Gesundheit kompakt

Morbus Bechterew

Der Verdacht auf eine chronische und nicht heilbare Krankheit kann für die Betroffenen im ersten Moment ein großer Schock sein. Dass es trotzdem möglich ist, ihre Ausprägung zu begrenzen, zeigen Therapiemöglichkeiten bei Morbus Bechterew, woran auch Schauspielerin Christine Neubauer erkrankt ist. Wir erklären, was sich hinter dieser Erkrankung verbirgt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist Morbus Bechterew?
Was sind die Ursachen von Morbus Bechterew?
Welche Symptome löst die Krankheit aus?
Wie erkennt der Arzt Morbus Bechterew?
Wie wird Morbus Bechterew behandelt?
Kann man der Erkrankung vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Morbus Bechterew?

Was ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew, auch Bechterewsche Krankheit, Spondylitis Ankylosans oder ankylosierende Spondylitis genannt, ist eine chronische, entzündlich-rheumatische Krankheit, die sich meist in Schmerzen im Wirbelsäulen- und Beckenbereich äußert. Dabei entzünden sich Wirbelgelenke, Gelenke zwischen Wirbeln und Rippen sowie die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke). Patienten können chronische Entzündungen und Verknöcherungen der Gelenke bis hin zu einer vollständigen Versteifung oder einer gebeugten Haltung erleiden.

Circa 0,5 % der westeuropäischen Bevölkerung sind von dieser rheumatischen Erkrankung betroffen, sie tritt erstmals meist bei Personen zwischen 15 und 35 Jahren auf. Männer erkranken statistisch gesehen dreimal häufiger als Frauen. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass das Leiden bei Frauen seltener diagnostiziert wird.

Morbus steht für den lateinischen Begriff Krankheit. Bechterew ist nach dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew benannt. Er entdeckte die Krankheit nicht, veröffentlichte aber in den 1890er-Jahren eine Beschreibung der Krankheit, die im deutschsprachigen Raum sehr bekannt wurde.

Was sind die Ursachen von Morbus Bechterew?

Die genaue Ursache von Spondylitis ankylosans ist bislang noch nicht bekannt. Es gibt Hinweise darauf, dass es sich um eine genetische Veranlagung handelt, bei der das Immunsystem nicht richtig arbeitet, bestätigt ist das aber noch nicht.

Forscher vermuten, dass das HLA-B27-Molekül mit der Krankheit in Verbindung steht. 90 % der Erkrankten weisen dieses Protein auf, welches weniger effektiv bei der Bekämpfung von Krankheitserregern arbeitet. Daher sucht der Körper der Betroffenen sich Wege, um gegen diese nicht abgewehrten Erreger zu arbeiten, wodurch es zu einer Entzündung kommt, ähnlich einer reaktiven Arthritis. Unklar ist bislang, wie und aus woraus diese genau entsteht. Dazu gibt es Hinweise auf neurologische Ursachen der Krankheit: Etwa ein Drittel aller Bechterew-Patienten gibt an, an der Krankheit nach einem traumatischen Erlebnis erkrankt zu sein.

Eine Laboranalyse des Blutes kann helfen, Krankheiten zu erkennen oder ihnen rechtzeitig vorzubeugen.

Das Blut von Morbus-Bechterew-Patienten enthält meist HLA-B27. (c) Countrypixel/Fotolia

Welche Symptome löst die Krankheit aus?

Zunehmende Bewegungseinschränkungen und Schmerzen an der Wirbelsäule und an Gelenken sind ein typisches Symptom dieser chronischen Krankheit. Dies kann schon in jungen Jahren auftreten. Die Symptome und Schmerzen kommen schleichend, häufig in Schüben und können zunehmen.

Letztlich wird die gesamte Wirbelsäule immer unbeweglicher, weil sich an den Entzündungsherden Knochengewebe bildet. Viele Betroffene bekommen dadurch einen steifen Rundrücken oder eine sogenannte, stark verkrümmte „Bambusstab-Wirbelsäule“. Auch Osteoporose ist möglich.

