Blut & Immunsystem

Brustkrebs

Ein bösartiger Tumor in der Brustdrüse ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Aber auch Männer können Brustkrebs bekommen. Wenn das Geschwür rechtzeitig erkannt und früh behandelt wird, sind die Chancen einer Heilung hoch.

Was ist Brustkrebs?
Was sind die Ursachen von Brustkrebs?
Wann ist ein Gentest ratsam?
Welche Symptome zeigen sich bei Brustkrebs?
Welche Folgen kann Brustkrebs haben?
Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?
Wie lässt sich Brustkrebs behandeln?
Wie kann man Brustkrebs vorbeugen?
Wie gut sind die Heilungschancen?

Was ist Brustkrebs?

Das Mammakarzinom (medizinischer Fachbegriff) entsteht in der Brustdrüse. Der Tumor wächst in den meisten Fällen von den Milchdrüsen oder Milchgängen aus. Besonders häufig sitzt das Geschwür im oberen äußeren Bereich der Brust – zwischen Achselhöhle und Schlüsselbein.

Beim Brustkrebs handelt es sich um sogenannte solide Tumore. Das heißt: Aus einzelnen Krebszellen bilden sich Geschwülste, die anfänglich auf ein Organ begrenzt sind und erst im fortgeschrittenen Stadium auf umliegendes Gewebe und andere Organe übergreifen. Im Gegensatz dazu befallen systemische Krebsarten (wie Leukämie) von Beginn an den gesamten Körper.

Das sagt die Statistik

Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in westlichen Industrienationen. Jährlich erkrankt eine Millionen Frauen weltweit an dem bösartigen Tumor der Brustdrüse. In Deutschland werden 71.000 Neuerkrankungen pro Jahr diagnostiziert.

Das Lebenszeitrisiko beträgt etwa 13 Prozent. Das bedeutet: Jede achte Frau erkrankt statistisch betrachtet im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Allgemein steigt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit eines Tumors in der Brust. Junge Frauen sind eher selten betroffen, ab dem 40. Lebensjahr erhöht sich das Risiko. Als besonders gefährdet gilt die Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren – danach nimmt das Brustkrebsrisiko wieder ab.

Brustkrebs bei Männern

Auch wenn Brustkrebs vor allem Frauen trifft, sind Männer nicht ganz ausgenommen. Etwa jeder hundertste Krebsfall dieser Art betrifft die männliche Brust – behandelt wird der Tumor wie bei der Frau.

Was sind die Ursachen bei Brustkrebs?

In den meisten Fällen entsteht die Krankheit spontan, also losgelöst von äußerlichen und innerlichen Einflüssen und somit zufällig. Das heißt auch: Eigentliche Ursachen sind noch nicht bekannt und im Prinzip kann jeder erkranken.

Allerdings gibt es einige Faktoren, die das Brustkrebsrisiko erhöhen. Dazu gehören:

Das Alter: Das Brustkrebsrisiko nimmt mit den Jahren zu. Junge Frauen sind eher selten betroffen, ab dem 40. Lebensjahr erhöht sich das Risiko. Als besonders gefährdet gilt die Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren – danach nimmt das Brustkrebsrisiko wieder ab. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 64 Jahren.

Hormonelle Veränderungen: Die Hormone Östrogene und Gestagene steuern bei der Frau den Menstruationszyklus und Regeln das Wachstum der Brust (in der Pubertät oder Schwangerschaft zum Beispiel). Sie können aber auch die Ausbreitung von Krebszellen fördern. In Abhängigkeit vom Hormonspiegel ergeben sich weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Brustkrebs:

  • Ein sehr früher Start und ein sehr spätes Ende der Regelblutung. Frauen mit einer langen hormonaktiven Zeit haben ein höheres Risiko.
  • Eine Einnahme der Antibabypille über vier Jahre oder länger erhöht das Risiko leicht. Nach dem Absetzen sinkt es wieder.
  • Hormonersatztherapien bei Wechseljahresbeschwerden wird ebenfalls ein gesteigertes Risiko zugeschrieben, das wieder sinkt, wenn die Hormone abgesetzt werden.
  • Eine späte Mutterschaft oder Kinderlosigkeit einer Frau erhöht das Risiko. Ebenso ein Verzicht auf das Stillen.

