Gesundheit kompakt

HIV / AIDS – ein Virus und seine Folgen

HIV und AIDS sind dasselbe? Dieser Irrglaube herrscht auch drei Jahrzehnte nach Entdeckung der tödlichen Immunschwäche-Krankheit. Doch was genau ist nun der Unterschied? Was sind die AIDS-Symptome? Und wie kann man sich schützen? Wir klären auf.

Was ist HIV / AIDS?
Was sind die Ursachen der Erkrankung?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt es der Arzt?
Wie wird AIDS behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist HIV / AIDS?

Viele denken, dass AIDS und HIV dasselbe sind. Das stimmt jedoch nicht: Während AIDS-Kranke zwar den HI-Virus in sich tragen, müssen HIV-Infizierte noch lange nicht an AIDS erkranken. Denn das ist der große Unterschied: HIV (Abkürzung für Humanes Immundefizienz-Virus) ist lediglich der Erreger, der die Erkrankung AIDS auslösen kann, aber nicht muss.

AIDS ist die Abkürzung für Acquired Immuno Deficiency Syndrome, also ein erworbenes Immunschwäche-Syndrom. Einer AIDS-Infektion liegt immer die Ansteckung mit dem HI-Virus zugrunde, der allmählich das Immunsystem zerstört. Der HI-Virus schwächt die Körperabwehr schließlich so sehr, dass sich erste AIDS-Symptome zeigen.

Der Aufbau des HI-Virus

Der HI-Virus zählt zu den sogenannten Retroviren, da seine Erbsubstanz aus RNA (Ribonukleinsäure) besteht, im Gegensatz zur DNA (Desoxyribonukleinsäure) der menschlichen Zellen. Der Zellkern ist von einer Eiweißhülle umgeben und kann sich dadurch an die T-Helferzellen anheften. Diese Zellen spielen bei der Körperabwehr eine enorm wichtige Rolle. Werden sie vom HI-Virus zerstört, können sie keine Eindringlinge mehr bekämpfen – die Körperabwehr wird geschwächt.

Was sind die Ursachen für eine HIV-Erkrankung?

Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist immer noch die häufigste Ursache für eine HIV-Infektion. 2016 lag die AIDS-Rate weltweit bei 36,7 Millionen HIV-Infizierten, davon 2,1 Millionen Kinder. Im selben Jahr verstarben etwa 1 Million Menschen an den Folgen von AIDS, der größte Teil davon in Afrika. Die Hauptgründe: schlechte Aufklärung, keine Verhütung und mangelhafte medizinische Versorgung. Die AIDS-Rate in Deutschland zeigt, dass es unter homosexuellen Männern (2015 waren es 2200 Fälle) die meisten HIV-Infektionen gibt. Beim Sex zwischen Mann und Frau kommt es weit seltener zur Übertragung (2015 nur 750 bekannte Neuansteckungen).

Wie wird AIDS übertragen?

Seit der Forscher Luc Montagnier den HI-Virus 1983 entdeckt hat, ist AIDS eine der gefürchtetsten Krankheiten. Doch noch immer wissen viele nicht, wann der HI-Virus übertragen wird – und vor allem wie nicht. Wichtig zu wissen: HIV überträgt sich nur relativ schwer. Nicht jeder Geschlechtsakt mit einer infizierten Person führt automatisch zur Ansteckung.

Doch was ist über die Verbreitung des HI-Virus von Mensch zu Mensch bekannt? In erster Linie wird der Virus durch Blut, Sperma und Scheidensekret übertragen. Was viele nicht wissen: Besteht eine Geschlechtskrankheit, erhöht sich das Risiko einer HIV-Infektion. Über 90 Prozent der Neuansteckungen passieren beim Geschlechtsverkehr, deshalb ist Verhütung mit Kondom auch Jahrzehnte nach Aufkommen der Krankheit der beste AIDS-Schutz. Die Übertragung durch Blut ist vor allem für Drogenabhängige ein Risiko, wenn Spritzen untereinander geteilt werden.

Hier besteht keine Infektionsgefahr

Da der Speichel nur einen geringen Anteil an HI-Viren enthält, ist eine Ansteckung durch Küssen sehr gering bis ausgeschlossen. Über Tröpfcheninfektion – wie immer noch von vielen angenommen wird – kann sich niemand mit HIV anstecken. Anhusten, Anniesen und Körperkontakt wie Umarmen und Händeschütteln sind völlig unbedenklich. Ebenfalls ungefährlich ist das Benutzen desselben Bestecks oder Glases. Sogar HIV-positive Schwangere können heutzutage die Übertragung auf das Kind durch eine medikamentöse Therapie vermeiden.

Was sind die Symptome von HIV / AIDS?

