Gesundheit kompakt

Hämangiom

Bei Neugeborenen sind gutartige Wucherungen der Blutgefäße relativ häufig und meistens harmlos. Lesen Sie hier, wann ein Arzt ein Hämangiom trotzdem behandeln  muss, welche Komplikationen drohen und wie die Heilungschancen aussehen.

Was ist ein Hämangiom?
Was sind die Ursachen eines Hämangioms?
Was sind die Symptome eines Hämangioms?
Wie erkennt der Arzt ein Hämangiom?
Wie wird ein Hämangiom behandelt?
Wie kann ich einem Hämangiom vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Hämangiomen?

Was ist ein Hämangiom?

Ein Hämangiom ist laut Definition ein gutartiger Tumor, der in erster Linie bei Neugeborenen und Kleinkindern auftritt. Bei älteren Kindern und Erwachsenen sind diese Neubildungen der Blutgefäße, im Volksmund auch Blutschwämmchen oder Erdbeerfleck genannt, eher selten. Es gibt zwei Arten von Hämangiomen: Das kapilläre Hämangiom besteht aus sehr vielen engen Blutgefäßen, den sogenannten Kapillaren. Es ist die häufigere Form der Blutschwämmchen und in vielen Fällen angeboren. Kavernöse Hämangiome, auch Kavernome genannt, sind oft größer und weisen Gefäßhohlräume auf. Auch sie können von Geburt an bestehen, entwickeln sich aber auch oft in den ersten Lebenstagen des Babys.

Beide Formen dieser Gefäßmissbildung verschwinden mit großer Wahrscheinlichkeit von selbst: Die Chancen für eine spontane Rückbildung sind recht hoch. Und ist das Blutschwämmchen erst einmal verschwunden, entwickeln die Kinder nur selten ein neues.

Gut zu wissen: Hämangiome sind der häufigste gutartige Tumor bei Babys. Zehn bis zwölf Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr entwickeln ein Blutschwämmchen vom Typ kapilläres oder kavernöses Hämangiom. Etwa ein Drittel aller Hämangiome ist angeboren, der Rest zeigt sich meist kurz nach der Geburt. Mädchen sind etwas häufiger von diesen Wucherungen betroffen als Jungen. Bei Frühgeburten werden Blutschwämmchen ebenfalls häufiger beobachtet. Der ICD-Code lautet D18. Gewusst? Das Lymphangiom ähnelt dem Hämangiom, hat seinen Ursprung aber nicht in den Blut-, sondern in den Lymphgefäßen.

Was sind die Ursachen eines Hämangioms?

Infantile, das heißt kindliche Hämangiome entstehen während der Schwangerschaft durch eine fehlerhafte Regulation der Gefäßbildung. Sie entwickeln sich im Endothel, also jener Zellschicht, die alle Blutgefäße innen auskleidet – selbst die feinen Kapillaren. Deshalb können sich die Blutschwämmchen auch grundsätzlich überall am Körper bilden: äußerlich sichtbar, zum Beispiel am Kopf, am Auge, an der Lippe oder am Knie, aber auch an inneren Organen wie der Leber, dem Gehirn oder der Lunge. Selbst am Knochenskelett, etwa an der Brustwirbelsäule (BWS) oder am Brustwirbelkörper (BWK), können Hämangiome entstehen. Treten mehrere Blutschwämmchen gleichzeitig auf, spricht man von einer Hämangiomatose.

Warum manche Babys mit einem Hämangiom zur Welt kommen oder dieses in den ersten Tagen bzw. Wochen ausbilden, ist bisher nicht genau geklärt. Es ist anzunehmen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da Blutschwämmchen in manchen Familien gehäuft auftreten.

Liegt eine Hämangiomatose vor, also eine Ansammlung von mehr als zehn Blutschwämmen, kann dies auf eine embryonale Fehlbildung hindeuten. Dann sind die Hämangiome Teil einer seltenen Systemerkrankung, etwa des Sturge-Weber-Syndroms oder des Von-Hippel-Lindau-Syndroms. Das heißt, die Wucherungen der Blutgefäße gehen dann mit weiteren Missbildungen einher.

Was sind die Symptome eines Hämangioms?

Befinden sich die Hämangiome in der Haut, sind sie als rötlich-blaue Flecken, Knoten oder Erhebungen zu erkennen. Je tiefer ein solches oberflächliches Hämangiom liegt, desto dunkler erscheint es. Blutschwämme an inneren Organen entdeckt der Arzt meist zufällig, etwa im Rahmen einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder einer Computertomographie (CT). Die Größe eines Blutschwamms kann unterschiedlich ausfallen, von wenigen Millimetern bis einigen Zentimetern. Häufig wächst das Hämangiom einige Zeit weiter.

Noch im Säuglingsalter, meist im 9. Lebensmonat, ist das Wachstum beendet und nicht selten bildet sich das Blutschwämmchen in den folgenden Jahren komplett zurück. Es können allerdings auch Narben, Pigmentstörungen oder Veränderungen des Haarwachstums zurückbleiben. In der Regel sind Hämangiome harmlos und kein Grund zur Sorge. Sie bereiten den kleinen Patienten in vielen Fällen keinerlei Beschwerden.

