Gesundheit kompakt

Chagas-Krankheit

Lange Zeit war die Tropenkrankheit Chagas nur in Südamerika und Mittelamerika verbreitet. Doch Tourismus und Migrationsströme haben dazu geführt, dass die Chagas-Krankheit auch in andere Teile der Erde gelangen konnte. Die Infektionskrankheit wird von Raubwanzen auf den Menschen übertragen und kann unbehandelt tödlich enden. Weltweit wird die Zahl der Erkrankten auf rund 18 Millionen geschätzt.

Was ist die Chagas-Krankheit?
Was sind die Ursachen der Chagas-Krankheit?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt die Chagas-Krankheit?
Wie wird die Chagas-Krankheit behandelt?
Wie kann ich der Chagas-Krankheit vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen der Chagas-Krankheit?

Was ist die Chagas-Krankheit?

Bei der Chagas-Krankheit (auch Morbus Chaga oder Amerikanische Trypanosomiasis) handelt es sich um eine durch den Parasiten Trypanosoma cruzi ausgelöste Infektionskrankheit. Es handelt sich hierbei um einen einzelligen Parasiten aus der Familie der Trypanosomen, der sich innerhalb der Zellen der infizierten Person vermehrt. Auch die in Afrika verbreitete Schlafkrankheit wird von Parasiten dieser Gattung ausgelöst. Hierbei handelt es sich jedoch um den Parasiten Trypanosoma brucei gambiense, der von der Tsetse-Fliege übertragene wird (Afrikanische Trypanosomiasis).

Im Falle der Chagas-Krankheit sind jedoch Wanzen die Überträger. Die sogenannten Raubwanzen sind selbst mit dem Parasiten Trypanosoma cruzi infiziert. Beim Blutsaugen am Menschen scheiden sie gleichzeitig infizierten Kot aus, der über kleine Läsionen der Haut in die Blutbahn des Menschen gelangt.

Die Chagas-Krankheit ist besonders in den süd- und mittelamerikanischen Ländern wie Bolivien, Brasilien und Peru verbreitet, doch durch Migration und Tourismus konnte die Erkrankung auch auf andere Kontinente (Europa, Nordamerika) gelangen. Selbst in Deutschland sind inzwischen Fälle von Chagas-Infektionen bekannt.

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Was sind die Ursachen der Chagas-Krankheit?

Raubwanzen übertragen die Chagas-Krankheit auf den Menschen. Diese infizieren sich selbst durch das Blutsaugen an infizierten Tieren (besonders Katzen und Hunde).

Raubwanzen sind blutsaugende Insekten, die während des Saugens Fäkalien absondern. Die Infektion erfolgt nicht über den Stich selbst, sondern durch das Einreiben mit dem infektiösen Kot der Wanze. Gerät dieser in Kontakt mit Schleimhäuten (z.B. Augen) oder über kleine Hautverletzungen, kann der Erreger Trypanosoma cruzi in den Körper eindringen und den Menschen infizieren.

Auch bei der Geburt oder beim Stillen kann ein Kind von seiner infizierten Mutter angesteckt werden. Nur in seltenen Fällen kommt es zu einer Übertragung durch die Nahrung oder Blutspenden.

Was sind die Symptome?

Die Chagas-Erkrankung lässt sich in zwei Stadien unterteilen: Die akute Phase und die chronische Phase. Je nach Phase unterscheiden sich auch die typischen Symptome.

Nach einer Inkubationszeit von etwa drei Wochen entwickelt sich zunächst ein sogenanntes Chagom. So wird das Anschwellen der Eintrittsstelle des infektiösen Kots bezeichnet. Zudem kommt es zu einer Schwellung der Lymphknoten in der Umgebung.

Die akute Phase, die etwa vier Wochen andauert, macht sich mit den folgenden Symptomen, die auch gerne mit einer Grippe verwechselt werden, bemerkbar:

  • Fieber
  • Hautveränderungen
  • Lymphknotenschwellungen
  • Luftnot
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall

In seltenen Fällen kann es in dieser Phase auch zu einer Vergrößerung der Leber und der Milz kommen, sowie zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder einer Gehirnentzündung (Enzephalitis).

Sind die akuten Symptome abgeklungen, überleben einzelne Parasiten in verschiedenen Organen (Meistens im Herzmuskel oder im Magen-Darm-Trakt des Betroffenen), wo sie erst nach Jahren Probleme verursachen. Die Erreger können bis zu 20 Jahre im Körper überdauern, ohne sich direkt bemerkbar zu machen. Mediziner sprechen hier von der latenten Phase. Erst wenn das Immunsystem der betroffenen Person geschwächt ist, zeigen sich wieder die typischen Chagas-Symptome.

