Magen & Darm

Gastritis

Bei Gastritis rebelliert die Magenschleimhaut und entzündet sich. Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind die Folge. Wer weiß, was die Erkrankung auslöst, kann ihr vorbeugen. Auch die Heilungschancen stehen gut. Wir erklären Ursachen, Symptome und Therapien bei Gastritis – und welche Rolle Bakterien dabei spielen.

Was ist Gastritis?
Was sind die Ursachen von Gastritis?
Welche Symptome zeigen sich?
Welche Folgen kann die Erkrankung haben?
Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?
Wie lässt sich Gastritis behandeln?
Wie kann man Gastritis vorbeugen?
Wie gut sind die Heilungschancen?

Was ist Gastritis?

Der Magen ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die mit Drüsen besetzt ist und – je nach Magenfüllung – in Falten gelegt ist. Sie nimmt viele Funktionen wahr – eine sehr wichtige davon: Sie ist eine innere Schützhülle des Magens, die dafür sorgt, dass ihm die aggressive Magensäure nichts anhaben kann. Wird die Schleimschicht durch bestimmte Faktoren gereizt und geschädigt, kann die Säure bis zur darunterliegenden Magenwand vordringen. Dort verursacht sie eine Entzündung, die als Gastritis bezeichnet wird.

Die Magenerkrankung kann akut auftreten oder sich schleichend über einen langen Zeitraum zur chronischen Gastritis entwickeln.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts hat jeder fünfte Erwachsene schon einmal die Diagnose Gastritis erhalten. In der Altersgruppe unter 65 Jahren leiden Frauen deutlich häufiger an der Magenschleimhautentzündung als Männer.

Was sind die Ursachen von Gastritis?

Tritt eine Gastritis plötzlich auf, kann diese akute Form der Magenschleimhautentzündung ausgelöst worden sein, durch …

  • eine Infektion mit einem Keim, vor allem mit dem Bakterium Helicobacter pylori, dem Hefepilz Candida albicans oder Herpes-Viren
  • die häufige oder hoch dosierte Einnahme von Medikamenten wie Azetylsalicylsäure (Aspirin), Diclofenac oder Kortison
  • zu viel Alkohol oder Nikotin
  • große psychische Belastungen (Stress, Trauer, Depression)
  • Lebensmittel, die den Magen reizen (Kaffee, scharfe Gewürze)
  • eine Strahlentherapie

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In seltenen Fällen können auch körperliche Belastungen wie eine Langzeit-Beatmung, Verbrennungen oder Leistungssport die Entzündung verursachen.

Die chronische Gastritis wird – je nach Auslöser – in Typen unterteilt:

Typ A ist die Folge einer seltenen Autoimmunkrankheit, bei der der Körper selbst die Magenschleimhaut schädigt und so anfällig für Entzündungen macht. Nur etwa 5 Prozent der Erkrankungen sind darauf zurückzuführen.

Typ B macht 85 Prozent der Gastritis-Erkrankungen aus und wird durch Bakterien ausgelöst – vor allem durch Helicobacter pylori. Das Bakterium setzt sich in der Magenschleimhaut fest und beeinflusst von dort aus die Regulierung der Magensäure (die ihm selbst nichts anhaben kann) – mit schädlichen Folgen für die Magenschleimhaut.

Jede zehnte chronische Gastritis wird durch chemische Substanzen ausgelöst (Typ C). Wer über einen langen Zeitraum Schmerzmittel einnimmt (NSARs), ist hierfür besonders anfällig. Außerdem kann die aggressive Magensäure zum Auslöser werden, wenn zu viel davon produziert wird – ebenso wie Gallenflüssigkeit, die aus dem Zwölffingerdarm in den Magen zurückfließt (Fachbegriff: Gallenreflux). Das kann nach einer Magen-Operation der Fall sein.

Welche Symptome gibt es?

Bei einer akuten Gastritis ist die Magenschleimhaut auf einmal so stark gereizt, dass sie zum einem sehr schmerzempfindlich ist und zum anderen ihre eigentlichen Funktionen für die Verdauung nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Betroffene leiden daher vor allem nach dem Essen unter …

> Verdauungsstörungen, Übelkeit und Appetitlosigkeit

Im Gegensatz zur akuten Form entwickelt sich die chronische Gastritis schleichend und ihre frühen Symptome sind so schwach ausgeprägt, dass die Erkrankung lange unentdeckt bleibt. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Beschwerden im Oberbauch: Blähungen, brennende Schmerzen, Aufstoßen und Völlegefühl – vor allem nach den Mahlzeiten. Schwer verdauliche Gerichte werden dann zum echten Problem.

Begünstigen eine Gastritis: Kaffee und Zigaretten

Kaffee und Stress: beides sind mögliche Auslöser einer Gastritis

Eine Gastritis, die so stark ist, dass die geschädigte Schleimhaut blutet, ist ein Notfall und muss umgehend behandelt werden. Symptome sind dann schwarzer Stuhl und Blutspuren im Erbrochenen.

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Welche Folgen kann Gastritis haben?

Eine Gastritis ist, vorausgesetzt sie bleibt eine einmalige Angelegenheit, keine Gefahr für die Gesundheit des Magens. Doch hat die Magenschleimhaut wiederholt mit Entzündungen zu kämpfen, kann sie nachhaltig geschädigt und die Erkrankung chronisch werden.

Eine chronische Gastritis erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Magengeschwür zu entwickeln, um das Sechs- bis Achtfache. Auch am Zwölffingerdarm können sich Geschwüre bilden. Schreitet die Erkrankung über Jahre fort, kann sich die Schleimhaut derart verändern, dass sich bösartige Tumore bilden (Fachbegriff: intestinale Metaplasie). Das heißt konkret: Chronische Gastritis kann zu Magenkrebs führen.

