Gesundheit kompakt

Lewy-Body-Demenz

Ihre Symptome erinnern stark an Alzheimer und Parkinson, deshalb übersehen selbst Experten oft die Lewy-Body-Demenz. Was diese spezielle Form der Demenz auszeichnet, wie sie entsteht und wie die Behandlung aussieht, erfahren Sie hier.

Lewy-Body-Demenz – Was ist das?
Was sind die Ursachen der Lewy-Body-Demenz?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt die Lewy-Body-Demenz?
Wie wird die Lewy-Body-Demenz behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Lewy-Body-Demenz – Was ist das?

Die Lewy-Body-Demenz, auch Lewy-Körper-Demenz oder Lewy-Körperchen-Demenz genannt, ist eine Form der Demenz. Sie ähnelt stark der Alzheimer-Krankheit, sodass die Diagnose selbst für Experten mitunter schwer zu stellen ist. Zudem gibt es Mischformen von Lewy-Körper-Demenz und Alzheimer bzw. Lewy-Körper-Demenz und Parkinson.

Auslöser dieser Erkrankung sind bestimmte Eiweißreste, die nicht richtig abgebaut werden und sich in den Nervenzellen des Gehirns ablagern. Diese charakteristischen Einschlüsse heißen Lewy-Körperchen: Sie wurden nach ihrem Entdecker, dem Patholgen Friedrich H. Lewy benannt. Er war ein Mitarbeiter von Alois Alzheimer und untersuchte im Jahr 1910 an der Berliner Charité die Gehirne von Parkinson-Patienten.

Schätzungen zufolge macht die Lewy-Körper-Demenz 10 bis 20 Prozent aller Demenz-Erkrankungen aus und ist damit nach Alzheimer die zweithäufigste Form der neurodegenerativen Demenz. Das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt bei diesem Demenz-Typ 65 Jahre. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Genauere Zahlen gibt es nicht, da die Krankheit oft nicht richtig erkannt oder falsch diagnostiziert wird. Das heißt, es wird häufig eine Demenz vom Typ Alzheimer festgestellt, obwohl eine Lewy-Body-Demenz vorliegt.

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Was sind die Ursachen der Lewy-Body-Demenz?

Bei Patienten mit Lewy-Body-Demenz bilden sich in der Großhirnrinde winzige Eiweißklumpen, die sogenannten Lewy-Körperchen. Sie bestehen aus dem Eiweiß Alpha-Synuclein, das unter anderem die Dopamin-Ausschüttung steuert. Diese Eiweißablagerungen sammeln sich an den Nervenendungen, wo die Signalweitergabe zwischen den einzelnen Zellen stattfindet. Dadurch wird deren Kommunikation gestört und es kommt zu den typischen Symptomen der Lewy-Body-Demenz.

Bei Parkinson-Patienten treten die Lewy-Körperchen übrigens im Bereich des Hirnstamms auf. Darüber hinaus lassen sich bei vielen Demenzkranken weitere Ablagerungen feststellen, die sogenannten Alzheimer-Plaques. Diese Überschneidungen machen es so schwer, die Lewy-Body-Demenz von Alzheimer und Parkinson zu unterscheiden.

Warum sich im Gehirn mancher Menschen derartige Einschlüsse bilden, ist bisher nicht bekannt. Experten geht davon aus, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen, da sich bei manchen betroffenen Familien Veränderungen im Erbgut feststellen lassen. Es handelt sich dabei um dieselben Gene, die auch bei vorliegender Parkinson-Erkrankung verändert sind. Über bestimmte Risikofaktoren, die die Entstehung einer Lewy-Body-Demenz begünstigen, ist bis dato nichts bekannt.

Was sind die Symptome?

Wie bereits erwähnt, ähneln die Symptome denen der Alzheimer-Krankheit. Allerdings treten einige Krankheitsanzeichen früher und stärker ausgeprägt auf. Das Gedächtnis bleibt aber oft länger erhalten als bei Alzheimer-Patienten. Typisch für die Lewy-Body-Demenz sind zum Beispiel optische oder akustische Halluzinationen: Die Betroffenen sehen oder hören also etwas, das nicht da ist. Viele zeigen auch Parkinson-Symptome: Die Muskeln versteifen sich, die Hände zittern, die Bewegungen werden langsamer und die Ausdrucksfähigkeit des Gesichts nimmt ab. Manche Menschen mit Lewy-Body-Demenz zeigen außerdem Unsicherheiten beim Gehen. Sie laufen nach vorn gebeugt, schwanken, neigen den Körper zur Seite und stürzen leicht.

Charakteristisch für die Lewy-Body-Demenz ist der häufige Wechsel der geistigen und körperlichen Verfassung: Mal wirken die Patienten vital und hellwach, mal zeigen sie eine große Unruhe, Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit. Wenn die Demenzkranken schlafen, beginnen sie mitunter, um sich zu schlagen, zu sprechen oder zu schreien. Das liegt daran, dass die motorische Hemmung im Traumschlaf gestört ist. Des Weiteren kann es im Rahmen einer Lewy-Körper-Demenz zu Depressionen, Harninkontinenz und Sprachstörungen kommen. Im Endstadium treten oft Schluckbeschwerden auf.