Zur chronischen Phase kommt es bei etwa 30 Prozent der Infizierten. In diesem Fall zeigen sich die Symptome als Vergrößerung der betroffenen Organe. Am häufigsten entwickelt sich eine Herzmuskelentzündung und eine chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz), die nicht selten zu einem plötzlichen Herztod führen. Zudem können sich die folgenden Symptome zeigen:

  • Kardiomyopathie
  • Lähmung des Magen-Darm-Trakts
  • Gewichtsverlust
  • Schluckstörungen
  • chronische Obstipation
  • Anämie
  • Hepatosplenomegalie (als Folge der gleichzeitigen Vergrößerung der Leber und Milz)

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Größtenteils übertragen Wanzen die Krankheit. (c)David/Fotolia

Wie erkennt der Arzt die Chagas-Krankheit?

In einem Anamnesegespräch klärt der Arzt zunächst ab, ob die betroffene Person sich in einem der Risikogebiete aufgehalten hat. In der akuten Phase der Erkrankung kann der Arzt eine Infektion über eine Blutuntersuchung erkennen. Die Erreger zeigen sich in diesem Fall unter dem Mikroskop. In der chronischen Phase muss ein Antikörpertest als Nachweis durchgeführt werden. Finden sich im Blut des Patienten Antikörper gegen Trypanosomen, kann die Diagnose Chagas gestellt werden.

Auch mittels Xenodiagnose kann der Arzt eine Chagas-Infektion feststellen. Hierfür wird das Blut des Patienten gesunden Raubwanzen vorgesetzt, die das Blut aufsaugen. Etwa drei Wochen später wird der Kot der Wanzen auf Trypanosomen untersucht. Fällt der Test positiv aus, kann der Rückschluss auf eine Infektion des Menschen gezogen werden.

Um die Auswirkungen der Infektion auf Herz und Gehirn feststellen zu können, werden eine Computertomografie (CT), eine Kernspintomografie (MRT) oder ein Herzultraschall (Echokardiografie) veranlasst.

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Wie wird die Chagas-Krankheit behandelt?

Die Behandlung der Chagas-Infektion richtet sich maßbeglich nach der Phase der Erkrankung. In der akuten Phase verschreibt der Arzt sogenannte Antiprotozoika, die gezielt die verantwortlichen Parasiten abtöten. Für eine Trypanosomen-Infektion eignen sich die Medikamente Benznidazol und Nifurtimox.

Allerdings haben diese Wirkstoffe nicht unerhebliche Nebenwirkungen und dürfen von schwangeren Frauen oder Personen mit Leber- oder Nierenschäden nicht eingenommen werden. Zudem beschränkt sich deren Wirksamkeit lediglich auf die akute Phase. Infizierten in der der chronischen Phase oder der Latenzphase kann damit nicht geholfen werden.

In der chronischen Phase der Erkrankung richtet sich die Behandlung symptomatisch nach den betroffenen Organen. Besonders häufig bereiten das Herz und der Magen-Darm-Trakt Probleme.

Wie kann ich der Chagas-Krankheit vorbeugen?

Gegen die Chagas-Krankheit gibt es keinen Impfschutz zur Prophylaxe. Allerdings kann das Risiko einer Infektion minimiert werden, indem der Kontakt zu Raubwanzen so gut wie möglich gemieden wird. Diese halten sich gerne in Strohdächern oder Mauerritzen auf, ebenfalls in der Nähe von (oder auf) Haustieren.

Wenn Sie als Tourist in eines der Risikogebiete reisen, sollte die Unterkunft so gewählt werden, dass es zu keiner Exposition kommen kann. Schlafen Sie nicht in Lehm- oder Holzhütten oder unter Strohdächern. Zudem sollte auf Insektenschutz, lange Kleidung und Moskitonetze zum Schlafen geachtet werden.

Für die Bevölkerung in den Risikogebieten gibt es spezielle Wandfarben, die mit Insektiziden behandelt wurden. Durch das Sprühen dieser Substanz wird verhindert, dass sich Raubwanzen in den Wänden der Häuser einnisten können.

Wie sind die Heilungschancen der Chagas-Krankheit?

Generell gilt, je früher die Infektion entdeckt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung. Schließlich wirken die Antiprotozoika nur in der akuten Phase der Erkrankung. Wird die Krankheit nicht behandelt, endet sie in etwa 10 Prozent der Fälle tödlich. Besonders gefährdet gelten Menschen mit einer Immunschwäche, Kleinkinder und Säuglinge.

In der chronischen Phase hängt der Verlauf davon ab, welche Komplikationen auftreten und welches Organ betroffen ist und wie stark. Die meisten Personen sterben an plötzlichem Herztod, in Folge einer Herzinsuffizienz. Doch auch Lungeninfarkte, Bauchfellentzündungen und Darmperforationen können Grund für den tödlichen Ausgang der Erkrankung sein.

Wenn keine Herzerkrankungen vorliegen und die Infektion noch in der akuten Phase behandelt werden kann, stehen die Aussichten auf Genesung jedoch sehr gut. Der Großteil der Betroffenen kann mit der entsprechenden medizinischen Behandlung vollständig von der Chagas-Krankheit geheilt werden.