Gesundheit kompakt

Morbus Crohn

Wer unter Morbus Crohn leidet, muss mit der Darmentzündung leben lernen. Das geht umso besser, je früher die Autoimmunerkrankung erkannt wird. Ein häufiges Problem ist jedoch: Die Diagnose kommt zu spät. 

Was ist Morbus Crohn?
Was sind die Ursachen von Morbus Crohn?
Welche Symptome zeigen sich bei Morbus Crohn?
Welche Folgen kann die Erkrankung haben?
Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?
Wie lässt sich Morbus Crohn behandeln?
Wie kann man Morbus Crohn vorbeugen?
Wie ist die Prognose?

Bis die Diagnose Morbus Crohn gestellt wird, verstreicht häufig viel Zeit. Dabei ist es wichtig, die chronisch-entzündliche Darmerkrankung rechtzeitig zu erkennen, um so früh wie möglich mit der Behandlung beginnen zu können und den Patienten wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Denn: Morbus Crohn ist nicht heilbar.

Starke Bauchschmerzen, Durchfall und Erschöpfung über mehrere Wochen können erste Zeichen dafür sein, dass etwas mit dem Verdauungstrakt nicht stimmt. Treten dazu Begleitsymptome wie Entzündungen der Augen oder Haut auf, besteht der Verdacht auf Morbus Crohn. Schuld an den vielseitigen Beschwerden, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen, ist eine Überreaktion des Immunsystems, die vom Darm angefangen den gesamten Organismus in Mitleidenschaft zieht.

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Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn (im Folgenden auch MC) ist neben Colitis ulcerosa die häufigste chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED). Dabei sind die Entzündungen mitunter so schwerwiegend, dass sie sich auf alle Schichten der Darmwand ausdehnen und sie verdicken. Meistens sind der untere Dünndarm und der Übergang zum Dickdarm betroffen. Grundsätzlich können aber alle Abschnitte des Verdauungstrakts gleichzeitig erkranken – vom Mund bis zum Darmausgang.

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Typisch für die Darmentzündung ist ihr segmentaler Charakter. Das bedeutet: Zwischen den entzündeten Abschnitten der Darmwände liegen immer wieder gesunde Areale. Die Krankheit verläuft schubweise. Mitunter vergehen Jahre bis zu einem erneuten Ausbruch. Morbus Crohn ist (noch) nicht heilbar. Eine frühe Diagnose und Behandlung ermöglichen den Patienten jedoch, nahezu beschwerdefrei und normal zu leben.

Die Zahl der MC-Erkrankten steigt stetig. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Häufig tritt die Erkrankung schon in jungen Jahren auf und macht sich erstmals zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr bemerkbar. Sie kann aber theoretisch in jedem Alter auftreten.

Morbus Crohn trifft vor allem junge Menschen - in den meisten Fällen bricht die Krankheit vor dem 40. Lebensjahr aus

In den meisten Fällen bricht die Krankheit vor dem 40. Lebensjahr aus

Was sind die Ursachen von Morbus Crohn?

Fest steht, dass die Darmschleimhaut von MC-Patienten gestört ist. Sie ist schwächer als normalerweise und kann ihre Schutzfunktion nicht optimal erfüllen. Bakterien könnten daher relativ leicht eindringen. Das wiederum führt zu einer übertriebenen Aktivität des Immunsystems. Es kann nicht mehr zwischen nützlich und schädlich unterscheiden und wehrt sich gegen körpereigene Darmkeime. Kurz: Die Immunreaktion gerät außer Kontrolle. Sie führt zu unberechenbaren Entzündungen, infolge derer sich die betroffenen Darmbereiche krankhaft verändern.

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Warum der eigene Körper dermaßen rebelliert, gibt Medizinern auch nach Jahren intensiver Forschung Rätsel auf. Eindeutige Erkenntnisse zu den Ursachen fehlen, eine Reihe möglicher Auslöser wird diskutiert.

Familiäre Häufungen lassen vermuten, dass genetische Faktoren bei Morbus Crohn eine große Rolle spielen. Man geht davon aus, dass etwa ein Viertel der MC-Fälle vererbt ist. Außerdem stehen Umweltfaktoren in Verdacht, die Darmentzündung auszulösen. Übermäßige Hygiene, falsche Ernährung und Stress zählen dazu. Als sicher gilt, dass bei Rauchern ein doppelt so hohes Risiko besteht und der Verlauf der Krankheit bei ihnen schwerer ist.

