund.

Tiere können Betroffenen helfen ihre Angst zu überwinden. (c) Melinda Nagy/Fotolia

Wie erkennt der Arzt Berührungsangst?

Die Anzeichen einer Berührungsangst sind recht eindeutig, deshalb ist die Hauptaufgabe des Arztes oder Psychotherapeuten, die Ursachen und eventuell weitere Angststörungen herauszufinden. Dazu wird der Arzt ein ausführliches Gespräch über die Art und Ausprägung der Berührungsangst führen.

Wer den Besuch beim Arzt eben wegen seiner Berührungsängste scheut, kann sich vorab in einer Selbsthilfegruppe über Angststörungen und die Therapiemöglichkeiten informieren. Im Internet werden verschiedene Tests angeboten, die eine erste Selbsteinschätzung bieten, ob möglicherweise eine Angststörung, Panikattacken oder Depressionen vorliegen.

Wie wird Berührungsangst behandelt?

Die Betroffenen leiden meist sehr unter ihrer Angststörung, da sie einen normalen Alltag fast unmöglich macht. Deshalb sollte die Phobie unbedingt behandelt werden. Denn in der Regel lässt sich die Berührungsangst überwinden, indem die Betroffenen eine Verhaltenstherapie oder Konfrontationstherapie machen und die Ursachen ihrer Angststörung ergründen. Hat ein traumatisches Erlebnis die Angst vor Körperkontakt ausgelöst, ist eine Traumatherapie in einer speziellen Klinik eine Möglichkeit.

Ein Teil der Therapie kann es beispielsweise sein, zuerst Kontakt zu Tieren aufzubauen. Erst allmählich folgt die Berührung anderer Menschen. Ebenfalls wichtig ist es für die Betroffenen, den eigenen Körper zu akzeptieren und sich in der eigenen Haut wieder wohl zu fühlen.

Ist die Berührungsangst ein Symptom einer autistischen Störung, ist eine Therapie jedoch nicht so einfach. Was in den vergangenen Jahren gute Erfolge gezeigt hat, war beispielsweise eine Delfin-Therapie.

> Tierische Therapeuten: Haustiere bei Depressionen

Wie kann ich vorbeugen?

Einer Aphephosmophobie kann man nicht vorbeugen, denn in den meisten Fällen tritt sie im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen auf.

Allerdings sollte bereits bei den ersten Anzeichen ein Therapeut aufgesucht werden, um einem extremen Verlauf der Krankheit rechtzeitig gegenzusteuern. Denn viele fühlen sich anfangs beim Körperkontakt mit anderen Menschen nur unwohl. Hier kann eine entsprechende Therapie verhindern, dass sich aus dem Unwohlsein eine richtige Panikattacke entwickelt.

> So können Sie Panikattacken überwinden

Wie sind die Heilungschancen?

Berührungsängste sind in vielen Fällen heilbar, allerdings kann die Therapie mehrere Jahre dauern. Denn um die Berührungsangst zu heilen, müssen erst die Ursachen gefunden und therapiert werden.

Wer sich von einem Psychotherapeuten Schritt für Schritt betreuen lässt, kann die Angst allmählich ablegen und eines Tages die Berührungen anderer Lebewesen wieder zulassen.