Gesundheit kompakt

Genickbruch – nicht immer tödlich

Beim Wort „Genickbruch“ denken viele an ein Horror-Szenario. In manchen Fällen trifft das tatsächlich zu und der Bruch der Halswirbelsäule endet tödlich oder mit einer dauerhaften Lähmung. Es gibt jedoch auch leichte Formen, die sich durchaus heilen lassen und sogar ohne Folgen bleiben.

Was ist ein Genickbruch?
Was sind die Ursachen eines Genickbruchs?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt einen Genickbruch?
Wie wird ein Genickbruch behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei einem Genickbruch?

Was ist ein Genickbruch?

Unter einem Genickbruch versteht man allgemein einen Bruch der Halswirbelsäule. Er kann an einem der sieben Halswirbel entstehen. Dieser Bereich stellt den oberen Teil der Wirbelsäule dar, der aus den Wirbelkörpern, Bandscheiben, Muskeln, Bändern und den Nervenbahnen besteht. Der erste Halswirbel wird als Atlas bezeichnet, der zweite als Axis. Durch das Gelenk zwischen diesen beiden können wir den Kopf nach rechts und links drehen. Die weiteren Halswirbel sind von 3 bis 7 durchnummeriert und ermöglichen, dass wir den Kopf beugen und strecken können.

Dementsprechend unterscheiden Ärzte einen Genickbruch in

  • Genickbruch der oberen Halswirbelsäule (Atlas und Axis)
  • Genickbruch der unteren Halswirbelsäule (an einem der Halswirbel 3 bis 7)

In jedem Bereich gibt es wiederum verschiedene Bruchmöglichkeiten, die unterschiedlich schwere Folgen haben können und auch unterschiedlich behandelt werden. Ein Genickbruch kann beispielsweise an den Gelenkflächen, am Wirbelknochen, an den Bandscheiben oder an der Bänderstruktur entstehen.

Schäden des Rückenmarks bei Genickbruch

Kommt es im Bereich der Halswirbelsäule nun zu einem Bruch, ist die Bewegung des Kopfes stark eingeschränkt und Nervenbahnen können eingeklemmt werden. In etwa 70 Prozent der Verletzungen der Halswirbel ist auch das Rückenmark geschädigt. Denn der Wirbelsäulenkanal ist im oberen Teil der Wirbelsäule enger als im unteren. Ein Genickbruch kann deshalb häufig zur Lähmung oder sogar zum Tod führen.

Bei Menschen, die sich selbst erhängen, ist der Bruch im Bereich des zweiten Halswirbels tödlich. Diesen Bruch, der durch eine Schlinge um den Hals entsteht, bezeichnen Mediziner deshalb als Hangman-Fracture.

Schleudertrauma ist kein Genickbruch

Nach einem Verkehrsunfall wird oft die Diagnose Schleudertrauma gestellt. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Verletzung der Halswirbelsäule. Allerdings sind dabei nur die Weichteile betroffen, nicht die Wirbel oder Bandscheiben. Am Röntgenbild kann der Arzt keinen Genickbruch oder andere Schäden der Knochenstruktur erkennen. Dennoch leiden die Betroffenen bei einem Schleudertrauma oft lange Zeit unter Schmerzen.

>Wie gefährlich ist ein Schleudertrauma?

Was sind die Ursachen eines Genickbruchs?

In den meisten Fällen ist ein Unfall die Ursache für den Bruch der Halswirbelsäule. Typische Verletzungsursachen sind:

  • Autounfall
  • Motorradunfall
  • Fahrradunfall
  • Sportunfall
  • Reitunfall
  • Kletterunfall

Die Halswirbel können durch einen Sturz mit Aufprall des Kopfes brechen, ebenfalls durch eine plötzliche Erschütterung, bei der sich der Kopf ruckartig nach vorne beugt oder überstreckt wird. Eine häufige Ursache ist deshalb ein Auffahrunfall. Doch auch ein Kopfsprung in zu niedriges Gewässer oder riskante Sportarten wie Turnen, Boxen oder Wrestling können einen Bruch der Halswirbel verursachen. Eher selten kommt ein Genickbruch ohne Unfall oder Sturz vor.

>Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung?

Genickbrüche entstehen oft beim Sport oder im Straßenverkehr. (c)danielkoke/Fotolia

Was sind die Symptome?

Im Falle eines Genickbruchs treten einige typische Anzeichen auf:

  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Schwindel
  • Schmerzen beim Drehen des Kopfes

Ist das Rückenmark durch den Genickbruch ebenfalls geschädigt, kommen weitere Symptome hinzu:

  • Kribbeln oder Taubheit in den Armen
  • Probleme bei der Atmung

Außerdem kann eine Lähmung in einem oder in beiden Armen auftreten. Sind auch die Beine betroffen, kann der Genickbruch eine Querschnittslähmung verursacht haben.

Vorsicht: Beim Verdacht auf einen Genickbruch sollte der Kopf sofort fixiert und nicht mehr bewegt werden, bis der Arzt eine Diagnose gestellt hat!

>Was hilft gegen Nackenschmerzen?

>Was tun bei Schwindel?

Wie erkennt der Arzt einen Genickbruch?

Bei einem schweren Unfall sind die Sanitäter meist die Ersten, die eine schnelle Diagnose stellen müssen. Sie untersuchen den Betroffenen und können anhand der Symptome und des Unfallhergangs erkennen, ob möglicherweise ein Genickbruch vorliegt. Um den Verdacht zu bestätigen, sind jedoch weitere Untersuchungen im Krankenhaus nötig.