Was sind die Symptome von Morbus Crohn?

Ein Morbus Crohn entwickelt sich langsam, wodurch er lange unentdeckt bleiben kann. Erste Anzeichen der Erkrankung sind wochenlang anhaltender Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen, die häufig nach dem Essen einsetzen. Besonders der rechte Unterbauch schmerzt, ähnlich wie bei einer Blinddarmentzündung.

Halten die Symptome über einen längeren Zeitraum an, gehen sie mit einer starken Gewichtsabnahme und Erschöpfung einher. Weitere Symptome, von denen Patienten häufig berichten, sind:

  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Blähungen
  • Fieberschübe
  • Übelkeit, die zu Erbrechen führen kann
  • Abszesse und Fisteln am Analbereich
  • Wachstumsstörungen und verzögerte Pubertät (bei Kindern und Jugendlichen)

Morbus Crohn kann sich auch außerhalb des Magen-Darm-Trakts zeigen. Manchmal schon Jahre, bevor die Grunderkrankung ausbricht. Wird sie therapiert, klingen auch die Symptome wieder ab. Zu diesen sogenannten extraintestinalen Manifestationen kommt es bei etwa 30 Prozent der Patienten. Solche Begleiterkrankungen können sein:

  • Entzündungen der Augen und Gelenke
  • Störungen der Niere, der Atemwege oder des Nervensystems
  • Veränderungen der Haut (Rosazea im Gesicht) und Mundschleimhaut (Aphten)
  • Seltener: Entzündungen der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse
  • Knochenschwund

Ein Morbus Crohn verläuft bei jedem Patienten anders. Dementsprechend unterschiedlich sind die Warnsignale des Körpers. Zudem hängt die Art der Symptome auch davon ab, welcher Abschnitt des Darms von der Entzündung betroffen ist und wie stark. Erschwerend hinzu kommt, dass die Krankheit in Schüben verläuft, die zum Teil von jahrelangen Phasen ohne Beschwerden gefolgt sind. Das erschwert die Diagnose.

Dauerhafter Durchfall und Angst vorm Essen führen zu einem extremen Gewichtsverlust

Dauerhafter Durchfall und Angst vorm Essen führen zu einem extremen Gewichtsverlust

Welche Folgen kann die Erkrankung haben?

Bleibt ein Morbus Crohn unbehandelt, kann die Erkrankung zu dauerhaften Schädigungen des Darms führen. Es bilden sich Narben und Verwachsungen, die die Funktion des Verdauungstrakts nachhaltig beeinträchtigen. Genauer: Es kommt zu Engstellen im Darm, sogenannten Stenosen, die wiederum Darmverschlüsse (Ileus) zur Folge haben können.

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Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?

Der Spezialist für entzündliche Magen-Darm-Krankheiten ist der Gastroenterologe. Angesichts der Symptome, die genauso gut auf andere Erkrankungen schließen lassen, wird die erste Anlaufstelle der Patienten aber der Hausarzt sein.

Die ärztliche Untersuchung besteht im ersten Teil aus dem Patientengespräch, der sogenannten Anamnese. Der Arzt fragt nach Beschwerden und Krankheitsgeschichte. Aufschlussreich sind für ihn vor allem Informationen zur Art und zum Auftreten der Krankheitszeichen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, die folgende Schritte umfassen kann:

  • Blut und Stuhl werden im Labor auf erhöhte Entzündungswerte, Blutarmut, ein Flüssigkeitsdefizit und Mangelernährung hin untersucht.
  • Via Ultraschall kann der Arzt auffällige Veränderungen der Darmschleimhaut wie Verdickungen erkennen. Auf diese Weise wird auch der Zwischenstand der Therapie regelmäßig überprüft.
  • Darmspiegelung und Entnahme von Gewebeproben geben Aufschluss über den Zustand des Verdauungstrakts. Auch andere endoskopische Verfahren wie die Gastroskopie können zum Einsatz kommen, um alle betroffenen Darmstellen ausfindig zu machen.
  • Röntgenuntersuchungen des Bauchraumes sind seltener, können aber Aufschluss über einen Darmverschluss oder Darmdurchbruch geben.
  • Bei unklaren Befunden geben die Kernspintomografie (MRT) und die Computertomografie (CT) weiteren Aufschluss über die Verhältnisse im Darm.