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Symptome, die auf Erkrankung an der chronisch-entzündlichen Erkrankung hinweisen, sind:

  • Steifigkeit und Schmerzen in den oben genannten Bereichen vor allem in den Morgenstunden und der zweiten Hälfte der Nacht
  • Steifigkeit in den Morgenstunden von mehr als 30 Minuten
  • zwischen links und rechts wechselnde Gesäßschmerzen
  • Andauern dieser Beschwerden über mehr als drei Monate

Weitere Symptome, zwar seltener als die oben genannten, aber dennoch möglich, sind beispielsweise Fersensteifigkeit, Iris-Entzündungen mit schmerzenden, roten Augen, asymmetrische Entzündungen an Gelenken und Beschwerden an Herz und weiteren Organen.

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Wie erkennt der Arzt Morbus Bechterew?

Die Diagnose Morbus Bechterew wird nach mehreren Aspekten gestellt. Zu einem überprüft der Arzt, ob oben genannte Symptome beim Patienten vorhanden sind, wie etwa eingeschränkte Beweglichkeit. Dabei ziehen Ärzte bei der Diagnose Tests wie den Menell-Test an den Iliosakralgelenken (Kreuz-Darmbein-Gelenke) hinzu, um Morbus Bechterew zu diagnostizieren. Weisen die Gelenke keine Entzündungen auf, verläuft dieser Test schmerzfrei. Ärzte bedienen sich dazu an Tabellen mit Standardwerten, die die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Gelenken einstufen. Bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT helfen dabei, den Zustand der Gelenke und Knochenzerstörungen zu bestimmen.

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Außerdem wird vor dem Stellen der Diagnose meist ein Bluttest gemacht. Hierbei spielt vor allem der Wert für C-reaktives Protein (CRP) eine Rolle. Je höher der Wert, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass eine Entzündung im Körper vorliegt. Zusätzlich wird das Blut auf HLA-B27 untersucht. Dieses Eiweiß kommt bei Menschen mit Spondylitis ankylosans sehr häufig vor und kann dementsprechend auf die Erkrankung hindeuten.

Schmerzmittel können helfen, bergen aber auch viele Risiken

Schmerzmittel sind hilfreich, aber nicht ohne Nebenwirkungen.  (c) dimasobko/Fotolia

Wie wird Morbus Bechterew behandelt?

Spondylitis ankylosans ist nicht heilbar, Patienten müssen auf lebenslange Therapien setzen. Ausreichende Bewegung in Form von Gymnastik und Physiotherapie können den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Wer sich regelmäßig bewegt, kann einer Versteifung der Wirbelsäule vorbeugen und eine aufrechte Ganghaltung beibehalten. Hilfreich sind Gymnastik-Kalender, die speziell für Morbus-Bechterew-Patienten entworfen wurden. Zusätzlich gibt es bereits einige weitere Morbus-Bechterew-Therapien, wie die Wärme-Kälte-Therapie. Die Wärme hilft dabei, Schmerz und Steifigkeit zu vermindern, während die Kälte entzündungslindernd wirkt.

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Gegen Rückenschmerzen kann außerdem eine medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln wie nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) helfen, welche zugleich Entzündungen lindern. Zu diesen zählen Ibuprofen, Indometacin und Diclofenac. In akuten Fällen kann Kortison gespritzt werden. Bei einer sehr starken Ausprägung der Krankheit kann der Arzt außerdem TNF-Alpha-Blocker verschreiben, welche das Immunsystem unterdrücken, sodass es nicht den eigenen Körper angreift. Hier besteht allerdings ein hohes Risiko für Infektionen.

Ist die Wirbelsäule bereits stark versteift, kann der Arzt auch eine Rücken-OP anordnen, um sie wieder gerade zu richten.

Kann man einer Erkrankung vorbeugen?

Da die genauen Ursachen für diese Erkrankung noch nicht erforscht sind, kann ihr auch nicht gezielt vorgebeugt werden. Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und einer gesunden Ernährung kann den Verlauf der Krankheit jedoch zumindest positiv beeinflussen. Die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V. (DVMB) empfiehlt eine Ernährung mit vielen entzündungshemmenden Lebensmitteln wie gesunden Pflanzenölen und antioxidativem Obst und Gemüse.

Wie sind die Heilungschancen?

Auch wenn die Spondylitis ankylosans nicht heilbar ist, gibt es doch zahlreiche Wege, die damit einhergehenden Schmerzen und Beschwerden einzugrenzen. Unverzichtbar ist dabei die Zusammenarbeit mit Rheumatologen, die die Ausprägung und das Stadium der Krankheit einschätzen können und eine passende Behandlung gewährleisten.