Auch wenn der Patient nach einem leichten Auto- oder Sportunfall selbst in der Lage ist, in die Praxis zu kommen, wird der Arzt in jedem Fall eine Untersuchung durch bildgebende Verfahren durchführen. Um die Diagnose Genickbruch zu stellen – oder noch besser auszuschließen – gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Röntgen
  • CT (Computertomographie)
  • MRT (Magnetresonanztomographie)

Anhand der Aufnahmen der Halswirbelsäule erkennt der Arzt deutlich, ob ein Bruch des Wirbels oder eine Schädigung der Bandscheiben vorliegt.

>Was passiert in einem CT und MRT?

Neurologische Tests bei Genickbruch wichtig

Zusätzlich werden noch verschiedene neurologische Tests durchgeführt, um die Funktion der Nervenbahnen zu überprüfen und den Bruch genau zu lokalisieren. Beispielsweise berührt der Arzt verschiedene Körperregionen wie Arme, Beine oder Schultern, um zu testen, ob der Patient die Berührung spürt. Daraus lässt sich ableiten, welche Halswirbel noch intakt sind und an welcher Stelle der Bruch entstanden ist.

Außerdem wird der Betroffene aufgefordert, Arme und Beine zu bewegen. Ist beides nicht möglich, liegt vielleicht eine Querschnittslähmung vor. Besteht der Genickbruch an einem der oberen drei Wirbel, ist eine Beatmung notwendig, da dadurch das Zwerchfell gelähmt ist und der Betroffene ersticken könnte.

Nach dem Unfall darf der Kopf nicht bewegt werden. (c) New Africa/Fotolia

Wie wird ein Genickbruch behandelt?

Am Unfallort ist die erste Maßnahme, den Kopf mit einer steifen Halsstütze zu fixieren. Dadurch wird verhindert, dass durch die Bewegung des Kopfes weitere Schäden entstehen. Nach der Diagnose entscheidet sich, ob ein leichter oder ein schwerer Bruch vorliegt. Je nach Ausprägung verläuft die weitere Therapie.

In leichten Fällen kann es reichen, die Halswirbel für mehrere Wochen mit einem Halskragen zu stützen, bis der Bruch verheilt ist. Bei starken Schmerzen wird die Therapie durch Medikamente unterstützt. Manchmal kann der Arzt auch Krankengymnastik verordnen.

Oft ist eine OP die einzige Rettung

In schweren Fällen hilft nur eine Operation. Um weitere lebensbedrohliche Schäden am Gehirn und am Rückenmark möglichst gering zu halten, ist schnelles Handeln angesagt.

Bei der OP versuchen die Ärzte, den gebrochenen Wirbel zu stabilisieren und in die richtige Position zurück zu bringen. Dadurch kann der Druck auf das Rückenmark verringert werden, was die Überlebenschance erhöht und mögliche Folgeschäden wie eine dauerhafte Lähmung verringern kann. Meist wird die Operation direkt durch Röntgenaufnahmen kontrolliert.

Nach der OP ist eine Reha nötig, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und die Mobilität wiederherzustellen.

Erste Hilfe bei Genickbruch

Kann sich der Betroffene am Unfallort nicht mehr bewegen oder ist sogar bewusstlos, muss in jedem Fall von einem Genickbruch ausgegangen werden. Wer Erste Hilfe leistet, sollte also unbedingt dafür sorgen, dass die Halswirbelsäule stabilisiert und fixiert wird. Zumindest darf der Kopf des Betroffenen nicht bewegt werden, bis der Notarzt eingetroffen ist.

Die weitere Untersuchung muss immer vom Facharzt, also einem Orthopäden oder Unfallchirurgen, durchgeführt werden. Um auf dem Transport Erschütterungen der Halswirbelsäule zu verhindern, kommt oft ein Hubschrauber zum Einsatz.

Wie kann ich vorbeugen?

Ein Genickbruch lässt sich schwer vermeiden, denn Unfälle passieren meist unvorhergesehen. Wer Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko ausführt, sollte entsprechende Schutzbekleidung tragen. Ein Helm für Motorrad oder Fahrrad kann bei einem Verkehrsunfall schlimmeren Verletzungen im Kopfbereich vorbeugen.

Wie sind die Heilungschancen bei einem Genickbruch?

Behandlungsdauer und Heilungschancen richten sich ganz nach der Art und dem Schweregrad des Halswirbelbruchs. In manchen Fällen endet ein Genickbruch tödlich, vor allem, wenn das Rückenmark an den oberen drei Halswirbeln geschädigt ist. Häufig besteht jedoch durchaus eine gute Chance auf Heilung.

Je nachdem ob eine Operation durchgeführt wird oder ob eine Halskrawatte ausreichend ist, beträgt die Heilungsdauer mehrere Wochen bis Monate. Nach einer OP werden die Betroffenen in der Regel auf eine mehrwöchige Reha geschickt.

Die Folgen eines Genickbruchs können schwerwiegend sein. Möglich ist eine dauerhafte Lähmung, im schlimmsten Fall sogar eine Querschnittslähmung. Ebenfalls möglich ist eine eingeschränkte Beweglichkeit des Kopfes. Es gibt jedoch ebenso viele Fälle, in denen ein Genickbruch ohne Spätfolgen ausheilt.