Wie lässt sich Morbus Crohn behandeln?

Wo eindeutige Ursachen fehlen, ist die Art der Behandlung nicht von vornherein klar. So unterschiedlich Morbus Crohn bei Patienten verläuft, so verschieden sind auch die Behandlungsansätze. Das Ziel bleibt aber gleich: Die Lebensqualität der Patienten sichern. Heißt: Beschwerden lindern und die Entzündungen so weit wie möglich in den Griff bekommen. Dazu stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Weil es kein Mittel gibt, das bei jedem Patienten wirkt, kann es unter Umständen einige Zeit dauern, bis die optimale Therapie gefunden wird.

In der Regel fußt die herkömmliche Therapie auf mehreren Verfahren:

Behandlung der akuten Entzündungsschübe: Ziel ist es, Schmerzen zu vermeiden. Patienten erhalten zum Beispiel entzündungshemmende Medikamente wie Antibiotika oder Kortisonpräparate. Auch Wirkstoffe, die das Immunsystem unterdrücken, können sinnvoll sein – ebenso wie Antikörper gegen entzündungsfördernde Stoffe (sogenannte TNF-Blocker). Diäten und künstliche Ernährungsformen, bei denen der Verdauungstrakt umgangen wird, können ebenso Bestandteil der Therapie sein.

Die Wahl der Medikamente hängt vom Schweregrad des Schubs ab. Bei leichten Ausbrüchen der Krankheit kann es genügen, Mittel gegen Durchfall und Bauchschmerzen einzunehmen und auf Lebensmittel zu verzichten, die nicht vertragen werden.

Langzeittherapie: Ziel ist es, die Anzahl der Schübe zu reduzieren. Die Therapie in der Ruhephase (der sogenannten Remission) empfiehlt sich bei Erkrankten, die immer wieder mit schweren Schüben zu kämpfen haben. Hier kommen ebenfalls Entzündungshemmer zum Einsatz, die der Patient fortwährend einnimmt.

Chirurgische Eingriffe: Selbst wenn MC-Erkrankte auf die medikamentöse Behandlung ansprechen, müssen sie im Laufe ihres Lebens mit Operationen rechnen. Chirurgische Eingriffe werden nötig, wenn Komplikationen auftreten. Kommt es zum Darmdurchbruch, zu dauerhaften Engstellen, Darmverschlüssen oder Darmblutungen, werden stark befallene Areale entfernt.

Begleitende Psychotherapie: Das ständige Auf und Ab, die Schmerzen, der Verzicht auf Essen oder die Angst davor sowie die Tatsache, dass die Krankheit das Leben der Patienten stark beeinflusst, führen zu einem enormen Leidensdruck. Gegen die psychischen Folgen von Morbus Crohn können Gesprächstherapien und Selbsthilfegruppen helfen – ebenso wie Entspannungsübungen oder Autogenes Training.

> Was ist das Blindsacksyndrom?

Wie kann man Morbus Crohn vorbeugen?

Es ist nicht bekannt, wie einem Morbus Crohn vorgebeugt werden kann, weil die Ursachen (noch) so unklar sind. Sicher ist, dass Nichtraucher seltener erkranken. Ansonsten wirkt sich ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, genügend Bewegung und möglichst wenig Stress positiv auf den allgemeinen Gesundheitszustand aus.

Wie ist die Prognose?

Ein Morbus Crohn ist nicht heilbar, mit einer gut eingestellten Therapie hat der Patient aber ein weitgehend normales (und langes) Leben vor sich. Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung verläuft bei jedem anders. Fast die Hälfte der Betroffenen berichtet jedoch, dass der MC im Laufe der Therapie und der Zeit an Intensität verliert. Um Schübe rechtzeitig zu verhindern, ist es wichtig, die Signale des Körpers früh genug wahrzunehmen, seine Krankheit einschätzen zu lernen und mit dem Arzt im steten Austausch zu stehen.

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