Gesundheit kompakt

Enzephalitis

Herpesviren und Zeckenbisse haben eins gemeinsam: Sie können eine Enzephalitis auslösen. Hier erfahren Sie, welche Folgen die Gehirnentzündung haben kann und wie sie behandelt wird. Denn bleibt die Krankheit unerkannt, besteht Lebensgefahr.

Was ist Enzephalitis?
Was sind die Ursachen von Enzephalitis?
Was sind die Symptome von Enzephalitis?
Wie erkennt der Arzt Enzephalitis?
Wie wird Enzephalitis behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist Enzephalitis?

Eine Enzephalitis ist eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung, die in den meisten Fällen durch Viren verursacht wird. Normalerweise können schädliche Erreger über die Blutbahn gar nicht bis ins Gehirn vordringen. Denn die sogenannte Blut-Hirn-Schranke gilt als Hochsicherheitsschutz für unser zentrales Schaltsystem. Ist die Körperabwehr jedoch geschwächt, können Eindringlinge die Barriere überwinden und großen Schaden anrichten. Die Folge: eine Enzephalitis, bei der das Gewebe anschwillt und umliegende Nervenzellen schädigen kann.

Besonders oft betroffen sind Babys, Kleinkinder und junge Erwachsene. Auch Erwachsene über 25 Jahren können erkranken, jedoch sehr selten. Im Alter kommt es hingegen wieder vermehrt zu Erkrankungs-Fällen, da die Körperabwehr nachlässt. Insgesamt ist solch eine Gehirnentzündung jedoch sehr selten. Jährlich erkrankt in Deutschland etwa einer von 100.000 Einwohnern. Die meisten Fälle der Enzephalitis sind nicht ansteckend. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem besteht bei manchen Erregern jedoch ein gewisses Ansteckungsrisiko.

Enzephalitis und Meningitis

Tritt eine Enzephalitis gleichzeitig mit einer Meningitis auf, spricht der Arzt von einer Meningoenzephalitis. Dann ist neben dem Gehirngewebe auch die Hirnhaut entzündet. Diese Sonderform kommt meist bei einer Infektion mit dem FSME-Erreger vor. Denn FSME bedeutet ausgeschrieben Frühsommer-Meningoenzephalitis. Das gleichzeitige Auftreten einer Enzephalitis und einer Myelitis, also einer Rückenmarksentzündung, wird hingegen Enzephalomyelitis genannt.

> Lesen Sie hier mehr zum Thema Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Was sind die Ursachen von Enzephalitis?

Die Ursache der Erkrankung ist in der Regel die Infektion mit Viren, Bakterien oder Parasiten. Diese Erreger können Betroffene bereits in sich tragen, ohne dass die Krankheit ausbricht. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, kann es sein, dass die Erreger bis ins Gehirn vordringen können.

Dieses ist normalerweise durch die Blut-Hirn-Schranke hervorragend vor Schädlingen geschützt. Bei einer schwachen Abwehr haben sie jedoch leichtes Spiel. Zu den Risikogruppen zählen deshalb Babys und Kleinkinder, deren Immunsystem sich noch im Aufbau befindet. Ebenfalls Menschen mit einer AIDS-Erkrankung oder einer ähnlichen Abwehrschwäche.

Zu den häufigsten Erregern zählen:

  • Viren: Oft sind Herpesviren oder Enteroviren die Verursacher der Entzündung. Aber auch Viren, die verschiedene Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Windpocken, Röteln oder Kinderlähmung auslösen, können das Gehirn angreifen. Die Erkrankung kann auch als Spätfolge einer Herpes– oder Maserninfektion auftreten.
  • Bakterien: Die häufigsten Bakterien, die eine Enzephalitis auslösen, sind Borrelien, Tuberkulose-Bakterien und Syphilis-Bakterien.
  • Pilze: Ist das Immunsystem geschwächt, können auch verschiedene Pilze die Blut-Hirn-Schranke ungehindert passieren.
  • Parasiten: Seltener, aber durchaus möglich ist eine Enzephalitis, die durch Parasiten wie Rundwürmer verursacht wird.

Die Ursachen für eine Infektion mit einem der Erreger sind in den meisten Fällen:

  • Zecken und Mücken: Durch einen Zeckenbiss oder einen Mückenstich können Erreger übertragen werden und eine Gehirnentzündung auslösen. In Europa ist FSME weit verbreitet, in Asien die Japanische Enzephalitis.
  • Autoimmunerkrankungen: Manchmal spielt einfach das Immunsystem verrückt und reagiert über. Dann greift die Körperabwehr das eigene Gewebe im Gehirn an. Solche Fälle der Gehirnentzündung werden als Autoimmunenzephalitis bezeichnet und treten beispielsweise bei Menschen mit Multipler Sklerose auf.

> Autoimmunerkrankungen – wenn der Körper gegen sich selbst kämpft

Was sind die Symptome von Enzephalitis?

Eine Enzephalitis kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und von leicht bis schwer verlaufen. Bei einer leichten Gehirnentzündung ähneln die Symptome denen einer Erkältung. Beim schweren Verlauf kann es zu massiven Aussetzern des Gehirns kommen. Die Symptome bei Erwachsenen sind deshalb sehr vielseitig, je nachdem, welcher Teil des Gehirns entzündet ist:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • Übelkeit
  • Zittern
  • steifer Nacken
  • Rückenschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Reizbarkeit
  • Lichtempfindlichkeit
  • Verwirrtheit
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • unsicherer Gang
  • Lähmung, vor allem der Arme
  • Krampfanfall
Ausschnitt Mädchen kriegt Impfung in Arm.