Gewusst? Der beliebte Schauspieler Robin Williams hatte Lewy-Body-Demenz. Er litt sehr unter seiner Erkrankung und beging im Alter von 63 Jahren Selbstmord.

>Alle Fakten zu Depressionen

>Inkontinenz

Stürze können im hohen Alter tödlich enden. (c) Photographee.eu/Fotolia05.

Wie erkennt der Arzt die Lewy-Body-Demenz?

Es gibt keinen speziellen Test, um das Vorliegen einer Lewy-Body-Demenz festzustellen. Weder im Blut noch in der Rückenmarksflüssigkeit des Patienten lässt sich die Erkrankung medizinisch nachweisen. Es handelt sich um eine sogenannte Ausschlussdiagnose: Das heißt, der Arzt muss für seinen Befund andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen wie Alzheimer und Parkinson ausschließen. Dazu wird er zunächst die Krankengeschichte des Betroffenen erfragen und allgemeine Demenztests durchführen.

Moderne Diagnoseverfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) kommen nur dann zum Einsatz, wenn andere gesundheitliche Probleme wie zum Beispiel ein Gehirntumor als Auslöser der Beschwerden vermutet werden.

Sicher feststellen kann der Arzt die Lewy-Body-Demenz erst nach dem Tod des Patienten. Dann ist es möglich im Rahmen einer Obduktion das Gehirn mikroskopisch zu untersuchen und die charakteristischen Eiweißeinschlüsse, die Lewy-Körperchen, können in der Großhirnrinde nachweislich feststellen.

Wie wird die Lewy-Body-Demenz behandelt?

Es gibt verschiedene Medikamente, welche die Symptome der Lewy-Body-Demenz lindern und ihren Verlauf verzögern können. Aufhalten lässt sich die Krankheit allerdings nicht. Antidementiva kommen dabei zum Einsatz. Bewährt haben sich vor allem die sogenannten Cholinesterasehemmer, welche der Verwirrtheit und den Halluzinationen entgegenwirken.

Antiparkinsonmedikamente schlagen bei Lewy-Body-Demenz in der Regel nicht gut an. Im Gegenteil: Sie können einige Symptome sogar verstärken. Auf einige Neuroleptika wie Haloperidol reagieren viele Patienten empfindlich. Dieses Phänomen nennt sich „neuroleptische Sensitivität“. Bei der Behandlung von Lewy-Body-Demenz ist also viel Fingerspitzengefühl seitens der Ärzte gefragt.

Eine wichtige Rolle spielt auch die nicht-medikamentöse Therapie: Gedächtnistraining, gesunde Ernährung, moderate Bewegung und Physiotherapie können dabei helfen, das Wohlbefinden der Patienten zu verbessern. Häufig werden auch pflegende Angehörige miteingebunden. Sie benötigen im Umgang mit den Betroffenen eine besondere Schulung, da Menschen mit Lewy-Body-Demenz sehr sensibel auf ihre Umwelt reagieren und schnell überfordert sein können.

Wie kann ich vorbeugen?

Da über die Entstehung und die Risikofaktoren der Lewy-Body-Demenz bisher wenig bekannt ist, ist es nicht möglich dieser Krankheit gezielt vorgebeugen. Dennoch gibt es die Möglichkeit, das allgemeine Risiko für Demenzerkrankungen zu senken. Vermeiden Sie erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht und Bluthochdruck. Außerdem sollten Sie das Rauchen aufgeben und auf eine gesunde Ernährung achten. Insbesondere eine mediterrane Kost mit viel frischem Gemüse, Fisch und wertvollem Olivenöl scheint sich positiv auf die Demenz-Prävention auszuwirken.

Treiben Sie bis ins hohe Alter regelmäßig Sport und halten Sie Ihr Gehirn in Schwung. Egal ob kreatives Hobby, der Besuch von Kulturveranstaltungen oder Kreuzworträtsel: Jede Art von „Gehirn-Jogging“ ist für Seniorinnen und Senioren empfehlenswert. Pflegen Sie außerdem Ihre sozialen Kontakte und tauschen Sie sich mit anderen aus, um geistig fit zu bleiben.

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Wie sind die Heilungschancen?

Die Lewy-Body-Demenz ist nicht heilbar. Ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten sieben bis acht Jahre. Im Krankheitsverlauf kann es vermehrt zu schweren Stürzen kommen, die tödlich enden können. Die Schluckstörungen, welche die Patienten im Endstadium der Lewy-Körper-Demenz häufig entwickeln, führen oft zu einer Lungenentzündung, an der die Betroffenen letztendlich versterben.

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