Eine Folge der Gastritis vom Typ A (Autoimmunkrankheit) kann Blutarmut sein. Der Grund: Die Magenschleimhaut bildet sich zurück, so dass der Nahrung nicht mehr genügend Vitmain B12 entzogen werden kann. Auch der Befall mit Helicobacter pylori (Typ B) kann eine solche Veränderung der Schleimhaut bewirken und dadurch zu Blutarmut und Eisenmangel führen.

> Vitamin-B12-Mangel: Zu wenig macht müde

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Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?

Der Experte für Magenerkrankungen ist der Gastroenterologe, aber auch der Allgemeinmediziner ist für eine Akutversorgung der richtige Ansprechpartner.

Das Vorgespräch

Im Mittelpunkt des Gesprächs mit dem Arzt stehen folgende Fragen:

  • Was sind die genauen Beschwerden?
  • Gab es Vorerkrankungen?
  • Wie sieht der tägliche Speiseplan aus?
  • Wie viel Alkohol wird getrunken? Raucht der Patient?

Die körperliche Untersuchung

Anschließend wird der Betroffene körperlich untersucht: Durch Abtasten wird ermittelt, ob der Oberbauch schmerzt. Per Ultraschalluntersuchung werden weitere Informationen über mögliche organische Ursachen gesammelt.

Sind die Befunde nicht eindeutig, ist der nächste Schritt eine Magenspiegelung (Gastroskopie): Durch ein Endoskop sichtet der Arzt relevanten Stellen im Magen, der Speiseröhre und dem Zwölffingerdarm und entnimmt eventuell etwas Gewebe. Durch diese schmerzfreie Untersuchung kann eine Gastritis im Normalfall eindeutig festgestellt werden.

Begleitend dazu gibt die Analyse des Blutes Aufschluss über Entzündungen oder Keime im Körper. Im Falle einer chronischen Magenschleimhautentzündung kann so festgestellt werden, um welchen Typ von Gastritis es sich handelt.

Sonderfall: Infektion mit Helicobacter pylori

Ob die Magenschleimhaut des Patienten mit dem schädlichen Bakterium besiedelt ist, kann mit Blut- oder Stuhlproben, aber auch mit einem Atemtest nachgewiesen werden. Aus Gewebeproben können zudem Bakterien im Labor nachgezüchtet und identifiziert werden.

Wie lässt sich Gastritis behandeln?

Die Entzündung abklingen lassen – das ist das Ziel der Behandlung. Dazu muss als erstes alles, was sie verursacht hat, abgestellt werden: Schmerzmittel, Kaffee, Nikotin oder Alkohol sind erst einmal tabu. Zwei Tage lang sollte auf feste Nahrung verzichtet werden. Dann ist Schonkost angesagt in Form von Tee, Haferbrei und Zwieback. Der Betroffene sollte außerdem das Bett hüten. Im weiteren Behandlungsverlauf ist es besser, die Mahlzeiten als kleine Portionen (dafür öfter) einzunehmen – das schont den strapazierten Magen.

> Schonkost: Erholung für den Magen

Hausmittel bei Gastritis sind Tees mit Kamilleblüten, Schafgarbenkraut und Süßholzwurzel. Auch Tropfen mit den Wirkstoffen aus den Heilkräutern sind empfehlenswert – ebenso wie eine Wärmflasche.

Medikamente bei Gastritis

In Absprache mit dem Arzt können die Patienten zusätzlich Medikamente einnehmen. Sie fördern die Heilung der Magenschleimhaut auf unterschiedliche Weise:

  • Antiazida neutralisieren die Magensäure und sind bei leichten Beschwerden zu empfehlen (Apotheke, rezeptfrei)
  • H2-Rezeptor-Blocker verringern die Produktion von Magensäure um etwa 60 Prozent (verschreibungspflichtig, vor allem für nachts)
  • Protonenpumpenhemmer reduzieren die Säureproduktion um 90 Prozent (verschreibungspflichtig)
  • Prokinetika entkrampfen den Magen und regen die natürliche Magenbewegung an

Wie kann man einer Gastritis vorbeugen?

Wer die Ursachen (s)einer Magenschleimhautentzündung kennt und sie konsequent vermeidet, hat schon viel dafür getan, nicht (erneut) daran zu erkranken. Alles, was die Produktion von Magensäure anregt, ist kontraproduktiv. Grundsätzlich ist ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Entspannung und leichtem Essen die beste Methode, der Magenschleimhautentzündung vorzubeugen.

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Wie gut sind die Heilungschancen?

Eine akute Gastritis braucht – mit entsprechender Therapie – nur wenige Tage, um schnell und ohne Folgen für den Magen auszuheilen.

Eine Gastritis vom Typ A (Autoimmunerkrankung) ist bis dato nicht heilbar. Betroffene müssen ein Leben lang Vitamin B12 ergänzend zu sich nehmen und ihr erhöhtes Risiko für Magenkrebs im Auge behalten.

Bei einer Gastritis vom Typ B ist eine Kombinationstherapie mit Antibiotika angeraten. Sie führt in 90 Prozent der Fälle zur völligen Heilung. Rückfälle sind sehr selten. Eine Nachuntersuchung ist nach vier bis sechs Wochen fällig. Anschließend sind Kontrolluntersuchungen in größeren Abständen sinnvoll. Die chronische Gastritis vom Typ C (Medikamente) heilt gut aus, wenn die Ursachen abgestellt wurden. Bleibende Schäden sind dann nicht zu erwarten.