Magen & Darm

Fruktoseintoleranz (Fruchtzucker-Unverträglichkeit)

Was haben ein exotischer Obstsalat, fertige Tomatensaucen oder Joghurt mit Früchten und Honig gemeinsam? Klar, sie schmecken vielen Menschen hervorragend. Allerdings enthalten all diese Speisen reichlich Fruchtzucker – und den kann rund ein Drittel aller Deutschen nicht richtig verarbeiten. Einige bemerken das gar nicht, da bei ihnen kaum körperlichen Probleme auftreten. Bei anderen hingegen kommt es zu starker Übelkeit oder zu Durchfall, sobald sie Obst und andere fruchtzuckerhaltige Lebensmittel gegessen haben. Wir klären auf über die verschiedenen Formen der Fruktoseintoleranz, sowie über Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist eine Fruktoseintoleranz?
Was sind die Ursachen der Unverträglichkeit?
Welche Symptome löst die Krankheit aus?
Wie erkennt der Arzt eine Fruktoseintoleranz?
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Wie sind die Heilungschancen?
Sonderform hereditäre Fruktoseintoleranz

Was ist eine Fruktoseintoleranz?

Ist eine Person von einer Fruktoseintoleranz (auch Fructoseintoleranz geschrieben) betroffen, dann verträgt sie keinen Fruchtzucker (Fruktose/Fructose). Dieser zählt zu den Einfachzuckern (Monosacchariden) und kommt natürlicherweise vor allem in Obst, aber auch in einigen Gemüsesorten und in Honig vor. Mittlerweile wird er als Süßungsmittel und Geschmacksverstärker auch vielen Fertiggerichten, Softdrinks oder Süßigkeiten zugesetzt.

Der Grund für eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit ist fast immer eine Fruktosemalabsorption (kurz: FM), bei welcher die Zuckerart vom Dünndarm nur unzureichend aufgenommen werden kann. Nicht immer ist das jedoch mit auffälligen körperlichen Beschwerden verbunden, sodass eine FM manchmal unbemerkt bleibt. Leiden Betroffene zusätzlich an Durchfall oder Blähungen, spricht man von einer intestinalen Fruktoseintoleranz (IFI).

Was sind die Ursachen der Unverträglichkeit?

Dass es zu einer schlechten Aufnahme von Fruchtzucker kommt, kann verschiedene Ursachen haben. Eine wichtige Rolle spielt das „Transportprotein“ GLUT-5, welches bei Menschen mit Fruktosemalabsorption nur unzureichend vorhanden ist oder aufgrund eines Defekts zu wenig Leistung erbringt. Die Folge: Der Dünndarm kann die Zuckerart nicht richtig aufnehmen. Er leitet diesen weiter in den Dickdarm, wo er von Bakterien in blähende Gase zersetzt wird.

Warum jedoch manche Menschen daraus Symptome und eine intestinale Fruktoseintoleranz entwickeln und manche nicht, ist noch nicht vollständig erforscht. Als einflussreicher Faktor gilt jedoch die Zusammensetzung und Leistung der Darmflora.

Eine weitere Ursache für FM und IFI sind Krankheiten wie Morbus Crohn, aber auch starker Stress oder bestimmte Medikamente (besonders Antibiotika), weil sie die Schleimhaut des Dünndarms oder die Darmflora schädigen.

Übrigens enthalten viele industriell gefertigte Lebensmittel so viel Fruktose, dass selbst gesunde Menschen, die keinen GLUT-5-Defekt haben, mit Magen-Darm-Beschwerden reagieren. Dies ist ab einer aufgenommenen Menge von etwa 35 Gramm Fruktose der Fall.

Welche Symptome löst die Krankheit aus?

Nicht jede Unverträglichkeit von Fruchtzucker führt zwangsläufig zu Symptomen. Eine wichtige Rolle spielt die aufgenommene Menge der Zuckerart. So haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass über 25 g Fruchtzucker pro Tag bei rund einem Drittel aller Personen mit Fruktosemalabsorption zu akuten Beschwerden führen:

Zu den typischen Symptomen zählen:

Bauchschmerzen

Fruktoseintoleranz kann Durchfall und Verstopfung im Wechsel verursachen. (c) Colourbox

Wird die Fruktose-Unverträglichkeit nicht rechtzeitig erkannt, können langfristig weitere Erkrankungen und Symptome entstehen, wie etwa:

Wie erkennt der Arzt eine Fruktoseintoleranz?

Ein Wasserstoff-Atemtest (H2-Atemtest) kann zeigen, ob eine Fruktosemalabsorption vorliegt. Hierbei muss der Patient auf nüchternem Magen (er hat 12 Stunden zuvor nur Wasser zu sich genommen) in ein Messgerät pusten. Der Arzt misst bei der Diagnose zunächst, wie viel Wasserstoff sich in der ausgeatmeten Luft befindet. Der Wert sollte bei einem Anteil von nahezu null Prozent liegen.

