Gesunde Frau

Gebärmutterhalskrebs

Das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, ist in Deutschland in den letzten Jahren drastisch gesunken. Vor allem, weil die Möglichkeiten der Vorsorge und Früherkennung sich enorm verbessert haben. Doch nur wer sie wahrnimmt, kann davon profitieren. Und nach wie vor gilt: Selbst wer regelmäßig zur Vorsorge geht, kann an Gebärmutterhalskrebs erkranken.

Was ist Gebärmutterhalskrebs?
Was löst die Erkrankung aus?
Welche Frau ist besonders gefährdet?
Welche Symptome verursacht die Erkrankung?
Wie erkennt der Arzt Gebärmutterhalskrebs?
Wie lässt sich das Karzinom behandeln?
Wie gut sind die Heilungschancen?
Welche Folgen kann die Erkrankung haben?
Wie kann man Gebärmutterhalskrebs vorbeugen?

Was ist Gebärmutterhalskrebs?

Der Gebärmutterhals am Ende der Gebärmutter verbindet das Organ mit der Scheide. Er hat die Form eines Schlauchs, besteht aus kräftigen Muskeln und ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Er endet mit dem Muttermund, der wiederum an die Scheide anschließt.

Dort wo die Schleimhaut des Gebärmutterhalses und die der Scheide aufeinander treffen, bilden sich Krebszellen am häufigsten – meist an der Oberfläche (Plattenepithelkarzinome), in manchen Fällen jedoch in den Drüsenzellen (Adenokarzinome) der Schleimhaut.

Bereits bevor sich Krebszellen zeigen, lassen sich veränderte Zellen – sogenannte Vorstufen – nachweisen.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 6.000 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs (Fachbegriff: Zervixkarzinom). Davon sterben etwa 2.000 pro Jahr an den Folgen der Erkrankung. Vorsorgeuntersuchungen verringern das Risiko einer Erkrankung und sollten einmal jährlich wahrgenommen werden. In 80 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs haben die betroffenen Frauen in den Jahren vor der Erkrankung diese Untersuchungen versäumt.

Was löst die Erkrankung aus?

Der Auslöser von Gebärmutterhalskrebs ist das Human Papillom Virus (Kurzform: HPV). Wichtig: Eine Infektion mit HPV führt nicht zwangsläufig zu einer Krebserkrankung – sie ist eine seltene, aber mögliche Folge davon. Es sind mehr als 120 Unterarten von HPV bekannt. Die harmloseren davon können im Intimbereich sogenannte Feigwarzen verursachen. 20 davon können Krebs auslösen und werden deshalb “Hochrisikotypen” genannt.

Die wichtigsten Hochrisikotypen sind HPV16 und HPV18. Für etwa 50 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs ist HPV16 verantwortlich.

>Erfahren Sie mehr über HPV

Bis sich nach einer Infektion ein Krebsvorstufe bildet, vergehen im Durchschnitt 10 Jahre. Weitere 10 Jahre braucht es, bis aus den veränderten Zellen Krebs wird. Der Krebs entwickelt sich also sehr langsam und über viele Vorstufen. Aber: Aus den meisten Vorstufen wird kein Krebs. Nur ein bis drei Prozent der durch HPV veränderten Zellen werden zu einem Zervixkarzinom. Das heißt umgekehrt: 97 bis 99 Prozent der Vorstufen sind harmlos beziehungsweise bilden sich wieder zurück.

Durch eine Impfung ist ein Schutz vor HPV möglich. Voraussetzung: Es besteht noch keine Infektion mit dem Virus. Die Ständige Impfkomission empfiehlt die HPV-Impfung deshalb bereits für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren. Doch HPV ist sehr verbreitet und mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau bereits damit infiziert ist. Ein Impfschutz ist dann nicht mehr möglich.

> Die wichtigsten Fakten zu HPV

Welche Frau ist besonders gefährdet?

Das Virus wird vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen – allerdings nicht durch Sperma oder Scheidenflüssigkeit, sondern durch Kontakt der Schleimhäute. Grundsätzlich kann sich also jede Frau, die sexuell aktiv ist, mit HPV anstecken. Kondome schützen nur bedingt vor einer Ansteckung, da sie nicht alle potenziell ansteckenden Bereiche bedecken.

Wer sich infiziert hat, bemerkt dies meist nicht, da Symptome nur sehr selten auftreten. Bei der großen Mehrheit der infizierten Frauen (90 Prozent) heilt die Infektion von selbst aus: Ihr Immunsystem hat spätestens drei Jahre nach der Ansteckung das Virus erfolgreich bekämpft. Je jünger die Frau ist, desto wahrscheinlicher ist das. In zehn Prozent der Fälle kann sich das Virus dem Immunsystem länger widersetzen und Zellveränderungen am Gebärmutterhals hervorrufen.

Eine überstandene Infektion ist kein 100prozentiger Schutz vor erneuter Ansteckung. Eine Bekämpfung des Virus durch Medikamente ist nicht möglich.

Welche Risikofaktoren gibt es noch?

Einer Krebserkrankung des Gebärmutterhalses geht immer eine Infektion mit HPV voraus. Erbliche Faktoren spielen bei dieser Krebserkrankung keine Rolle. Es gibt jedoch Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit, dass eine HPV-positive Frau ein Zervixkarzinom entwickelt, erhöhen.