Lebensstil und Ernährung: Rauchen, sehr fettreiches Essen, übermäßiger Alkoholkonsum sowie Bewegungsmangel stehen in Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Genetische Faktoren: Rund fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle gehen medizinisch nachweisbar auf eine erbliche Vorbelastung zurück. Tritt Brustkrebs mehrfach in der Familie auf, ist auch die Empfänglichkeit für die genannten Risikofaktoren größer.

Die bekanntesten genetischen Auslöser für Brustkrebs sind Veränderungen der Brustkrebs-Risiko-Gene (sogenannte Breast Cancer Gene) BRCA1 und BRCA2. Trägt eine Frau das mutierte BRCA1 in sich, wird sie mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 70 Prozent im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Betrifft die Mutation BRCA2, beläuft sich das Risiko einer Erkrankung auf 45 Prozent. Bei den Trägerinnen der Risiko-Gene ist auch die Wahrscheinlichkeit für Eierstockkrebs erhöht. Tragen Männer die mutierten Brustkrebs-Gene in sich, steigt gleichzeitig das Risiko für Darm- und Prostatakrebs.

Wann ist ein Gentest ratsam?

Besteht der Verdacht auf familiären Brustkrebs, können Spezialsprechstunden für Brust- und Eierstockkrebs und ein Gentest Klarheit über das tatsächliche Risiko geben. Das „Konsortium familiärer Brustkrebs“ hat Kriterien aufgestellt, die für ein familiäres Risiko für Brustkrebs sprechen:

Ein Test ist sinnvoll, wenn in einer Familie mindestens …

  • zwei Frauen an Brustkrebs erkranken, davon eine vor dem 51. Lebensjahr
  • drei Frauen an Brustkrebs erkranken
  • zwei Frauen an Eierstockkrebs erkranken
  • eine Frau an Brustkrebs und eine an Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau beidseitig an Brustkrebs erkrankt, erstmals vor dem 51. Lebensjahr diagnostiziert
  • eine Frau vor dem 36. Lebensjahr an Brustkrebs erkrankt
  • ein Mann an Brustkrebs und eine Frau an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt

Ein Gentest wird nichts darüber verraten, wann und ob die Krankheit überhaupt ausbricht. Dennoch: Wer einen Gentest macht und sein Brustkrebsrisiko kennt, ist vorgewarnt und kann die Chancen der Früherkennung intensiv für sich nutzen. Letztlich muss aber jede Frau selbst entscheiden, ob sie ihr persönliches Krebsrisiko schwarz auf weiß in einem Test ermittelt haben will. Die Kosten für den Test werden von den Krankenkassen übernommen.

Was sind die Symptome?

Im frühen Stadium verursacht ein Mammakarzinom keine Schmerzen. Die Anzeichen für Brustkrebs sind also „still“, aber nicht unsichtbar. Wer Veränderungen seiner Brüste wahrnimmt (Stehen sie anders? Sind sie plötzlich größer?), sollte hellhörig werden.

Knoten und Verhärtungen in der Brust sollten abgeklärt werden, müssen aber noch keinen Krebs bedeuten

Knoten in der Brust sollten abgeklärt werden, müssen aber noch keinen Krebs bedeuten.

Symptome für Brustkrebs sind: 

  • zu ertastende Knoten oder Verhärtungen in der Brust
  • Einsenkung der Brustwarze und Einziehung der Haut
  • Entzündungen der Brustwarze, Absonderungen von klarem oder blutigem Sekret
  • Rötungen und sonstige oberflächliche Veränderungen der Haut
  • Schwellungen in der Achselhöhle
  • ein ungewohnter Größenunterschied der Brüste
  • die Brüste sehen unterschiedlich aus, wenn die Arme angehoben werden
  • im späteren Stadium kommen allgemeine Krankheitsbeschwerden wie Schwäche, Knochenschmerzen sowie Verlust von Appetit und Gewicht hinzu

Tritt eines oder mehrere dieser Anzeichen auf, muss nicht zwangsläufig Brustkrebs dahinterstecken. Ein Arztbesuch ist aber auf jeden Fall angeraten.