Im Anschluss daran trinkt die Testperson eine Lösung aus Wasser und Fruktose (25g). Ihr Wasserstoffgehalt im Atem wird ca. 40 Minuten bis zwei Stunden lang in festgelegten Abständen von rund 15 bis 30 Minuten erneut gemessen. Liegt der Wasserstoffgehalt nun deutlich höher als bei nüchterner Messung, ist von einer FM auszugehen.

Der Grund: Bei Menschen mit FM gelangt zu viel Fruktose in den Dickdarm, wo sie von Bakterien teils zu Wasserstoff umgewandelt wird. Dieser gelangt über den Blutkreislauf in die Lunge und kann dann über die Atemluft gemessen werden.

Mit einem H2-Atemtest können Unverträglichkeiten aufgedeckt werden.

Ein H2-Atemtest kann Unverträglichkeiten aufdecken. (c) powerofforever / iStock

Diagnostiziert der Arzt neben dem positiven Testergebnis auch Symptome wie Magen-Darm-Beschwerden, handelt es sich wahrscheinlich um eine intestinale Fruktoseintoleranz. Auch eine vorübergehende IFI ist möglich, etwa wenn die Darmflora aufgrund einer Antibiotikabehandlung oder Magen-Darm-Erkrankung geschwächt ist. Daher wird der Arzt auch nach der Einnahme von Medikamenten und nach der allgemeinen Krankheitsgeschichte fragen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Hat der Mediziner eine Fruktose-Unverträglichkeit festgestellt, wird er zunächst eine Karenzphase empfehlen: Betroffene verzichten mehrere Wochen lang auf Fruktosehaltige Lebensmittel, um ihr Verdauungssystem zu entlasten und etwaige Symptome zu lindern.

Danach dürfen sie langsam wieder kleine Mengen Fruchtzucker zu sich nehmen. Dauerhaft und komplett auf Fruchtzucker zu verzichten ist prinzipiell nicht ratsam, da hierbei die Leistung der Glut-5-Transporter noch weiter abnehmen könnte und die Unverträglichkeit verschlimmern würde.

Betroffene sollten ihren Körper dabei genau beobachten und sich in einem Ernährungstagebuch notieren, was sie gegessen haben und bei welchen Lebensmitteln bzw. welchen Mengen Fruchtzucker Sie Symptome bemerkt haben. Der Mediziner oder ein Ernährungsberater werden dementsprechend einen individuell angepassten Ernährungsplan empfehlen. Um einem Nährstoffmangel vorzubeugen, kann es bei starker Ausprägung der Intoleranz auch ratsam sein, Supplements wie Multivitaminpräparate einzunehmen. Dies sollte aber nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Medikamente mit dem Enzym Xylose-Isomerase fördern die Aufnahme von Fruktose im Dünndarm, und können Betroffene bei ihrer Ernährung unterstützen. Besprechen Sie die Einnahme jedoch mit Ihrem Arzt.

Diese Lebensmittel sollten vermieden werden

  • Süßigkeiten wie Eiscreme, Schokolade oder Kuchen
  • die meisten Obstsorten, Trockenfrüchte, Marmelade, Fruchtsaft, Limonade, Wasser mit Fruchtgeschmack
  • einige Gemüsearten wie Tomaten (und Tomatenketchup), Lauch, Zwiebeln
  • süße Weine und Liköre
  • Fertigsaucen und -gerichte
  • Honig, Agavendicksaft, Maissirup

Als hilfreich hat sich zudem die sogenannte FODMAP*-Diät erwiesen.

*FODMAP steht für fermentable oligosaccharide, disaccharides, monosaccharides, and polyols.

Hierbei vermeiden die Patienten nicht nur Fruchtzucker an sich, sondern u.a. auch die folgenden Zuckerarten:

  • Oligofruktose, polymere Oligofruktose (Inulin), z.B. in Pastinaken, Topinambur und Schwarzwurzeln
  • Raffinose, Stachyose, Verbascose, welche u.a. in Hülsenfrüchten und Zwiebeln vorkommen
  • Zuckeralkohole wie Mannit, Sorbit und Xylit, welche oft in Diät-Softdrinks, Kaugummis oder „Light“-Produkten stecken, aber auch in Tabletten enthalten sein können. Sie beeinträchtigen die Fruchtzucker-Aufnahme im Dünndarm und können Beschwerden daher verstärken.

