Gesundheit kompakt

Leishmaniose

Viele Menschen zieht es zum Relaxen in den Süden – dorthin, wo es warm ist und man gerne die lauen Nächte bei gutem Essen und kühlen Drinks noch draußen genießt. Doch mit der Dämmerung kommen auch die Sand- oder Schmetterlingsmücken. Ihre Stiche sind nicht nur lästig, sondern mit ihrem Speichel übertragen die Mücken oft auch winzige einzellige Parasiten, die sogenannten Leishmanien – Auslöser der Leishmaniose.

Was ist Leishmaniose?
Was sind die Ursachen für Leishmaniose?
Was sind die Symptome bei Leishmaniose?
Wie erkennt der Arzt Leishmaniose?
Wie wird Leishmaniose behandelt?
Wie kann man Leishmaniose vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Leishmaniose?

Was ist Leishmaniose?

Ihren Ursprung hat die Krankheit in der Regel in wärmeren Gebieten wie der Mittelmeerregion und wird deshalb im Volksmund auch oft „Mittelmeerkrankheit“ genannt.

Besonders die mediterranen Länder Italien, Spanien und die Türkei gelten als Risikogebiet. Doch auch auf dem Balkan, im Mittleren Osten sowie in Teilen Afrikas kommt die Krankheit vor. Süd- und mittelamerikanische Länder wie Peru und Kolumbien gehören ebenso zu den Risikoregionen wie Indien und weitere Teile Asiens. Kurz: Die Gefahr, sich mit Leishmaniose zu infizieren, ist überall dort gegeben, wo die Sandmücke zuhause ist – und das sind vor allem beliebte Urlaubsländer.

Die Krankheitserreger wurden nach ihrem Erforscher benannt, dem schottischen Militärarzt Sir William Boog Leishman (1865 – 1926). Die begeißelten Einzeller, sogenannte Protozoen, benötigen zwei Wirte, um sich entwickeln zu können: Zunächst die Sandmücke und anschließend ein anderes Wirbeltier oder den Menschen.

Eine Grafik von zwei länglichen Leishmanien-Erregern im Blutkreislauf.

Zwei Leishmanien in der menschlichen Blutbahn. (c) Dr_Microbe / iStock

Was sind die Ursachen für Leishmaniose?

Die Übertragung des Krankheitserregers erfolgt nach einem Stich über den Speichel einer infizierten Sandmücke. In Einzelfällen kann es auch durch infizierte Blutkonserven oder Injektionsnadeln zur Ansteckung kommen. Ebenso ist eine Infektion des Kindes im Mutterleib ist möglich, wenn die Schwangere infiziert ist. Die Inkubationszeit bis zum Ausbruch der Krankheit kann von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren reichen.

Zur Abwehr der Leishmanien entwickelt der Körper Fresszellen (Makrophagen), die den Parasiten vernichten sollen. Leishmanien nisten sich jedoch in den Fresszellen ein und vermehren sich dort weiter. Anschließend verbreiten sich die Krankheitserreger zuweilen über die Blut- und Lymphbahnen im Körper und infizieren weitere Zellen.

Besonders infektionsgefährdet sind Nagetiere, Hunde und Füchse.  Auf Sizilien sind bis zu 80 Prozent der Hunde mit Leishmaniose infiziert, in Andalusien etwa 42 Prozent. Nach Deutschland werden infizierte Hunde vor allem durch wenig seriöse Tierschutzorganisationen vermittelt. Die Gefahr, dass sich ein Mensch bei einem Tier ansteckt – etwa über Ekzeme oder Verletzungen – ist jedoch äußerst gering.

> Erfahren Sie hier mehr über die Sandmücke

Was sind die Symptome bei Leishmaniose?

Es gibt drei unterschiedliche Ausprägungen der Krankheit:

  • Kutane Leishmaniose (auch Haut-Leishmaniose oder Orient-Beule)
    Diese Form ist am Häufigsten und auch die leichteste. Betroffen ist ausschließlich die Haut, häufig im Gesicht. An der Einstichstelle bildet sich zunächst ein juckender Knoten, der sich zu einem ungleichmäßig geformten, schmerzfreien Hautgeschwür entwickelt. Solche Geschwüre heilen nach längerer Zeit von selbst ab, hinterlassen jedoch Narben.
  • Mukokutane Leishmaniose (auch Schleimhaut-Leishmaniose, Espundia, Bouba)
    Nach der Haut werden bei dieser vorwiegend in Südamerika verbreiteten Form auch Schleimhäute angegriffen – vor allem im Rachen und in der Nase. Erste Anzeichen können Nasenbluten oder eine verstopfte Nase sein. Unbehandelt führt die Krankheit zur Zerstörung von Haut, Bindegewebe und Knorpeln. Unter Umständen kann es so zu Löchern in der Nasenscheidewand kommen. Schwellungen im Kehlkopfbereich führen zu Atemnot und Schluckbeschwerden.
  • Viszerale Leishmaniose (auch Innere Leishmaniose, Schwarzfieber, Dum-Dum-Fieber oder Kala-Azar)
    Zunächst kommt es ebenfalls zu Hautveränderungen und -geschwüren. Breiten sich die Leishmanien über Blutbahnen und Lymphe weiter aus, werden auch innere Organe befallen, wie etwa die Leber oder die Milz. Typische Beschwerden sind Fieberschübe, Blutarmut, Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Wassereinlagerungen können ebenso auftreten wie Lungen-, Nerven-, Nieren-, Muskel- und Gelenkentzündungen. Eine verringerte Zahl von Blutplättchen beeinträchtigt möglicherweise die Blutgerinnung. Wird die viszerale Leishmaniose nicht behandelt, kann sie zum Tod, etwa durch Herz-Kreislauf-Versagen, bakterielle Infektionen oder innere Blutungen führen.

Wie erkennt der Arzt Leishmaniose?

Menschen, die die obengenannten Symptome zeigen und sich vor kurzer Zeit in einem der Risikogebiete aufgehalten haben, sollten sich an einen Hautarzt, einen Facharzt für Infektionen oder für Tropenkrankheiten wenden.

  • Gewebeprobe (Biopsie)
    Besteht der Verdacht auf eine Infektion, entnimmt der Arzt an der betroffenen Hautstelle eine Gewebeprobe. Im Labor lassen sich durch Einfärbung der Probe oder durch Heranzüchten einer Kultur die Leishmanien sichtbar machen. Um welche Spezies es sich genau handelt, bestimmen weitere Labortests. Für den Nachweis der viszeralen Leishmaniose ist unter Umständen die Untersuchung einer Gewebeprobe aus Knochenmark, Leber oder Milz erforderlich.
  • Blutuntersuchung
    In einer Blutuntersuchung kann der Arzt die Zahl der vom Patienten gegen den Krankheitserreger gebildeten Antikörper herausfinden.
  • Molekulargenetische Diagnostik
    Ermöglicht den Nachweis der Erbsubstanz der jeweiligen Leishmanien-Spezies.
  • Ultraschalluntersuchung
    Per Ultraschall lassen sich Veränderungen in der Größe von Leber und Milz feststellen.

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Ein Mischlingshund, der auf Sandboden liegt.

Achtung: Auch geliebte Haustiere können sich im Urlaub infizieren. (c) Bradrach / Fotolia

Wie wird Leishmaniose behandelt?

Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit bilden die Grundlage der Therapie. Bei der Wahl der Behandlungsmethoden spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Leishmanien-Spezies
  • Ort der Infektion
  • Schwere der Erkrankung
  • Art der individuellen Beschwerden

Als Therapieformen kommen infrage:

Die kutane Form erfordert meist keine Therapie und heilt von selbst ab. Gegebenenfalls spritzt der Arzt ein Antimon-Präparat in die Haut. Dieses Schwermetall behindert den Stoffwechsel der Leishmaniose.

Bei schwereren Fällen kommt das Pilzmedikament Amphotericin B als Infusion zum Einsatz. Alternativ verabreicht der Arzt auch das Antiprotozoikum Pentamidin oder das Antibiotikum Paromomyzin.

Wie kann man Leishmaniose vorbeugen?

Bislang gibt es keinen Impfschutz gegen Leishmaniose. Deshalb empfiehlt sich als Vorsorgemaßnahme vor allem ein guter Mückenschutz (Sprays, Moskitonetze, Fliegengitter etc.). Ferner sollte man in Risikoregionen stets Kleidung tragen, die auch Arme und Beine bedeckt.

Für Hunde gibt es zur Stechmückenabwehr spezielle Halsbänder. Tiere aus Risikogebieten sollten vor dem Import in jedem Fall auf Leishmaniose getestet werden.

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Wie sind die Heilungschancen bei Leishmaniose?

Etwa zwei Millionen Menschen infizieren sich laut Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich weltweit mit einer der drei Hauptformen der Leishmaniose. Während die kutane Form meist ohne besondere Therapie von selbst abheilt, müssen die mukokutane und die viszerale Form medikamentös behandelt werden.

Etwa 20.000 bis 30.000 Patienten sterben an Schäden der inneren Organe, die durch die tückische viszerale Leishmaniose verursacht wurden.

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