Handelt es sich um ein sehr großes Hämangiom im Bereich des Gesichts, kann das der Betroffene jedoch als störend empfinden und zu seelischen Problemen führen. Je nach Lage und Größe des Blutschwamms kann dieser das Wachstum, die Entwicklung und die Funktionen bestimmter Körperregionen stören: So kann ein Hämangiom am Mund zu einer Fehlstellung der Zähne führen, ein Hämangiom an der Nase kann die Atmung behindern und ein Hämangiom am Auge die Sehfähigkeit einschränken. Blutschwämme im Anal- und Genitalbereich sowie unter Achsel können darüber hinaus bluten und jucken: Durch Reibung kann es hier zu Schmerzen, Entzündungen, Juckreiz und Infektionen kommen.

>Was passiert bei CT und MRT?

>Narben behandeln

Wie erkennt der Arzt ein Hämangiom?

Wenn Eltern einen roten oder bläulichen Fleck auf dem Körper ihres Babys bemerken, sollten sie zunächst den Kinderarzt aufsuchen. Dieser wird sie zuerst zur Krankengeschichte befragen: Wann ist die Missbildung zum ersten Mal aufgefallen? Ist sie gewachsen oder hat sie die Farbe gewechselt? Sind in der Familie Fälle von Blutschwämmchen bekannt? Dann begutachtet der Arzt die entsprechende Stelle genau und die Haut nach weiteren Wucherungen absuchen.

Schon anhand der äußeren Symptome kann der Spezialist die Vermutung äußern, dass es sich um ein Hämangiom handelt. Möglicherweise fotografiert er die Haut, um einen Vergleich für zukünftige Veränderungen zu haben. Um festzustellen, wie weit das Hämangiom ins Gewebe reicht, kann der Arzt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung, eine sogenannte Sonographie, anordnen.

Außerdem kann der Arzt Hämangiome im Bereich der Leber mittels Ultraschall sichtbar machen: Die Tatsache, dass sich Leberhämangiome bei der Gabe von Kontrastmittel mit diesem füllen, wird als „Irisblendenphänomen“ bezeichnet. Vermutet man ein Blutschwämmchen im Bereich des Gehirns, also zum Beispiel ein cerebrales Kavernom, können ein MRT oder ein CT sinnvoll sein. Dies ist bei bestimmten Hämangiomen der Fall, die auf eine Beteiligung von Nerven oder anderen Körperregionen schließen lassen.

>Blutergüsse: Warum wechseln blaue Flecken ihre Farbe?

blutschwämmchen treten meistens bei Neugeborenen und Kleinkindern. (c) Franziska Krause/Fotolia

Wie wird ein Hämangiom behandelt?

Da sich Blutschwämmchen meistens von alleine zurückbilden, ist häufig keine Behandlung notwendig. Der Arzt sollte den gutartigen Tumor allerdings regelmäßig kontrollieren, um Komplikationen wie Entzündungen, Infektionen und Blutungen auszuschließen. Es gibt aber durchaus Fälle, in denen eine Therapie sinnvoll ist – vor allem wenn sich das Hämangiom im Bereich des Gesichts befindet. Denn Wucherungen an der Nase, am Auge oder an der Lippe können zu Funktions- und Entwicklungsstörungen führen, die es zu vermeiden gilt.

Auch im Genitalbereich und an den Füßen und Händen kann ein Blutschwamm störend sein, sodass eine Entfernung infrage kommt. Je nach Art, Lage, Ausdehnung und Verlauf der Wucherung wählt der Arzt die passende Behandlungsmethode. Möglich sind beispielsweise eine Vereisung mit flüssigem Stickstoff sowie eine Laserbehandlung, um das Hämangiom loszuwerden.

Eine OP ist in der Regel nur dann notwendig, wenn das Blutschwämmchen schnell wächst und der Arzt Komplikationen wie eine Beeinträchtigung der Sehkraft befürchtet: Dann kann in Einzelfällen  der Arzt das Hämangiom chirurgisch entfernen. Darüber hinaus gibt es Medikamente, welche die Blutschwämme bekämpfen, etwa Kortison-Präparate und Propranolol. Letzteres ist ein Arzneistoff aus der Betablocker-Therapie. Ob die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung trägt, hängt in erster Linie davon ab, ob die Entfernung des Blutschwamms medizinisch notwendig ist.

>Gefährliches Kortison? Nebenwirkungen und Nutzen

Wie kann ich einem Hämangiom vorbeugen?

Da bisher nur wenig über die Ursachen der Blutschwämmchen bekannt ist, ist es nicht möglich diesen gezielt vorbeugen. Zudem vermuten Experten genetische Veranlagungen als Auslöser, sodass auch in Zukunft eine Vorbeugung eher unwahrscheinlich scheint.

Bitte beachten Sie: Eltern, die einen rötlichen Knoten oder Fleck auf der Haut ihres Kindes entdecken, sollten diesen unbedingt ärztlich abklären lassen. Denn nicht immer steckt ein harmloses infantiles Hämangiom dahinter. Ihr Kinderarzt kann Ihnen sagen, womit Sie es zu tun haben und wie die optimale Behandlung für Ihr Baby aussieht. Um das Risiko für ein Leberhämangiom im Erwachsenenalter zu senken, sollten Sie auf größere Mengen Alkohol verzichten.

Wie sind die Heilungschancen bei Hämangiomen?

Die meisten Hämangiome bilden sich bereits im Kleinkindalter von selbst zurück. Bis zum neunten Lebensjahr sind durchschnittlich 70 bis 90 Prozent der wuchernden Blutgefäße verschwunden. Bei einem Drittel der Patienten bleiben kleine Hautveränderungen wie Fältchen, Pigmentstörungen oder Narben zurück. Lag das Blutschwämmchen an einer Körperpartie, die später behaart ist, können kahle Stellen die Folge sein.