Eine AIDS-Infektion – genauer gesagt: eine HIV-Infektion – entwickelt sich unbehandelt in drei Stadien mit unterschiedlichen Symptomen:

Akute HIV-Erkrankung

Die Übertragung des HI-Virus bleibt oft lange Zeit unentdeckt, da das Immunsystem erst nach einer Weile geschwächt wird. Dennoch zeigen sich in manchen Fällen wenige Wochen nach der Ansteckung Erkältungs-Symptome, die jedoch schnell wieder abklingen.

Erste Anzeichen sind:

  • Müdigkeit
  • Fieber
  • Lymphknotenschwellungen
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Hautausschlag (makulopapulöser Hautausschlag)
  • wunde Stellen im Mund (Orale Ulzera)

In dieser Phase ist die Ansteckung besonders groß, da sich die Erreger sehr schnell vermehren. Anschließend können mehrere Jahre vergehen, in denen die Betroffenen keinerlei Beschwerden haben. Denn in der akuten Phase bilden sich Antikörper gegen den HI-Virus, die vorerst dagegen ankämpfen. Ärzte sprechen von einer symptomlosen Latenzphase.

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Chronische HIV-Infektion

Im weiteren Verlauf der Krankheit können folgende HI-Virus-Symptome auftreten:

  • Pilzbefall in Mund und Rachen
  • Gürtelrose
  • erhöhte Körpertemperatur
  • Nachtschweiß
  • anhaltender Durchfall
  • Bakterienbefall (Listeriose)
  • Nervenerkrankungen
  • weißlicher Belag am Zungenrand (orale Haarleukoplakie)
  • Pilzbefall der Geschlechtsorgane (vor allem bei Frauen)

Allgemein macht sich ein geschwächtes Immunsystem bemerkbar. Die Beschwerden kehren immer wieder.

AIDS-Erkrankung

Hat der Körper keine Abwehrkräfte mehr, um sich gegen Krankheitserreger zu wehren, kommt es schließlich zum Ausbruch von AIDS. Die AIDS-Symptome äußern sich durch:

  • das sogenannte Wasting-Syndrom: Fieber, Durchfall und Abgeschlagenheit treten dauerhaft auf, gepaart mit einem starken Gewichtsverlust
  • die HIV-assoziierte Enzephalopathie: Der HI-Virus greift das Nervengewebe an, es kann zur Schädigung des Gehirns kommen
  • opportunistische Infektionen: Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten nutzen die Immunschwäche aus und verbreiten sich mühelos

Häufig kommt es zu:

  • Lungenentzündung
  • Pilzbefall
  • Virus-Infektionen der Organe und Netzhaut des Auges
  • Magen-Darm-Infektionen
  • Tuberkulose
  • Entzündungen der Leber, Hepatitis B und C (HBV- und HCV-Infektion)
  • Herpes-Erkrankung
  • AIDS-Flecken (Kaposi-Sarkom), Hautausschlag

Die Krankheit AIDS ist sozusagen das Endstadium der HIV-Infektion. Ist die Krankheit erst ausgebrochen, besteht nur noch die Möglichkeit, den AIDS-Krankheitsverlauf zu lindern. In vielen Fällen endet AIDS tödlich.

Wie erkennt der Arzt HIV / AIDS?

Besteht der Verdacht einer Ansteckung mit dem HI-Virus, gibt es die Möglichkeit, einen HIV-Test zu machen – anonym und kostenfrei – in Gesundheitsämtern oder beim Arzt. Dieser Schnelltest, der bereits nach 30 Minuten ein Ergebnis liefert, wird oft fälschlicher Weise als AIDS-Test bezeichnet. Doch er gibt lediglich Aufschluss über eine Infektion mit dem HI-Virus, nicht über die Erkrankung AIDS.

Ist das Ergebnis negativ, befinden sich keine HIV-Antikörper im Blut. Dennoch kann es sein, dass sich die Antikörper erst drei Monate nach der Infektion nachweisen lassen. Bei Verdacht ist also ein weiterer Test ratsam. Lautet das Ergebnis HIV-positiv, wird zur Absicherung ein zweiter, genauerer Test im Labor gemacht. Bewahrheitet sich auch dieser Verdacht, leitet der Arzt eine Therapie ein, die das Fortschreiten der Immunschwächung verhindert oder verlangsamt.

Nur ein HIV-Test kann Gewissheit geben. (c) gamjai / Fotolia

Wie wird eine HIV-Erkrankung / AIDS behandelt?

Obwohl die Forschung bisher noch kein Medikament gefunden hat, das AIDS heilen kann, gibt es doch eine Reihe wirksamer Mittel zur AIDS-Behandlung. Dabei setzen Mediziner auf eine Kombination verschiedener Medikamente, die als antiretrovirale Therapie (ART) bezeichnet wird. Die verabreichten Medikamente verhindern das Ausbreiten des HI-Virus im Körper. Im Grunde wird der HI-Virus dadurch so gut es geht in Schach gehalten. Deshalb müssen Betroffene die Medikamente gegen AIDS ein Leben lang einnehmen, um die Immunschwäche gar nicht erst entstehen zu lassen.