Solche sogenannten Kofaktoren sind:

  • Takakkonsum: Experten gehen davon aus, dass die Giftstoffe im Tabak die Widerstandskraft der Schleimhautzellen herabsetzen.
  • Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille über fünf Jahre oder länger
  • Häufiger Wechsel der Sexualpartner
  • Chlamydien-Infektion 
  • ein allgemein geschwächtes Immunsystem (zum Beispiel durch eine HIV-Infektion oder Mangelernährung)
  • Herpes-Simplex-Infektion

Wie bei jeder Krebserkrankung ist auch bei Gebärmutterhalskrebs das fortschreitende Lebensalter ein Risikofaktor.

Welche Symptome verursacht die Erkrankung?

Charakteristische Symptome lassen sich weder für Vorstufen noch Frühformen des Gebärmutterhalskrebses noch für den Tumor selbst feststellen. Im frühen Stadium verursacht das Karzinom keine Schmerzen. Hat es eine gewisse Größe erreicht, können leichte Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr oder anhaltender Ausfluss ein Hinweis auf die Erkrankung sein.

Ältere Frau mit Gebärmutterhalskrebs

Ältere Frauen haben ein höheres Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.

Wie erkennt der Arzt Gebärmutterhalskrebs?

Da ein Zervixkarzinom keine typischen Symptome zeigt, erkennt der Arzt die Erkrankung meist im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung. Die Zellveränderungen finden vor allem auf der Oberfläche des Muttermundes statt (Plattenepithelkarzinom), deshalb kann sie der Gynäkologe relativ leicht aufspüren. Sind die Drüsenzellen im Inneren des Gebärmutterhalses verändert (Adenokarzinome), sind sie und ihre Vorstufen weitaus schwieriger zu entdecken.

Die erste Maßnahme zur Feststellung von Gebärmutterhalskrebs ist der Pap-Test.

Pap-Test: Dafür werden Zellen von der Oberfläche des Muttermundes sowie aus dem Gebärmutterhals entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Auffällige Zellen werden bewertet und in Risiko-Kategorien eingeteilt. Wichtig: Der Pap-Test ist in Deutschland nicht qualitätsgesichert. Negative wie positive Befunde sind häufig fehlerhaft. Etwas 50 bis 80 Prozent aller Frauen, die regelmäßig die Möglichkeiten der Früherkennung wahrnehmen, erhalten einmal in ihrem Leben einen auffälligen Pap-Befund.

Ist das Ergebnis der zytologischen Bewertung ein positiver Pap-Befund und lässt er sich bestimmten Risiko-Pap-Gruppen zuordnen, ist eine Gewebeprobe (Biopsie) ratsam, um die Zellveränderungen genauer zu beurteilen. Anschließend wird der Arzt gemeinsam mit der Patientin über das weitere Vorgehen entscheiden.

Wie lässt sich das Karzinom behandeln?

Welche Behandlung eines Zervixkarzinom die richtige ist, hängt entscheidend davon ab, welches Gewebe befallen ist, wie groß der Tumor ist und in welchem Stadium er sich befindet. Befindet sich der Krebs in einem frühen Stadium, kann er meist operativ entfernt werden (Fachbegriff: Konisation).

Ist bereits umliegendes Gewebe vom Karzinom betroffen, ist die Entfernung der gesamten Gebärmutter (Hysterektomie) eine mögliche Therapiemaßnahme, die meist von einer weiträumigen Entfernung der Lymphknoten begleitet wird. Mitunter wird eine Chemotherapie im Anschluss an die Operation empfohlen.

In manchen Fällen ist eine Bestrahlung des erkrankten Gewebes das Mittel der Wahl. Sie kommt auch noch in Frage, wenn ein Karzinom nicht mehr operativ entfernt werden kann.

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Wie gut sind die Heilungschancen?

Wurden die Gewebeveränderungen operativ entfernt, fällt der Pap-Test anschließend wieder normal aus. In seltenen Fällen (1 Prozent) treten anschließend erneut Zellveränderungen auf.

Welche Folgen kann die Erkrankung haben?

Wurde durch die Konisation der Gebärmutterhals verkürzt oder vernarbt er anschließend zu stark, kann es zu Problemen während der Schwangerschaft und Geburt kommen. Frauen, bei denen vor der Schwangerschaft eine Konisation erfolgte, haben häufiger vorzeitige Wehen, einen Blasensprung oder eine Infektion.

Weitere Auswirkungen der Operation sind noch nicht ausreichend erforscht. Betroffene Frauen berichten jedoch vereinzelt von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, häufigen Scheideninfektionen und -trockenheit.

Wie kann man Gebärmutterhalskrebs vorbeugen?

Gegen vier HPV-Typen gibt es seit 2006 eine Impfung. Sie schützt vor den Hochrisikotypen HPV18 und 16, sowie vor HPV 6 und 11, die beide Feigwarzen an den Genitalien und im Analbereich verursachen können.

Die jährliche Untersuchung ist für Frauen ab 20 Jahren die zentrale Maßnahme, um veränderte Zellen so früh wie möglich feststellen zu lassen und so eine Krebserkrankung zu verhindern. Wer bereits HPV-infiziert ist, kann durch das Vermeiden der Risikofaktoren und durch gesunde Lebensführung sein Risiko reduzieren, ein Zervixkarzinom zu entwickeln.