Gesundheit kompakt

Hirntumor

Regelmäßig auftretende Kopfschmerzen, Veränderungen im Wesen eines Menschen, Sehstörungen oder Krampfanfälle – das können erste Anzeichen für einen Hirntumor sein. Wie und warum solche Gewebewucherungen im Gehirn entstehen, ist bislang nicht umfassend geklärt.

Was sind Hirntumore?
Was sind die Ursachen von Hirntumoren?
Was sind die Symptome für einen Hirntumor?
Wie erkennt der Arzt einen Hirntumor?
Wie wird ein Hirntumor behandelt?
Wie kann ich einem Hirntumor vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei einem Hirntumor?

Was sind Hirntumore?

Primäre Hirntumore entstehen direkt im Gehirn oder aus den Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 95 % aller Krebserkrankungen des Zentralen Nervensystems aus. Im Vergleich zu anderen Tumorarten, wie Brust-, Lungen-, Prostata- oder Darmkrebs, sind Hirntumore relativ selten. Sie treten häufig im Kindesalter auf oder bei älteren Menschen um die 70.

Es gibt mehr als 100 unterschiedliche Arten von Hirntumoren, und nicht alle davon sind bösartig. Die meisten Hirntumore haben ihren Ursprung in den sogenannten Stützzellen (Gliazellen) und werden deshalb Gliome genannt. Weitere Ausprägungen von Hirntumoren sind:

  • Ependyom aus den Zellen der inneren Hirnkammern
  • Meningeome, die von den Hirnhäuten ausgehen
  • Medulloblastom, der am häufigsten im Kindesalter auftretende Hirntumor
  • Neurinom entsteht in den Nerven des Gehirns
  • ZNS-Lymphom hat seinen Ursprung in den Lymphozyten, einer Unterart der weißen Blutkörperchen (Leukozyten)

Hirnmetastasen zählen nicht zu den primären Hirntumoren, denn bei ihnen handelt es sich um Geschwulste, die nicht aus dem Hirn- oder Hirnhautgewebe entstehen, sondern „Streuungen“ von Tumoren aus anderen Bereichen des Körpers sind.

Was sind die Ursachen von Hirntumoren?

Die Auslöser für Tumorerkrankungen des Gehirns sind laut Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch Instituts nach wie vor weitgehend unbekannt. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass eine ungesunde Lebensweise, etwa mit starkem Alkoholkonsum und Rauchen, die Entwicklung von Hirntumoren begünstigen würde. Auch ein Zusammenhang zwischen Umweltgiften, Handy-Nutzung und Hirntumoren konnte noch nicht nachgewiesen werden. Viren tragen nach heutigem Wissen ebenfalls nicht zu einer Risikosteigerung bei.

Erbliche Faktoren hingegen könnten in seltenen Fällen für die Entwicklung eines Hirntumors eine Rolle spielen, etwa bei Neurofibromatose (Morbus Recklinghausen). Bei Kindern kann möglicherweise eine Strahlentherapie des Nervensystems, etwa zur Behandlung einer Leukämie, das Risiko geringfügig erhöhen, einen bösartigen Hirntumor zu entwickeln.

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Was sind die Symptome für einen Hirntumor?

In der Regel ist es schwierig, einen Hirntumor frühzeitig zu erkennen, weil er lange keine Beschwerden verursacht. Auch im fortgeschrittenen Verlauf sind die Anzeichen eher unspezifisch und nicht immer sofort einem Tumor zuzuordnen. Die meisten Beschwerden können auch andere, harmlose Ursachen haben. Mögliche Hinweise auf einen Hirntumor können sein:

  • Regelmäßig auftretende Kopfschmerzen, besonders nachts und am frühen Morgen
  • Seh- und Wahrnehmungsstörungen
  • Schwindelanfälle
  • Krampfanfälle, epileptische Anfälle oder Lähmungserscheinungen
  • Koordinationsstörungen und plötzliche Ungeschicklichkeit
  • Verminderte Auffassungsgabe und Merkfähigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen, die nicht auf Magen- oder Darmbeschwerden zurückzuführen sind
  • Bewusstseinsstörungen bis zum Koma
  • Veränderungen der Persönlichkeit
Frau, die mit starken Kopfschmerzen im Bett liegt.

Regelmäßige Kopfschmerzen können auf einen Hirntumor hinweisen. (c) Colourbox.de

Wie erkennt der Arzt einen Hirntumor?