> Erfahren Sie hier mehr über die FODMAP-Diät

Zucker steckt in Ketchup, Wurst und Weißbrot

Fast Food enthält oft mehr Fruchtzucker als zunächst vermutet. (c) Colourbox

Weitere Tipps zur Ernährung bei Fruktoseintoleranz

  • Stärken Sie Ihre Darmflora, indem Sie ausreichend Präbiotika (z.B. Sauerkraut) essen.
  • Achten Sie beim Einkauf auf die Inhaltsangaben bestimmter Lebensmittel und prüfen Sie diese genau.
  • Glukose kann die Leistung von GLUT-5-Transportern erhöhen und damit die Fruktoseverwertung verbessern sowie die Aufnahme von zu viel Fruktose in die Körperzellen hemmen. Wählen Sie daher Obst mit einem ausgewogenen Fruktose-Glukose-Verhältnis wie etwa Bananen oder Mandarinen. Tipp: Wenn Sie auswärts essen und nicht wissen, wie viel Fruktose die Speise enthält, essen Sie zusätzlich ein Stück Traubenzucker, um Beschwerden abzumildern oder vorzubeugen.
  • Konsumieren Sie mehr Gemüse statt Obst. Gemüsesorten mit wenig Fruktose sind u.a. Spinat, Fenchel oder Champignons.
  • Essen Sie ausreichend gesunde Fette: Sie erhöhen die Verweildauer von Nahrungsmitteln im Magen-Darm-Trakt. So hat der Dünndarm hat mehr Zeit, den Fruchtzucker richtig zu verwerten.
  • Nutzen Sie fruktosefreien Reissirup als Süßungsmittel.

> Laktoseintoleranz: Nie wieder Milch?

Wie sind die Heilungschancen?

Eine intestinale Fruktoseintoleranz kann akut entstehen und wieder abklingen, sobald sich der Darm erholt hat. Manchmal bleibt sie jedoch auch langfristig bestehen. So können Personen mit IFI also nicht immer von der Unverträglichkeit geheilt werden, jedoch kann die Auswahl der richtigen Lebensmittel erheblich dazu beitragen, dass kaum bis gar keine Beschwerden mehr auftreten und keine Folgekrankheiten entstehen. Allerdings erfordert dies Disziplin und fundierte Kenntnisse über die richtige Ernährung.

Bei Kleinkindern kann IFI kurzfristig auftreten, wenn sie beginnen, verstärkt Obst und Fruchtsaft zu konsumieren. Diese Art der Unverträglichkeit klingt meist schnell wieder ab. Ist eine Bakterienfehlbesiedlung (z.B. aufgrund von Antibiotika) die Ursache für die Beschwerden, stehen die Heilungschancen einer Fruktoseintoleranz sehr gut.

Die Unverträglichkeit kann nicht hundertprozentig verhindert werden. Jedoch können eine gesunde Darmflora und kein dauerhafter, übermäßiger Verzehr von Fruktose dazu beitragen, dass keine starken Beschwerden auftreten.

Sonderform hereditäre Fruktoseintoleranz

Eine seltene, aber sehr schwere Ausprägung der Fruchtzucker-Unverträglichkeit ist die erblich bedingte hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI). Fruchtzucker muss bei dieser Erbkrankheit komplett gemieden werden, weil er sonst lebensbedrohlich sein kann.

HFI wird durch einen gestörten Fruktosestoffwechsel verursacht: Den Betroffenen mangelt es an Adolase B, einem Enzym, dass bei der Verwertung von Fruktose über die Leber eine wichtige Rolle spielt. Ein Mangel an diesem Enzym führt zu einer gehemmten Aufnahme von Glukose (Traubenzucker) in die Körperzellen und es entstehen toxische Stoffwechselzwischenprodukte.

Folgende Symptome können bei einer hereditären Fruktoseintoleranz auftreten:

  • Unterzuckerung (Hypoglykämie)
  • Schockzustände, Apathie
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bauchschmerzen, Durchfall
  • Gerinnungsstörungen
  • Krampfanfälle
  • schlimmstenfalls Organschäden und -versagen u.a. an Leber und Nieren

Normalerweise wird HFI schon früh diagnostiziert, da bereits Säuglinge, die mit Fruktosehaltiger Beikost in Kontakt kommen, mit sehr starken Beschwerden reagieren. Bei Verdacht auf hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI) darf dann keinesfalls ein Wasserstoffatomtest durchgeführt werden! Der zugeführte Fruchtzucker könnte einen lebensgefährlichen Schock oder irreparable Organschäden auslösen. Für eine HFI-Diagnose kann der behandelnde Mediziner einen Gentest anordnen oder eine Gewebeprobe aus Leber, Dünndarm oder Nieren entnehmen und überprüfen, ob es am Enzym Adolase B mangelt.

Eine HFI ist nicht heilbar, denn bislang gibt es noch kein Medikament, welches die mangelnden Enzyme ausreichend ersetzt. Doch auch Personen mit der angeborenen Fruktoseintoleranz können gut leben, solange sie Fruktose strikt vermeiden.

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