Es kann jedoch passieren, dass der Virus gegen eins der Medikamente resistent wird. Eine regelmäßige Kontrolle ist wichtig, damit der Arzt mit einer veränderten Therapie reagieren kann. Treten bei der antiretroviralen Therapie Nebenwirkungen auf, passt der Arzt ebenfalls die Kombination der Medikamente an. Die medikamentöse AIDS-Behandlung ist zwar recht teuer, doch im Allgemeinen übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer antiretroviralen Therapie.

Keine Impfung gegen AIDS und HIV

Bisher ist es nicht gelungen, einen zuverlässigen Impfstoff gegen HIV und AIDS zu entwickeln. Ist AIDS erst einmal ausgebrochen, können nur noch die Symptome behandelt werden. In vielen Fällen endet die AIDS-Erkrankung tödlich, deshalb sollte eine HIV-Infektion so bald wie möglich entdeckt und therapiert werden. Dadurch lässt sich sogar die Ansteckungsgefahr reduzieren: Je mehr HI-Viren im Blut sind, umso höher ist das Infektionsrisiko, je niedriger die Anzahl, umso geringer die Ansteckungswahrscheinlichkeit.

Wie kann ich einer HIV-Erkrankung vorbeugen?

Die Safer-Sex-Kampagnen der 80er- und 90er-Jahre sind noch immer aktuell: Kondome als Verhütungsmittel sind weiterhin die beste Methode, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Aufklärung ist bei der AIDS-Vorbeugung immer noch ein großes Thema: Denn nur wer über die Risiken von HIV informiert ist, kann sich optimal vor einer Ansteckung schützen.

Folgende Verhaltensregeln gelten zur Vorbeugung einer HIV-Infektion:

  • Safer Sex: Beim Geschlechtsverkehr –anal und vaginal – sind Kondome der beste Schutz gegen eine Ansteckung. Bei oralen Praktiken ist die Ansteckungsgefahr zwar sehr gering, dennoch wird empfohlen, kein Sperma und keine Scheidenflüssigkeit in den Mund gelangen zu lassen. Auch hier sind Kondome oder ein sogenanntes Lecktuch ratsam
  • keine häufig wechselnden Geschlechtspartner: Treue und Vertrauen in den Partner kann auch vor AIDS schützen. Bei wechselnden Sex-Partnern sind Vorsicht und Verhütung oberstes Gebot
  • Drogenabhängige sollten ausschließlich eigenes Spritzbesteck oder Einmalspritzen verwenden
  • Auch Rasierklingen sollten nicht von mehreren Personen genutzt werden, da es durch kleine Verletzungen der Haut zur Übertragung kommen kann
  • Eine gesunde Lebensweise zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems gehört ebenso zur Prävention. Ausgewogene Ernährung und regelmäßiger Sport helfen die Körperabwehr aufrecht zu erhalten

Homosexuellen Männern wird generell geraten, einmal pro Jahr einen HIV-Test zu machen, da sie zur Risikogruppe Nummer eins gehören.

Wie sind die Heilungschancen bei AIDS?

Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung gibt es bis heute keine AIDS-Heilung. Wer sich mit HIV infiziert hat, trägt den Erreger ein Leben lang in sich. Doch die medizinischen Mittel sind inzwischen in der Lage, die Symptome zu behandeln und die Krankheit in Schach zu halten. Eine HIV-Infektion ist heutzutage kein Todesurteil mehr: Wird HIV früh entdeckt und sofort behandelt, haben die Betroffenen eine fast normale Lebenserwartung.

Sogar die Symptome einer AIDS-Erkrankung sind dank moderner Medizin behandelbar. Allerdings enden viele AIDS-Fälle noch immer tödlich. Eine Früherkennung des HI-Virus ist also die beste Chance, den Ausbruch von AIDS zu verhindern.

Prominente, die mit HIV leben

Bestes Beispiel für ein Leben mit HIV liefern Prominente wie Schauspieler Charlie Sheen, Basketballer Earvin „Magic“ Johnson und „Lindenstraße“-Star Georg Uecker. Als Hollywood-Star Rock Hudson 1985 an AIDS verstarb, wurde die Krankheit weltweit bekannt. Weitere Prominente wie Freddie Mercury, Anthony Perkins und Rudolf Nurejew folgten. Seitdem sind die Behandlungsmöglichkeiten enorm gewachsen, der Ausbruch von AIDS kann verzögert oder gar verhindert werden.

Jedes Jahr am Welt-AIDS-Tag, dem 1. Dezember, rückt die unheilbare Krankheit zurück ins Bewusstsein der Menschen. Zum Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten tragen Menschen weltweit die rote AIDS-Schleife.