Zeigt eine Person eines oder mehrere der oben genannten Symptome und lassen sich diese nicht leicht auf andere Ursachen zurückführen, sollte man vom Arzt abklären lassen, ob ein Hirntumor als Auslöser infrage kommen könnte. Nach einer grundlegenden körperlichen und neurologischen Untersuchung wird der Arzt zur Diagnose von Hirntumoren als bildgebendes Verfahren eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes erstellen.

Mit dieser Methode sind so gut wie alle Hirntumore klar erkennbar. Sollte bei einem Patienten kein MRT möglich sein, bildet die Computertomografie (CT) eine gute Alternative. Weitere Verfahren sind die Angiografie zur Darstellung der Hirngefäße und die Liquorpunktion zur Untersuchung des Hirnwassers. Besteht der begründete Verdacht auf einen Hirntumor, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe, um die Art des Tumors genau eingrenzen zu können. Dies geschieht für gewöhnlich in Form einer Biopsie oder im Rahmen einer Operation zur Entfernung des Tumors.

Die Bösartigkeit und das Wachstumsverhalten des Tumors wird anschließend nach einer Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation WHO einem Malignitätsgrad zugeordnet.

  • Grad I: gutartig, meist durch operative Entfernung heilbar
  • Grad II: gutartig, kann sich aber im weiteren Verlauf in einen bösartigen Tumor entwickeln
  • Grad III: bösartiger Hirntumor
  • Grad IV: bösartiger Tumor, für den es keine effektive Behandlung gibt

Wie wird ein Hirntumor behandelt?

Wie ein Hirntumor behandelt wird, hängt von seiner Art und seiner Lage im Gehirn ab. Gutartige Tumore werden in der Regel in einer Operation entfernt. Dazu öffnet der Arzt die Schädeldecke oder bohrt diese an, um mit seinen Instrumenten an die Geschwulst zu gelangen (transkranielle Operation). Oft wird die Operation auch durch die Nase durchgeführt (transsphenoidale Operation).

Derartige Eingriffe sind nicht ohne Risiko, weil gesundes Nervengewebe in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Mögliche Folgen: Gedächtnis- und Sprachstörungen, Lähmungen oder motorische Störungen etwa beim Gehen. Der Arzt muss den Patienten in jedem Fall vor der Operation eingehend über diese Risiken aufklären.

Auch Bestrahlung oder eine Chemotherapie können helfen

Eine Bestrahlung oder Radiotherapie des Tumors kann vorgenommen werden, um diesen gezielt zu zerstören. Oft wird die Strahlentherapie als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt, aber auch vor und nach operativen Eingriffen als unterstützende Maßnahme.

Bei der Chemotherapie nutzt man Medikamente (sogenannte Zytostatika), um den Tumor zu zerstören. Die Chemotherapie wird häufig in Verbindung mit einer Strahlentherapie angewandt und kann Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen, Erschöpfungszustände, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Hier gilt es, gewissenhaft zwischen dem Nutzen für den Patienten und der Belastung für seinen Körper abzuwägen.

Die Chemotherapie wird vor allem bei bösartigen Tumoren eingesetzt, deren Zellen sich besonders schnell teilen. Zytostatika helfen, dieses Wachstum zu behindern. Haarausfall tritt bei Zytostatika, die gegen Hirntumore eingesetzt werden, relativ selten auf.

Wie kann ich einem Hirntumor vorbeugen?

Da die Auslöser und Ursachen für Hirntumore bis heute weitgehend unbekannt sind, gibt es auch keine Möglichkeiten, diesen effektiv vorzubeugen. Generell kann man lediglich raten, den Kontakt mit krebserregenden Stoffen zu vermeiden und sich möglichst wenig radioaktiver Strahlung auszusetzen.

Wie sind die Heilungschancen bei einem Hirntumor?

Hirntumore sind mit ihren vielen verschiedenen Ausprägungen sehr unterschiedlich strukturiert – auch was ihre Bösartigkeit betrifft. Pauschale Prognosen zu Heilungschancen sind deshalb nicht möglich. Entscheidende Faktoren sind die Lage des Tumors im Gehirn sowie der Typus der Tumorzellen und dessen Wachstumsverhalten. Auch schlagen Behandlungsmethoden wie die Strahlungs- oder Chemotherapie bei diversen Tumorarten unterschiedlich gut an.

Die meisten Hirntumore im Kindesalter sind recht gut behandel- und heilbar, wie etwa die pilozytischen Astrozytome. Bösartige Hirntumore sind hingegen oft recht aggressiv und bieten nur eingeschränkte Therapiemöglichkeiten. Einen ungefähren Anhaltspunkt für die Heilungschancen liefert die WHO-Einteilung der Tumor-Grade.