Schutzimpfungen können der Krankheit zum Teil vorbeugen. (c)  kerkezz / Fotolia

Bei Säuglingen und Kleinkindern äußert sich die Enzephalitis hingegen durch

  • häufiges Schreien, das sich noch verstärkt, wenn sie auf den Arm genommen werden
  • Versteifung des Körpers
  • Erbrechen
  • Verweigerung zu trinken
  • leichte Außenwölbung der Fontanelle (der weiche Teil des Kopfes bei Babys)

Da die Enzephalitis lebensbedrohlich sein kann, sollte bei den ersten Anzeichen nicht lange gezögert werden. Ein Arztbesuch ist dringend notwendig, wenn Kopfschmerzen, Fieber und Verwirrtheit oder andere Störungen des Gehirns auftreten.

Symptome einer chronischen Enzephalitis

Der chronische Verlauf macht sich meist erst nach einiger Zeit bemerkbar. Denn die Anzeichen deuten nicht sofort auf eine Enzephalitis hin. Eine chronische Gehirnentzündung tritt vor allem bei Menschen mit Autoimmunerkrankung auf und kann sich schleichend entwickeln. Mögliche Hinweise sind:

Wie erkennt der Arzt Enzephalitis?

Um die Krankheit schnellstmöglich behandeln zu können, sollte ein Arzt oder im Notfall das nächste Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird ein Neurologe eine Reihe von Untersuchungen durchführen, um herauszufinden, welche Bereiche des Gehirns von der Entzündung betroffen sind. Nach einem Gespräch und einer körperlichen Untersuchung können weitere Methoden für die Diagnose eingesetzt werden. Daran lässt sich erkennen, ob eine Schwellung im Gehirn vorhanden ist und ob die Gehirnströme beeinträchtigt sind:

  • MRT (Magnetresonanztomographie)
  • CT (Computertomographie)
  • EEG (Elektroenzephalogramm)

> Was passiert bei CT und MRT?

Da viele verschiedene Erreger eine Gehirnentzündung auslösen können, wird außerdem ein Bluttest gemacht. Ebenfalls möglich ist eine Lumbalpunktion, eine Untersuchung des Liquors, also des Nervenwassers in der Wirbelsäule. Die Ergebnisse zeigen an, ob die Ursache Viren, Bakterien oder andere Schädlinge sind. Danach richtet sich auch die anschließende Enzephalitis-Therapie.

Wie wird Enzephalitis behandelt?

Wer erkrankt ist, sollte möglichst schnell behandelt werden. Denn die Gehirnentzündung kann lebensbedrohlich sein und endet unerkannt oft tödlich. Um Komplikationen, z.B. Hirnblutungen, zu vermeiden und den Therapieverlauf zu kontrollieren, erfolgt die Behandlung meist im Krankenhaus.

In schweren Fällen liegt der Patient sogar auf der Intensivstation. Bettruhe, die Linderung der Schmerzen und die Versorgung mit ausreichend Flüssigkeit sind die Grundlage der Therapie.

Zusätzlich werden je nach festgestelltem Erreger Medikamente verabreicht, um die Viren und Bakterien zu bekämpfen. Entsprechend können Antibiotika oder Cortison zum Einsatz kommen, ebenfalls Virenhemmer wie beispielsweise Aciclovir.

Wie kann ich vorbeugen?

Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Enzephalitis gibt es nicht. Dennoch kann eine Impfung gegen gewisse Viren verhindern, dass sich der Erreger ausbreitet und das Gehirn angreift. Die typischen Kinderkrankheiten wie Mumps, Polio oder Röteln gehören dazu und werden üblicher Weise bereits im Kindesalter durch eine Schutzimpfung verhindert. Auch gegen FSME gibt es eine Impfung, die vor allem in Gebieten mit starkem Zeckenaufkommen empfohlen wird.

Zusätzlich ist es sinnvoll, den Körper nach einem Tag im Freien auf Zecken abzusuchen. Nach der Entfernung sollte ein Zeckenbiss genau beobachtet und vorsichtshalber der Arzt aufgesucht werden. Nur so lässt sich eine Infektion mit den gefürchteten Borrelien rechtzeitig bekämpfen.

Immunsystem stärken

Allgemein ist ein gesunder Lebensstil die beste Maßnahme, um das Immunsystem dauerhaft aktiv zu halten. Eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen, Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Flüssigkeit und wenig Stress stärken die Körperabwehr. Zusätzlich sollte auf Nikotin und Alkohol verzichtet werden.

> So stärken Sie Ihr Immunsystem

Wie sind die Heilungschancen?

Wird die Enzephalitis schnell erkannt und durch die richtige Therapie behandelt, ist die Prognose für eine vollständige Heilung sehr gut. Bleibt die Erkrankung jedoch unbemerkt, kann sie jedoch tödlich enden. Schnelles Handeln ist deshalb bei den ersten Symptomen äußerst wichtig, auch um Spätfolgen zu verhindern. Denn als Folgen einer schweren Enzephalitis können Gedächtnisstörungen, eine Anfälligkeit für Epilepsie oder eine geistige Behinderung zurückbleiben.

In der Regel klingt die akute Enzephalitis nach ein bis zwei Wochen wieder ab. Bei einem leichten Krankheitsverlauf fühlen sich die Betroffenen danach bald wieder fit. In schweren Fällen kann die Rehabilitation einige Monate dauern, bis sich der Zustand normalisiert und die Patienten wieder voll bei Kräften sind.