Welche Folgen kann Brustkrebs haben?

Bösartige Tumore wachsen und bilden Metastasen. Ist das der Fall, greift der Krebs auf andere Organe über. Diese Tochtertumore entwickeln sich meistens zuerst in nahe gelegenem Gewebe wie den Lymphknoten. Von dort können sie sich auf andere Organe wie Lunge, Leber oder Gehirn ausweiten.

Hat der Tumor Metastasen gebildet, wird aus der ursprünglich soliden eine systemische Krebsform. Das heißt: Die Krankheit ist nicht mehr heilbar, das Wachstum der Krebszellen kann mit der richtigen Behandlung aber eingedämmt werden.

Wie erkennt der Arzt Brustkrebs

Jeder kleinste Verdacht auf Brustkrebs bedarf Abklärung beim Arzt, damit ein Mammakarzinom im Ernstfall so schnell wie möglich behandelt und eine weitere Ausdehnung vermieden werden kann.

Am Anfang steht das Arzt-Patienten-Gespräch. Vor allem eventuelle Vorbelastungen in der Familie des Patienten werden hier von Interesse sein. Darauf folgt die klinische Untersuchung. Der Arzt tastet beide Brüste, die Lymphknoten und Achselhöhlen auf Verhärtungen und Geschwülste ab. Wächst der Verdacht, folgen weitere Untersuchungen, die einer möglichst präzisen Einordnung des Tumors dienen.

Mammografie: Mit der speziellen Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust können selbst nicht eindeutig ertastete Veränderungen des Gewebes diagnostiziert werden.

Ultraschalluntersuchung: liefert ergänzende Informationen. Bei Frauen unter 40 Jahren ist sie meist sogar die erste Untersuchung. Vor allem gutartige Veränderungen (Zysten) lassen sich mit dieser Methode darstellen.

Magnetresonanzmammographie: wird notwendig, wenn die anderen Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse liefern können.

Als weitere bildgebende Untersuchungen können zusätzlich infrage kommen: Computertomographie (CT), Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT), Milchgangsdarstellung (Galaktografie) und Milchgangsspiegelung (Duktoskopie).

Um eindeutig festzustellen, ob der Tumor gut- oder bösartig ist, werden Gewebeentnahmen notwendig. Bei der Biopsie entnimmt der Arzt mit einer Nadel Gewebeproben, die ein Pathologe anschließend unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht.

Wie lässt sich Brustkrebs behandeln?

Für jede Art von Brustkrebs gibt es Therapiemethoden. Eine Behandlung, die für alle gilt, gibt es nicht. Die Wahl des Verfahrens hängt von den Eigenschaften, der Größe und des Stadiums des Tumors ab.

Die konventionelle Behandlung setzt sich zusammen aus:

Operation: Jeder bösartige Tumor muss entfernt werden. Erlaubt es die Größe des Geschwürs, wird sich heutzutage um die Erhaltung der Brust bemüht. Das ist bei etwa 70 Prozent der Patientinnen der Fall. Der brusterhaltende Eingriff ist möglich, wenn:

  • der Tumor unter zwei Zentimeter groß ist,
  • der Knoten nicht mit der Brustwarze verwachsen ist,
  • die Lymphgefäße nicht befallen sind,
  • der Knoten keinen entzündlichen Anteil hat und
  • der Tumor die Milchgänge noch nicht angegriffen hat.

Kommt kein erhaltender Eingriff infrage, wird die betroffene Brust amputiert (Fachbegriff: Mastektomie). In den meisten Fällen ist anschließend eine Rekonstruktion möglich – entweder mit Eigengewebe (aus Bauch, Gesäß oder Rücken), mit Implantaten oder einer Kombination aus beidem.

Strahlentherapie: Konnte die Brust erhalten werden, ist eine nachträgliche Strahlentherapie zwingend. Durch Bestrahlung lassen sich winzige, verbliebene Tumorreste abtöten. Die Rückfallrate sinkt durch die Behandlung von 30 auf fünf Prozent.

Wurde die ganze Brust entfernt, ist die Nachbestrahlung nicht immer Teil der Folgetherapie. Sie wird aber angeraten, wenn der Tumor größer als drei Zentimeter war und bereits in die Lymph- bzw. Blutgefäße vordringen konnte.

Die Bestrahlung beginnt frühestens vier Wochen nach der Operation und dauert bis zu zwei Monate.

Medikamentöse Therapie: Ziel ist es, das Wachstum der Krebszellen möglichst zu hemmen und bestenfalls ganz zu stoppen. Je nach Stadium der Erkrankung, hat der Arzt die Wahl zwischen:

  • Chemotherapie: verabreicht werden sogenannte Zytostatika. Sie hemmen die Zellteilung und verhindern somit, dass sich Krebszellen weiter vermehren. Ist das Rückfallrisiko hoch, kommt diese Therapie zum Einsatz, um möglich verbliebene Krebszellen abzutöten und eine Metastasierung zu vermeiden. Weil Zytostatika neben Krebszellen auch gesunde Zellen angreifen, wird die Chemotherapie von starken Nebenwirkungen wie Haarausfall und Magen-Darm-Beschwerden begleitet.
  • Hormontherapie: In den Krebsfällen, in denen weibliche Hormone das Entstehen des Tumors begünstigen, kann medikamentös gegen diese Hormone vorgegangen werden – über Antiöstrogene (wie Tamoxifen), Aromatasehemmer und künstliche Gestagene zum Beispiel. Durch die Entfernung der Eierstöcke lässt sich die Hormonaktivität ebenfalls unterbinden.
  • Antikörpertherapie: Die sogenannte Immuntherapie geht gegen Rezeptoren vor, die das Tumorwachstum fördern. Spezielle, künstliche Antikörper erkennen diese HER2-Rezeptoren, binden sich an sie und verhindern ein weiteres Wachstum.

Wie kann man Brustkrebs vorbeugen?

Da es sich bei Brustkrebs im Regelfall um eine spontane Erkrankung handelt, kann man nur in Maßen vorbeugen. Zum Beispiel indem bekannte Risikofaktoren vermieden werden.

Was man allerdings wirklich selbst in der Hand hat, ist die Vorsorge. In der Brustkrebs-Diagnostik spielt die Früherkennung eine besondere Rolle. Viele Frauen (etwa 80 Prozent) entdecken die Knoten selbst. Mediziner empfehlen darum, die Brust regelmäßig (einmal im Monat, etwa eine Woche nach dem Einsetzen der Periode) selbst zu untersuchen und auf Veränderungen abzutasten.

Ab dem 30. Lebensjahr besteht Anspruch auf die jährliche Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt. Im Alter zwischen 50 und 70 Jahren können (und sollten) Frauen zusätzlich alle zwei Jahre ein Mammographie-Screening wahrnehmen, das ihnen gesetzlich zusteht.

Wie sind die Heilungschancen?

Je später Brustkrebs erkannt und behandelt wird, desto schlechter die Aussichten. Keine Behandlung bedeutet, dass die tödliche Krankheit ungehindert voranschreiten kann. Andersrum verhält es sich so: Wird der Tumor in der Brust früh diagnostiziert, stehen die Chancen gut – auch auf eine komplette Heilung.

Die Zahl der Sterbefälle sinkt stetig, während gleichzeitig mehr Frauen erkranken. 87 Prozent der Patientinnen sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Etwa eine von fünf Frauen erleidet einen Rückfall oder die Krankheit schreitet fort. Aber auch dann: Die Behandlungsmethoden sind mittlerweile so ausgereift, dass auch Frauen mit schlechten Prognosen mehrere Jahre und mit guter Lebensqualität weiterleben können.

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